Publicis Pixelpark, Serviceplan, FischerAppelt oder SinnerSchrader - diese Namen fallen einem womöglich als Erstes ein, wenn man an große Full-Service-Agenturen denkt, bei denen Unternehmen Webseiten oder Apps programmieren lassen können, ganze Online-Welten, mit allem, was dazugehört. Bei den Publishern spielen diese Namen allerdings keine besondere Rolle. Eine Umfrage von "kress pro" unter den hundert größten Online-Angeboten - gemessen an der IVW-Reichweite - offenbart eine sehr heterogene Landschaft, wenn es um die technischen und kreativen Dienstleister geht, von denen sich Marken wie Zeit Online, faz.net oder Heise helfen lassen.

Das Angebot hat sich in den vergangenen Jahren extrem ausdifferenziert. Allein bei dieser Umfrage wurden über 60 Unternehmen genannt - und das dürfte nur ein Teil des Marktes sein. Neben den Full-Service-Agenturen sind es vor allem kleinere Units, die sich auf einzelne Spezialgebiete konzentrieren: auf Messenger-Bots, App-Testing oder Sport-Liveticker, um nur drei zu nennen. Manche können sich vor Aufträgen kaum retten. Ihre Namen sind klangvoll, ihre Referenzen beachtlich: Sie arbeiten für Axel Springer, Burda oder die Süddeutsche Zeitung. Manche verstehen sich mehr als Softwaredienstleister denn als Agentur. Daneben gibt es jede Menge Freelancer, die auf Projektbasis oder für kürzere Zeiträume engagiert werden.

"Die Zeit der großen Agenturen im Technikbereich ist meines Erachtens vorbei", sagt Werner Wittmann, Leiter Digitale Medien beim "Kicker". Sein Haus zumindest setzt auf Dienstleister, "deren Priorität und Expertise sich an den Anforderungen der einzelnen Kunden ausrichtet und nicht an großen Overheads mit einem Übermaß an Projektmanagement, die Prozesse nur unnötig verlangsamen". Acht Agenturen beschäftigt der "Kicker" derzeit. An Tickaroo, einem ehemaligen Start-up für App-Entwicklung, haben sich die Nürnberger sogar beteiligt. Wittmann schätzt den direkten Zugriff auf den Dienstleister. "Früher mussten wir uns bei manchen Agenturen hinten anstellen, wenn Konzerne wie die Telekom oder große Automobilhersteller kamen."

Wie das "kress pro"-Ranking entstanden ist

"kress pro" hat die Top 100 der IVW-Reichweitenliste (Stand März 2017) nach ihren Dienstleistern gefragt. Anschließend wurden die Agenturen selbst befragt. Es wurden nur Geschäftsbeziehungen berücksichtigt, die von den Beteiligten selbst bestätigt wurden bzw. sich aus den Referenzen der Agenturen ergaben. Für jede Digitalagentur wurden die IVW-Visits (Kategorie "Online gesamt", Stand März 2017) der Kunden addiert. (Hinzu gezählt wurden neben dem IVW-gelisteten Angebot auch digitale Nebenprodukte, die sich direkt zuordnen lassen.) Die Platzierung spiegelt so die Marktdurchdringung wider. Insgesamt wurden mehr als 60 Agenturen gegenüber "kress pro" genannt. Daraus wurden die wichtigsten 20 Full-Service-Agenturen und die wichtigsten zehn "Spezialagenturen" (mit einem besonderen Schwerpunkt wie z. B. Newsletter-Technologie) ermittelt. Noch ein Wort zum IVW-Sample: Das vorliegende Ranking orientiert sich strikt an den IVW-Online-Nutzungsdaten (Online, Mobile, Apps, Connected TV), insofern wurden auch Angebote wie chefkoch.de, die Gelben Seiten oder wetter.de berücksichtigt, die nicht klassischerweise zu den Publishern (im journalistischen Sinne) zu zählen sind. 

Die Top-10 der Full-Service-Agenturen

1. Useeds - 2008 gegründet und im vergangenen Jahr mehrheitlich von der Syzygy-Gruppe übernommen - 50 Mitarbeiter - Geschäftsführer sind Ron Hofer, Sven Lieckefett und Sascha Mahlke

2. Neofonie - ging 1998 im Zuge der Entwicklung der ersten deutschen Suchmaschone "Fireball" an den Start - rund 180 Mitarbeiter - Geschäftsführer Thomas Kitlitschko

3. TBO Interactive - inhabergeführt mit 18 festen Mitarbeitern - Geschäftsführer Ruslan Krohn

4. Edenspiekermann - inhabergeführt mit 119 Mitarbeitern - Partner & Creative Director Christian Hanke

5. Spiegel Techlag - Spiegel-Tochterunternehmen mit 12 Mitarbeitern - Geschäftsführer: André Basse und Jan Siegel

6. Folge 3 - Geschäftsführer: Christoph Fröhlich und Anja Künzel - 10 Mitarbeiter

7. 21Torr - seit 1994 am Start - insgesamt 95 Mitarbeiter - Geschäftsführer: Marcus Reiser, Jan Ditze und Oliver Zils

8. Pitcom - Geschäftsführer: Andreas Dienelt und Hans-Jürgen Stüber - 25 Mitarbeiter

9. Palasthotel - 13 festangestellte Entwickler - Geschäftsführer: Marcus Abel, Benjamin Birkenhage, Sascha Hagemann, Enno Welbers

10. Edelweiss72 - gehört zur Mediengruppe Oberfranken - 40 Mitarbeiter - Geschäftsführer: Peter Dobetsberger, Stefan Kurzweg, Monika Monteiro, Markus Wierl

Auf den Plätzen 11 bis 20:

Pure Labs (Geschäftsführer: Dana Nedamaldeen, Sebastian Slomski) Pluswerk AG (Magnus Schubert), Interactive Pioneers (Carlo Matic), Mayolove (Franz Xaver Hartung, Amir Sufi), Artundweise (Anika Hirsch, Dirk Beckmann), Jung von Matt (Stefan Mohr, Andreas Ernst), Cellular (Roman Kocholl, Birger Veit), Proof (Markus Hüßmann, Romina Gerhards), Demodern (Kristian Kerkhoff, Alexander El-Meligi), Namics (Jürg Stuker).

kress.de-Tipp: Wie hoch die IVW-Reichweiten der Top-20-Full-Service-Agenturen sind und welche Kunden sie betreuen, steht im großen Ranking "Digitalgenturen" in "kress pro". Dabei listet "kress pro"-Autor Marcus Schuster auch die Top-10 bei den "Spezial-Agenturen" auf. Schuster berichtet zudem, wie - analog zum immer breiteren Agenturangebot - Medienhäuser wie Sport1 und Heise eigene Kompetenzen in der technischen Umsetzung von Onlineformaten und -tools aufbauen. Die "kress pro" Ausgabe 4/2017 kann als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk erworben werden. 

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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