"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum Pilot-München-Boss Oliver Roth das Rasenmähen so liebt

 

15 Jahre existiert der Pilot-Standort nun in der bayerischen Landeshauptstadt. Um die Zukunft der Mediaagenturen macht sich Oliver Roth wenig Sorgen - auch wenn sich das Arbeiten in Zeiten von Programatic Buying und algorithmischen Wettbewerbern stark verändert hat. Im Interview verrät der Agenturboss, worauf er bei der Mitarbeiter-Auswahl achtet - und wie er sich selbst geistig fit hält. "Ich lerne jeden Tag", so Roth. 

kress.de: Herr Roth, Gratulation zu 15 Jahren Pilot in München. Wie wichtig ist es eigentlich, solche Jahrestage auch zu feiern?

Oliver Roth: Uns liegt es am Herzen, einmal im Jahr allen Kunden, Vermarktern und Freunden des Hauses Dankeschön zu sagen. Bei fünfzehn Jahren gilt dies natürlich besonders. Als Mediaagentur hat man keinen Selbstzweck - umso wichtiger ist es, einmal kurz zurückzublicken und sich das bewusst zu machen.

kress.de: In 15 Jahren hat sich die Medienlandschaft natürlich stark verändert. Wird Ihnen selbst gelegentlich ein wenig anders, wenn Sie an die "heile Welt" Ihrer Anfangstage zurückdenken?

Oliver Roth: Also heil war da am Anfang auch nicht alles! Aber Sie haben natürlich Recht, unsere Branche hat sich in den vergangenen fünfzehn Jahren grundlegend verändert. Entsprechend sind wir als Agentur gefordert, diese Veränderungen zu antizipieren und darauf zu reagieren. Daher haben wir die Agentur auch ungefähr alle drei bis vier Jahre komplett umgebaut. Seit der Gründung hat sich Pilot München also bereits vier bis fünf Mal gewandelt - insofern hat ein Blick zurück für mich fast schon archäologische Züge.

kress.de: Fake News, riskante Werbe-Umfelder, vermeintlicher oder echter Ansehensverlust verschiedener Medien: Wie schwer ist es, sich auch mit dem Werbegeschäft nicht in Abwertungsdebatte hineinziehen zu lassen?

Oliver Roth: Neue Technologien bringen immer auch Veränderungen mit sich, die uns weniger gefallen oder die uns vor neue Herausforderungen stellen. Entscheidend ist, dass alle Marktteilnehmer gemeinsam daran arbeiten, die Qualität und Vielfalt unserer Medienlandschaft zu erhalten.

kress.de: Klassischerweise gilt das Agentur- als ein Beratungs- und Vertrauensgeschäft. Wie häufig ärgern Sie sich, wenn Markt-Disruptoren wie etwa Blackwood Seven behaupten, scheinbar perfekte algorithmische Lösungen per Knopfdruck anbieten zu können?

Oliver Roth: Auch das ist Teil der Veränderung des Marktes. Player wie Blackwood Seven existieren und werden ihren Platz finden. Dabei kann ich mir durchaus vorstellen, dass die operativen Prozesse einer Agentur durch Automatisierung erheblich verbessert und effizienter gemacht werden können. Allerdings fehlt es mir an Fantasie, wie in einer sich permanent verändernden Umgebung eine Maschine schlauer sein kann als ein top ausgebildeter Berater. Der Faktor Mensch und damit das kreative und beratende Element ist nicht durch Algorithmen zu ersetzen.

kress.de: Verunsichert der Trend zu programmatischen Buchungen und automatisierten Lösungen nicht auch Ihre vielen Mitarbeiter, die sich möglicherweise Zukunftssorgen machen?

Oliver Roth: Nein, da sich bei uns nur die operativen Prozesse im Hintergrund automatisieren. Dadurch bleibt unseren Berater viel mehr Zeit für ihren eigentlichen Job, nämlich gemeinsam mit dem Kunden Lösungen für die unterschiedlichsten Kommunikationsaufgaben zu entwickeln.

kress.de: Neben Media-Leistungen hat die Pilot-Gruppe immer schon auch auf eigene Kreativentwicklungen und Hilfe bei der Gestaltung von Kampagnen gesetzt. Wie schwierig ist dieser Spagat?

