"Wir fragen unsere kressköpfe": Worauf Claudia Leischner bei der Auswahl von Werbe-Nachwuchs achtet

 

Aus der grauen Welt der Paragraphen, die ihr Jura-Studium mit sich brachte, musste sich Claudia Leischner erst einmal freistrampeln. Den Freiraum, der ihr auch heute wichtig ist, fand sie bei Agenturen wie maxzwo und der S&J-Tochter graffiti. Seit 2012 ist sie General Managerin bei gyro aus dem Dentsu Aegis-Netzwerk - und kämpft leidenschaftlich gegen das Klischee verstaubter B2B-Werbung an. Pitch-Feldzüge liebt sie.

kress.de: Frau Leischner, heißes Wetter über der Stadt: Wie schwer fällt es, während der Sommersaison Kunden, die Öffentlichkeit, aber auch die eigenen Mitarbeiter für gute Werbung zu motivieren?

Claudia Leischner: Ich gebe zu, ich würde gerne selbst eine Sommerpause von zwei Monaten einlegen bei diesem tollen Wetter. Kunden sind tatsächlich weniger gut erreichbar. Wir selbst arbeiten im Sommer in der Regel für den Herbst vor, d.h. es gibt bei uns tatsächlich kein Sommerloch. Aber mit ausreichend Eiscreme und entsprechender Motivation hat das Team auch in einem heißen Sommer Spaß bei der Arbeit!

kress.de: Sie führen bereits seit 2012 den München gyro-Standort. Wie haben sich Ihr Alltag und Ihre Ziele seit Ihrer Zeit an der Agenturspitze verändert?

Claudia Leischner: Nach der Übernahme unserer Agentur durch das gyro-Netzwerk habe ich einige Änderungen vorgenommen und die Agentur ein Stück weit zu dem geformt, wie sie heute ist: Mit einer offenen, gelebten, positiven Arbeitskultur. Mit agilem Arbeiten und ganz viel Eigenverantwortung für jeden einzelnen Mitarbeiter. Das war eine große Herausforderung, aber ich bin sehr glücklich mit dem aktuellen Team und dem Zustand der Agentur. Tolle Kundengewinne wie Google, eBay oder Telefónica O2 zeigen, dass das Team nicht nur aus  exzellenten Kreativen besteht, sondern unsere Kunden auch den Spirit der Agentur mögen. Trotz allen Erfolgs versuche ich wachsam und sensibel für Veränderungen zu bleiben. Nur die permanente Bereitschaft zum positiven Wandel lässt uns als Agentur weiterleben. 

kress.de: München gilt als eine der wichtigsten, ist aber nicht die prominenteste deutsche Agenturstadt. Was hatte gyro einst bewegt, die bayerische Landeshauptstadt zum Hauptsitz in Deutschland zu machen?

Claudia Leischner: Unsere ursprüngliche Agentur, die gyro dann erworben hat, saß in München. Man hat dann nach der Übernahme den Standort bewusst belassen, weil München unbestritten die Stadt mit der größten Wirtschaftskraft in Deutschland ist. Viele große und spannende Kunden aus unterschiedlichen Branchen haben hier ihren Hauptsitz. Deshalb macht es auch großen Spaß, in München auf Neugeschäftstour zu gehen.

kress.de: Sie dürften sehr regelmäßig und eng mit den Verantwortlichen Ihrer US-Mutter-Company in Kontakt stehen. Hand aufs Herz: Wie häufig verflucht man Geschäftstelefonate und Reporting-Sessions zu ungemütlichen Bürostunden?

Claudia Leischner: gyro hat uns immer sehr stark bei der Entwicklung des Standortes unterstützt. Natürlich gibt es  Momente, in denen man sich vorstellen könnte, einen heißen Sommer anders zu verbringen, als an Reportings für das Network zu arbeiten. Alles in allem wird bei uns aber darauf Wert gelegt, dass jeder Standort seine Individualität behält und marktgerecht mit vielen Freiheiten agiert. Von uns als Machern vor Ort wird absolut erwartet, dem Standort den eigenen unternehmerischen Stempel aufzudrücken. Mit so viel Freiraum im Rücken macht Unternehmertum dann auch in Agenturnetzwerken noch richtig Spaß. 

kress.de: Sie haben einen ausgeprägten Werber-Hintergrund: Wie schwer fiel Ihnen der Wechsel ins B2B-Geschäft? Juckt es Sie noch manchmal, mit eigenen Plakatwänden im Straßenbild direkt den Freundes- und Verwandtenkreis zu beeindrucken?

Claudia Leischner: Am Anfang war es tatsächlich so, dass ich einige Bedenken hatte, ob B2B meine Leidenschaft für die Werbung unter Umständen einschränkt. Das hat sich aber als völlig falsch erwiesen. Wir bei gyro wollen mit dem Klischee aufzuräumen, dass B2B Kommunikation verstaubt, konventionell altbacken und faktenorientiert daherkommt. Wer einmal unsere heiligen Hallen in München betreten hat, spürt das sofort. Die Frage, ob wir wirklich eine B2B Agentur sind, haben wir in den letzten vier Jahren gefühlt um die 100 Mal beantwortet. Wir haben ein kreatives Umfeld, da stellt sich die Frage nach einer Zielgruppenlimitierung einfach gar nicht.

kress.de: Was hat Sie einst bei der Bewerbung gereizt und welche Herausforderungen machen das Alltagsgeschäft weiterhin spannend?

