"Der Standard" startet Digital-Angebot für Deutschland: "Wollen gemeinsam mit Nutzern etwas aufbauen"

 

Berlin statt Wien, Angela Merkel statt Christian Kern - mit einem eigenen Digital-Angebot für den deutschen Markt will "Der Standard" ab sofort Nutzerinnen und Nutzer von Flensburg bis nach Oberammergau erreichen. Das Angebot startet einen Tag, bevor die "Neue Zürcher Zeitung" ihre "NZZ Perspektive" das erste Mal veröffentlicht, ein E-Paper mit dem deutschen Markt als Ziel. Im Gespräch mit kress.de erklärt Gerlinde Hinterleitner, Digital-Verlagsleiterin vom österreichischen "Der Standard", die Pläne.

Da ist dem kleinen "Standard" eine kleine Überraschung gelungen. Unbemerkt hat das österreichische Medienhaus in Wien an derstandard.de gearbeitet und heute gelauncht. Das kleine Team besteht in erster Linie aus Entwicklungsleuten, Karina Hohenscherer als technische Projektleiterin, Ulrich Dobiasch als Verantwortlicher für das Erscheinungsbild, Radoslaw Jedrasiak für alles unter der Motorhaube. Florian Jungnikl-Gossy, ehemals stern.de, verantwortet die inhaltlichen Aufgaben. Eine eigene Redaktion für das deutsche Angebot wird es erst geben, wenn der Erfolg sich einstellt, macht Gerlinde Hinterleitner im kress.de-Gespräch deutlich.

kress.de: Frau Hinterleitner, Sie haben heute derstandard.de gelauncht. Braucht Deutschland ein weiteres Nachrichtenportal mit allgemeinen Nachrichten?

Gerlinde Hinterleitner: Wir gehen bescheiden in diesen neuen Markt. Wir wissen, dass wir in der Deutschland-Berichterstattung nicht besser sein werden als bereits bestehende Nachrichtenportale. Wir wissen aber auch, dass niemand eine vergleichbare Mischung aus Qualitätsjournalismus und Community-Plattform anbietet, wie wir sie in den vergangenen 20 Jahren in Österreich aufgebaut haben. Wir haben den Rückkanal verinnerlicht. Wir haben eine Plattform geschaffen, die Diskurs ermöglicht.

kress.de: Sie starten im Labormodus, sagen, dass am Anfang nicht alles perfekt sein wird. Warum haben Sie nicht gewartet, bis alles funktioniert?

Gerlinde Hinterleitner: Weil wir lernen wollen, jeden Tag, weil wir gemeinsam mit unseren Usern etwas aufbauen wollen.

kress.de: Liegt es auch daran, dass die "Neue Zürcher Zeitung" ihre Fühler auf den deutschen Markt ausstreckt?

Gerlinde Hinterleitner: Nein, gar nicht, ist Zufall. 

kress.de: Ihr größtes Pfund ist die "Der-Standard"-Community. Sind Österreicher kommunikationsfreudiger als Deutsche oder wie kommt es, dass täglich über 30.000 Nachrichten von Nutzern bei Ihnen veröffentlicht werden?

Gerlinde Hinterleitner: Nein, das glauben wir nicht. Der Größe der Community war jahrelange, konsequente Arbeit und diese möchten wir jetzt auch in Deutschland starten.

kress.de: Wann soll derstandard.de in den Regelbetrieb übergehen?

Gerlinde Hinterleitner: Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Sollten wir so erfolgreich sein, wie wir es uns wünschen, steht auch eine eigene Redaktion in Deutschland am Plan.

Die Fragen an Gerlinde Hinterleitner, Digital-Verlagsleiterin von "Der Standard", stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

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