"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum Katharina Behrends für ihre erste 13th Street-Serie in den Beichtstuhl steigt

 

Ein finster blickender Priester, der im Kirchenraum raucht, damit er gequälten Seelen besser zuhören und Verbrechen scharfsinniger lösen kann: Lange hat Katharina Behrends, Chefin der NBC Universal-Sender in Deutschland, die Branche auf "Culpa - Niemand ist ohne Schuld", die erste Serien-Eigenproduktion für 13th Street, warten lassen. Sie selbst tankt Kraft bei Yoga-Mantras - um auch mal Sky die Zähne zeigen zu können.

kress.de: Frau Behrends, anders als einige Ihrer Pay-Mitbewerber haben Sie sich mit Ihrer ersten fiktionalen Eigenproduktion, der Serie "Culpa", relativ lange Zeit gelassen. Warum?

Katharina Behrends: Wir wollten etwas, dass hunderprozentig zu 13th Street passt und zu dem wir 100% stehen können. Als erfolgreichster fiktionaler Pay-Sender wollten wir unbedingt einen eigenen Weg gehen, der zu uns passt und etwas Neues, noch nicht Dagewesenes zeigen. Da haben wir einen sehr hohen Anspruch.

kress.de: Wie zu hören ist, haben Sie - bei einem überschaubaren Team in Ihrem Sender - das Konzept zur Serie im eigenen Haus entwickelt und nicht um Ideen pitchen lassen. Wie muss man sich den Entstehungsprozess von "Culpa" genau vorstellen?

Katharina Behrends: Wir haben uns auch viele externe Konzepte - neben intern entwickelten Ideen -  angeschaut, aber am Ende festgestellt, dass wir selber unseren Sender am besten kennen und daher auch am besten wissen, welche Spannung, welche Idee und welchen Look unsere erste eigene fiktionale Serie haben muss. Ich bin stolz, dass unser kleines Team nach vielem Brainstorming selber auf dieses spannende Konzept gekommen ist.

kress.de: Sie haben zwar schon andere Eigenformate auch für andere Sender neben 13th Street drehen lassen. Wie wichtig ist denn der eigene deutsche Fußabdruck für ein US-geprägtes Haus und in wie weit motiviert das Ihre Mitarbeiter, wenn Sie jetzt "richtiges Fernsehen" machen?

Katharina Behrends: Wir haben schon immer innovative deutsche Formate gemacht, und in erster Linie ist die Idee entscheidend - und nicht, ob es fiktional oder nicht ist. Ich sehe da keine qualitativen Unterschied. Großartig ist natürlich, dass "Culpa" jetzt von Universal Distribution national und international vertrieben wird und wir neben den großartigen Universal-Serien im Katalog gelistet werden. Zudem können alle Universal-Sender im Ausland auch "Culpa" ausstrahlen - wollen das auch! 

kress.de: "Culpa" schafft es, trotz der Einschränkung auf meist nur einen Schauplatz - einen engen Kirchen-Beichtstuhl - viel Kopfkino entstehen zu lassen und durchaus große Spannung aufzubauen. Inwieweit war das aus Ihrer Sicht auch ein Statement, dass man auch mit einfachen Mitteln starke Fiktion produzieren kann?

Katharina Behrends: Genau das haben wir gewollt! Ganz nah an den Gesichtern zu sein und fast nur damit Emotionen und Spannung zu erzeugen. Das geht allerdings nur mit hervorragenden Schauspielern, wie wir sie hatten.

kress.de: Bei der Vorstellung der Serie - am Originaldrehort in Berlin und jüngst auf dem Filmfest München - erzählten die Schauspieler, allen voran Hauptdarsteller Stipe Erceg, dass ihnen die fast Kammerspiel-Arbeit an der Serie großen Spaß gemacht hat - und Freiräume gelassen hat, Ihr schauspielerisches Können zu zeigen. Was macht aus Ihrer Sicht die "Culpa"-Drehbücher besonders?

Katharina Behrends: Sie sind intensiv und eindringlich, schmerzhaft nah dran, berührend, sehr dicht und schnörkellos.

kress.de: Rasch kam der Ruf auf, mehr "Culpa"-Folgen zu drehen? Wann und wie wird es Nachschub für die Krimifans geben?

Katharina Behrends: Wir überlegen gerade, was und in welchem Format wir unser nächstes Projekt angehen. Es geht auf jeden Fall weiter und es wird wieder etwas für 13th Street sein. Wir sind total motiviert und haben tausend Ideen.

kress.de: Ihre Programmmarken machten erst kürzlich erneut von sich reden, als Amazon Sie mit gleich vier Angeboten in das "Channels"-Angebot aufnahm? Was versprechen Sie sich von diesem neuen Vertriebsweg und wo liegt der Reiz der Kooperation?

Katharina Behrends: Erstmalig können unsere neuen Angebote Syfy Horror, Studio Universal Classic und E! einzeln abonniert werden und wir sehen unmittelbar, welche Nutzer wir erreichen und was genau sie an unserem Angebot im einzelnen interessiert. Außerdem starten wir nur erstmalig auch rein im SvoD-Bereich mit einem neuen Angebot.

kress.de: Ihr Amazon-Angebot "Syfy Horror" gibt es in dieser Form nicht beim US-Mutterhaus. Was hat Sie dazu veranlasst, so etwas in Deutschland auszuprobieren?