Oliver Roth: Für die Agenturgruppe Pilot ist das kein Spagat. Bei uns arbeiten die Kollegen aus Media und Kreation - und im Übrigen auch aus dem technologischen Bereich - interdisziplinär zusammen. Das ist die perfekte Ergänzung und führt zu einem deutlich besseren Ergebnis.

kress.de: Wenn Sie gleich noch mal 15 Jahre in die Zukunft schauen. Wird es dann überhaupt noch Mediaagenturen geben oder verändert sich das Zusammenspiel von Medien-Rezipienten und -Produzenten ohnehin radikal?

Oliver Roth: Ich bin fest davon überzeugt, dass es auch in 15 Jahren noch Mediaagenturen geben wird. Gerade der fortwährende Trend der Automatisierung rückt doch die menschliche Beratungsleistung noch stärker in den Fokus und verleiht ihr noch mehr Relevanz. Vor allem wenn ich an die Flut an Daten und Informationen denke, die uns künftig überschwemmen wird. Diese müssen sinnvoll verwertet und interpretierbar aufbereitet werden, um letztendlich gute Kampagnen daraus entwickeln zu können. Das kann nur ein erfahrener Mediaplaner. Aus dem Englischen übersetzt ist der Pilot ein "Lotse" - seit dem Bestehen der Agentur waren wir noch nie näher an dieser Bedeutung als heute.

kress.de: Worauf achten Sie besonders, wenn Sie heute neue Mitarbeiter einstellen?

Oliver Roth: Der Mediaplaner von heute muss eigentlich die gesamte Klaviatur moderner, digitaler Kommunikation beherrschen. In unserer Branche sind Allrounder und Generalisten gefragt, die an der Schnittstelle zwischen Kunden unterschiedlichster Branchen und den Medien überzeugen können. Wenn man dann noch eine gute Portion Neugier mitbringt und idealerweise keine Angst vor neuen Technologien hat, stehen einem die Türen bei Pilot offen.

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene Karriere zurückblicken - welche Erfahrungen waren für Sie die wichtigsten? Wo haben sie am meisten gelernt?

Oliver Roth: Ich lerne jeden Tag, und das macht diesen Job so unglaublich großartig. Ich kenne viele Menschen, die für zwei oder drei Jahre in eine Firma gehen, ein Projekt oder einen Prozess begleiten und nach Abschluss das Unternehmen wechseln. So etwas brauche ich gar nicht. Die Veränderung kommt zu mir - das ist mein persönliches Salz in der Suppe.

kress.de: Wie tanken Sie eigentlich neben der Arbeit Energie, um die Batterien immer wieder aufzuladen?

Oliver Roth: Sie werden lachen - ganz kontemplativ beim Rasenmähen.

kress.de: Sie haben schon länger ein "kressköpfe"-Profil angelegt. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Oliver Roth: Networking ist in unserer Branche sehr wichtig - vor allem wenn man am Anfang seiner Karriere steht.  Die kress Köpfe sind für mich ein gutes Recherche-Tool, aber ich gebe zu, dass ich nach über zwanzig Jahren in der Mediaindustrie und fünfzehn Jahren Pilot München ich mein Profil einmal wieder ansehen und aktualisieren müsste.

kress.de: Mit welchem Geschäfts- oder Kooperationspartnern, Querdenkern oder Kreativköpfe würden Sie sich - idealerweise über die "kressköpfe" - gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Oliver Roth: Da fallen mir extrem viele ein. Aber wir hatten vor kurzem eine sehr interessante Talkrunde zum Thema Fake News und Filterblasen bei unserer Pilot Business Lounge, an der unter anderem der ehemalige Bild-Chefredakteur und -Herausgeber Kai Diekmann teilgenommen hat. Diese Diskussion würde ich gerne bei einem gemeinsamen Mittagessen fortsetzen.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Oliver Roth: Die beiden Plattformen ergänzen sich in meinen Augen sehr gut. Kress pro bietet Hintergründiges, gut recherchierte Geschichten, die die Branche bewegen. Außerdem stellt das Heft die interessanten "Macher", die hinter den Unternehmen oder Medien-Marken stehen, vor. Bei kress.de schaue ich gerne rein, um mich über das aktuelle Tagesgeschehen der Medien- und Agenturwelt zu informieren.

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