"Bravo"-Chefin Ulla Drewitz: Wie "Bravo" das Thema Politik ins Blatt hebt

 

Obwohl der Großteil der "Bravo"-Leser noch nicht wählen darf, steigt die Bauer-Zeitschrift in die politische Berichterstattung ein. Warum Politik die unter 18-Jährigen durchaus interessiert und wie Bundeskanzlerin Angela Merkel es schaffen könnte, auch einmal auf das "Bravo"-Cover zu kommen, erklärt "Bravo"-Chefin Ulla Drewitz am kress.de-Telefon.

kress.de: Sie berichten in zwei Ausgaben über Politik und die Bundestagswahl 2017. Interessiert das die Leser von "Bravo", die ja in der Mehrzahl noch nicht wählen dürfen?

Ulla Drewitz: "Bravo"-Leser dürfen vielleicht in diesem Jahr noch nicht wählen, aber sie sind definitiv die Wähler von morgen. Und auch in ihrem Alltag sind politische Themen allgegenwärtig – ob in den Medien, im Gespräch mit Freunden und der Familie oder im Schulunterricht. Deswegen haben wir ganz aktuell zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov eine große politische Studie unter 14- bis 17-Jährigen durchgeführt – mit teilweise überraschenden Ergebnissen. Wir sind nah dran an ihren Wünschen und Sorgen. Auf unseren Instagram-Post zum Thema "Politik" gab es überraschend viele Reaktionen. Einen Teil davon bilden wir auch in der aktuellen Ausgabe ab.

kress.de: Sie haben gerade die politische Studie bei den unter Achtzehnjährigen mit YouGov erwähnt. Was hat Sie dabei besonders überrascht?

Ulla Drewitz: Unsere Umfrage hat zum Beispiel ergeben, dass rund ein Drittel der befragten Jugendlichen großes Interesse an politischen Themen hat. Besonders das Thema "Innere Sicherheit" beschäftigt junge Menschen: Zwei Drittel gaben an, dass ihnen dieses Anliegen sehr wichtig sei – sogar wichtiger als das Thema "Ausbildung". Das überrascht uns schon. Insgesamt fühlen sich die Befragten von der Politik und den Parteien nicht ausreichend vertreten. Am ehesten identifizieren sie sich aber mit den aktuellen Regierungsparteien. So würden 35 Prozent Angela Merkel wählen, 10 Prozent Martin Schulz und auf Platz 3 landet mit 6 Prozent Horst Seehofer.

kress.de: Wo informieren sich Jugendliche über Politik denn heute?

Ulla Drewitz: Der Großteil läuft tatsächlich über den Schulunterricht, dicht gefolgt vom Fernsehen und dem Austausch mit der Familie. Schule und Eltern stehen also ganz weit oben auf der Liste. Aber auch News-Apps und Soziale Medien nutzen die Teenager, um sich in Sachen Politik auf den neuesten Stand zu bringen. Was den Erhalt politischer Information via Social Media angeht, ist Youtube bei den Jugendlichen die beliebteste Online-Plattform. Danach folgen Facebook und Instagram. Wenn es um Newsseiten und Apps geht, nutzen Teenager vor allem Spiegel online, Tagesschau.de, Focus online, Süddeutsche online und Welt. 

kress.de: Wird Politik jetzt zum Dauerthema in "Bravo"?

Ulla Drewitz: Nein, das sicherlich nicht. Unser Fokus liegt auf unterhaltenden Themen. Wir wollen Jugendlichen Orientierung bieten, indem wir aktuelle Themen, die die gesellschaftliche Diskussion bestimmen, einordnen. Dazu gehören auch immer wieder politische Themen. So haben wir in "Bravo" zum Beispiel die USA-Wahl erklärt. Und auf unserer Webseite haben wir die Schuluniform-Diskussion mit einer Umfrage zum Thema gemacht.

kress.de: Wann sehen wir Angela Merkel auf dem Cover von "Bravo"?

Ulla Drewitz: Sie meinen das wahrscheinlich als Scherz – aber warum eigentlich nicht? Schließlich hat "Bravo" schon ein Papst-Poster zum Weltjugendtag gemacht, es gab ein Obama-Poster, und vielleicht schafft es Angela Merkel ja tatsächlich einmal im Rahmen einer gemeinsamen Aktion auf unser Cover. Dafür müsste die Kanzlerin allerdings mit uns sprechen und noch wichtiger: Sie müsste die Fragen der Jugendlichen – also unserer Leser – beantworten. Das hat jetzt aktuell leider nicht geklappt. Aber vielleicht ändert sie ja nach unserer aktuellen Berichterstattung ihre Meinung.

Die Fragen an "Bravo"-Chefin Ulla Drewitz stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Hintergrund: Für die politische Jugendstudie haben "Bravo" und das Meinungsforschungsinstitut YouGov 522 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren befragt. Die Befragung erfolgte am 14. und 15. Juni 2017. Die Jugendstudie kann nach einer Registrierung hier kostenfrei heruntergeladen werden.

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