Katharina Behrends: Wir haben erstaunt festgestellt, dass es bisher im deutschsprachigen Raum keine Destination für alle Horrorfans gibt. Und fast alle schauen gerne Horror! Der Erfolg gibt uns bisher recht, wir haben eine sehr starke Marke zu bieten.

kress.de: Als Senderchefin müssen Sie Ihr Haus durch eine derzeit offensichtlich gelegentlich auch durchaus ruppige Verhandlungswelt zwischen Lizenzgebern und Plattformpartnern steuern. Inwieweit gibt Ihnen da die Amazon-Kooperation Rückenwind - auch als Signal an Sky?

Katharina Behrends: Wir freuen uns einfach, neue nicht-lineare Angebote zu starten, von denen wir überzeugt sind und Amazon offensichtlich auch. Eine gewisse Unabhängigkeit schadet da natürlich nie.

kress.de: Wie zuletzt zu hören war, wird das bisherige, langjährig bestehende Joint-Venture der History-Sender aus dem Hause A+E mit NBC Universal sich lösen. Welche Auswirkung hat das konkret auf Ihre Teams?

Katharina Behrends: Gar keine, da wir ja weiter eng zusammenarbeiten und in vielen Bereichen weiter mit A&E kooperieren. Ich habe leider keine schönen Boardmeetings mit den netten A&E Kollegen mehr.

kress.de: Wann werden Sie mit NBC Universal den bisherigen gemeinsamen Sendersitz in der Münchner Maxvorstadt verlassen?

Katharina Behrends: Gar Nicht! Wir haben gerade fünf Jahre verlängert. Warum sollten wir das schönste Büro Münchens mit großer Dachterrasse verlassen? Alle sind doch froh, mal von Unterföhring nach Schwabing zu kommen und bei uns Meetings zu machen...

kress.de: Auch mit viel Erfahrung, Routine und guten Kontakten sowie verlässlichen Mitarbeitern kann man ja nur eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden in der üblichen Woche unterbringen. Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Katharina Behrends: Ich mache regelmäßig Yoga und sage mir dann mantramäßig "Your Hearts just beats and that's enough".  Dann habe ich sofort wieder gute Laune und Energie.

kress.de: Sie haben ja schon früh im Fernsehgeschäft Erfahrungen gesammelt - darunter lange als Sender-Juristin. Wie viel Selbstbewusstsein gibt so ein Background, wenn man mal wieder in anstrengende Vertragsverhandlungsrunden zieht?

Katharina Behrends: Mich bringt so schnell nicht mehr aus der Fassung, und der juristische Hintergrund hilft natürlich sehr. Meistens geht es um das richtige Timing und Durchhaltevermögen. Beides kann ich ganz gut.

kress.de: Die Arbeit mit US-Partnern bringt ja oft späte Conference-Calls und durchaus sportliche Zeitpläne mit sich. Wie tanken Sie neben der Arbeit Energie, um die Batterien immer wieder aufzuladen?

Katharina Behrends: Familie und Freunden ist meine Tätigkeit zum Glück völlig egal und spielt auch keine Rolle. Mich entspannt z.B., mit meinen Freunden über Bücher zu reden in meinem Lesekreis. Und Sport! Wie gesagt: "Your Heart just beats and that's enough!"

kress.de: Können Sie sich privat überhaupt Tage ohne Thrill, Nervenkitzel, aber auch den Mode-Glamour und Gossip etwa der "E!"-Welt vorstellen? Oder ist man gedanklich rund um die Uhr Senderchefin?

Katharina Behrends: Bei vier Sendern und zwei neuen, gerade gelaunchen SvoD-Channels bei Amazon ist es derzeit ziemlich viel und aufregend, aber ich liebe ja auch meinen Job und ich empfinde ihn auch nicht als Arbeit. Ich kann dann aber auch zum Glück andererseits total abschalten.

kress.de: Sie haben schon länger ein "kressköpfe"-Profil angelegt. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Katharina Behrends: Sehr wichtig, da man so automatisch in der Branche bestens vernetzt ist.

kress.de: Mit welchem Geschäfts- oder Kooperationspartnern, Querdenkern oder Kreativköpfen würden Sie sich - idealerweise über die "kressköpfe" - gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Katharina Behrends: Gerade interessieren mich natürlich aus gegebenem Anlass Gespräche mit Produzenten.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Katharina Behrends: Mich interessiert insbesondere die digitale Innovationskultur und natürlich personelle Veränderungen in der Branche.

kress.de-TV-Tipp: In der bislang nur vierteiligen Mini-Serie "Culpa - Niemand ist ohne Schuld", der ersten fiktionalen Eigenproduktion für den Pay-TV-Sender 13th Street, spielt Stipe Ereceg einen Priester, der im Beichtvater mit shockierenden Verbrechensgesichten konfrontiert wird - und diese mit viel Überzeugungskraft, Mut und eigener krimineller Phantasie lösen kann. Die erste Folge läuft ab Mittwoch, 12. Juli um 20.13 Uhr auf 13th Street.

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