Claudia Leischner: Ich komme ursprünglich  aus der Juristerei. Und ich habe sehr lange nach einer Branche gesucht, in der ich mich verwirklichen kann und das Gefühl habe, nicht nur zu arbeiten, um meine Existenz zu sichern. Dieses Zuhause habe ich in der Werbung gefunden - und das ist nun bald 20 Jahre her. Natürlich ist ein großer Teil meiner Arbeit geprägt von Finanzen, Administration und allgemeinen GF-Tätigkeiten, aber es gibt noch sehr viel Raum "mitzuspielen". Und ich bin auch immer noch sehr nah an allen unseren Kunden dran, sei es im Hinblick auf konzeptionelle Arbeit oder auch einfach in der Pflege der Beziehungen. Wenn wir pitchen, bin ich immer voll dabei. Ich liebe es! 

kress.de: Wenn Sie einmal zurückblicken: Welche Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Lebenslauf haben sich besonders für die Arbeit bei gyro verdient gemacht?

Claudia Leischner: Ich glaube, vor allen anderen Dingen haben mich meine Eltern geprägt: deren Erziehung, und der Freiraum den ich immer hatte als Kind und Jugendliche, selbst herauszufinden, was für mich der beste Weg ist. Diese Freiheit im Kopf und auch eine unbegrenzte Neugierde habe ich mir immer behalten. Ich gehe an die meisten Dinge, sei es im Leben oder in der Arbeit, unvoreingenommen heran und bin eher neugierig darauf, was man alles erfahren, kreieren, umdenken kann. Da holt man sich gelegentlich auch einmal eine blutige Nase, aber das ist o.k.

kress.de: Was sind die Stärken, die man für das Agenturgeschäft heute aus Ihrer Sicht braucht? Auf welche fachlichen Schlüsselqualitäten achten Sie bei der Auswahl Ihrer Mitarbeiter?

Claudia Leischner: Grundsätzlich glaube ich, dass es vor allem in kreativen Berufen mehr auf Persönlichkeit und weiche Skills ankommt als auf die fachliche Ausbildung und Weiterbildung. Was zählt ist vor allen Dingen Talent und auch ein gewisser Grad an Kompatibilität im Team. Außerdem ein starker Wille, gemeinsam große Dinge zu leisten und Unmögliches möglich zu machen. Als Arbeitgeber sind wir gefragt, uns an den Wandel anzupassen und zu verstehen, dass sich mit einem Generationenwechsel eben auch Ansprüche und Erwartungshaltungen von Bewerbern und Mitarbeitern verändern. Ich versuche, hier möglichst offen zu bleiben und für die Bewerber Pakete zu schnüren, die uns als Arbeitgeber attraktiv machen.

kress.de: Auch mit viel Berufserfahrung, Routine und guten Kontakten kann man ja nur eine bestimmte Anzahl von Wochenarbeitsstunden unterbringen. Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Claudia Leischner: Ich nehme mir richtige Offlinezeiten, in denen ich noch nicht einmal SMS-Nachrichten lese. Zugegebenermaßen sind diese Zeitfenster relativ kurz, aber das komplette Abschalten von der permanenten Erreichbarkeit gibt mir einen richtigen Energieschub.  

kress.de: Wie sieht ein Tag aus, an dem Sie auch mal die Füße hochlegen?

Claudia Leischner: Der findet definitiv in der Natur statt. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft. Gerne in den Bergen, an der Isar oder ich mache Kurztrips. Im Gepäck habe ich dabei immer gute Bücher auf meinem Kindle. Das ist für mich die perfekte Freizeit. 

kress.de: Sie führen seit einiger Zeit ein Sie führen seit einiger Zeit ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Claudia Leischner: Ich sage mal ganz salopp: Da findet man fast jeden, und das Netzwerken ist unheimlich einfach. Ich sehe auf einen Blick, was meine potentiellen Partner und Geschäftspartner bieten, aber auch welche Interessen sie haben. So lassen sich sehr schnell Anknüpfungspunkte finden.

kress.de: Mit welchem Geschäfts- oder Kooperationspartnern, Querdenkern oder Kreativköpfen würden Sie sich – idealerweise über die "kressköpfe" – gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Claudia Leischner: Sehr gerne mit all denen, die echte Querdenker sind - und gegebenenfalls auch gar nicht unbedingt etwas mit der Werbebranche zu tun haben. Da hole ich mir die meiste Inspiration. Ich freue mich auf viele Mittagstermine! 

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kresspro"?

Claudia Leischner: kress.de erfolge ich schon seit sehr vielen Jahren, und das Angebot gehört auf jeden Fall zu meiner täglichen Lektüre. Meistens während der Mittagspause und dann auch noch einmal nach der Arbeit, wenn ich es mir auf meiner Couch gemütlich mache. Da ich kaum noch Zeitungen oder Magazine in Papierform lese, passt das sehr gut in meine digitale Lebensweise.

kress.de-Tipp: Sie arbeiten in der Medien- und Kommunikationsbranche? Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.de und legen in der Personen-Datenbank "Köpfe" ein Profil an. Ihren Köpfe-Eintrag können Sie mit einem Passwort bequem selbst pflegen und aktualisieren. Mit Ihrem Profil können Sie sich auf kress.de - beispielsweise mit Kommentaren - präsentieren und sind zudem - wenn gewollt - auch im Netz leicht auffindbar. Wir als Redaktion verknüpfen die Kopf-Profile mit Personalmeldungen und präsentieren am Wochenende die populärsten Köpfe der Woche.  

Alle Neuzugänge bei den "Köpfen" finden Sie hier.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.