"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum Peter "Bulo" Böhling schon wieder Bock auf Neues hat

 

Mit Ungeduld, scharfem Blick und viel Selbstbewusstsein beobachtet der Ex-"w&v"-Redakteur sowie "Clap"- und "Bock"-Gründer Peter "Bulo" Böhling schon seit längerem die eitle Medienbranche. Nun hat er ein neues Spielfeld gefunden - die Produktion von kurzen Bewegtbild-Clips. Erste Auftraggeber von ADAC bis CSU hat er schon an Bord. Als Storyteller versteht er sich, obwohl er beim Gute-Nacht-Vorlesen so schnell einschläft.

kress.de: Herr Böhling, Medienjournalist, Comic-Zeichner, Zeitschriftengründer, Künstler, Autor, Restaurantunternehmer und Szenegänger. Manchmal könnte einem schwindlig werden bei all dem, was Sie in Bewegung setzen. Was ist die passende Berufsbezeichnung?

Peter "Bulo" Böhling: "Möglichmacher"?! Oder auch "Geschichtenerzähler", wobei das so 'n bisschen wie "Märchenonkel" klingt. Vielleicht doch lieber "Storyteller", auf solche Verbalschwurbeleien steht die Branche doch.

kress.de: Neuerdings - so ist zu hören und sehen - haben Sie sich auch auf die Bewegtbild-Produktion für Kunden spezialisiert. Wie kommt es dazu?

Peter "Bulo" Böhling: Nach fast zwei Jahrzehnten Print hatte ich einfach Lust auf was Neues - was aber eigentlich gar nicht neu ist. Denn egal ob gedruckt oder gesendet: Es geht um das unterhaltende Erzählen und Visualisieren von Geschichten. Also: Schnell Kumpel Markus von Luttitz gefragt, ob er Bock auf 'ne Bewegtbildbutze hat. Hatte er. Fertig. Film ab!

kress.de: Wie sieht denn das Feedback der ersten Kunden aus und was muss man bei kurzen Filmen für den Digital-Einsatz richtig und besser machen als andere?

Peter "Bulo" Böhling: Von "Great fun, I love it!" bis hin zu "Wenn Sie nicht sofort verschwinden, lassen wir die Hunde los!" haben wir in den vier Monaten unseres Bestehens alles gehört. Besser machen? Keine Ahnung! Wir wollen es vor allem anders machen. Unangepasster. Geistreicher. Weg von dieser grassierenden, gähnenden Uniformität. Und wir wollen zeigen: Quatsch und Blödsinn müssen nicht sinnfrei sein. Erfreulicherweise haben das erste Kunden wie ADAC, CSU, History, A&E, Allianz oder die Medientage München schnell begriffen.

kress.de: Seit einiger Zeit geistert ja "Content Marketing" als Zauberwort durch die Branche. Ist es das? Oder wie würden Sie den schwammigen Begriff mit Leben füllen?

Peter "Bulo" Böhling: "Content Marketing" ist als Begriff zunächst mal genau so hohl wie manche Birnen derer, die in der Branche damit um sich prahlen. Griffig ist er aber trotzdem. Denn: Es gibt tatsächlich viele Unternehmen, die spannende Geschichten in der Schublade haben, ohne es zu wissen. Diese Inhalte zu bewegen, damit sie bewegen, ist eins unser Vorhaben - neben der Produktion von Werbespots, Musikvideos, Dokumentarfilmen oder "Miniserien".

kress.de: Wie schwer fällt es Ihnen, bei Auftragsproduktionen die kritische Distanz zu wahren und "frech" zu bleiben?

Peter "Bulo" Böhling: Überhaupt nicht, denn ich hab schließlich jahrelang darauf hingearbeitet, dass sich sowieso nur Leute auf 'n Bier und 'ne Auftragserteilung in die Gabelsbergerstraße 77 verirren, die genau diesen "frechen" Ansatz wollen.

kress.de: Ihr Adressbuch dürfte beineidenswert gut gefüllt sein. Was muss man beim Netzwerken beachten?

Peter "Bulo" Böhling: Dass das wahre Leben mit Blick nach vorn stattfindet. Am Tresen, beim Cricket, auf dem Flohmarkt, beim Sex, an der Pommesbude oder bei einer Tretbootfahrt auf dem Wörthsee. Draußen eben. Hier treffen Sie Menschen, hier können Sie Ihnen in die Augen schauen und mit Ihnen lachen, streiten oder weinen. So funktioniert Menschsein.

kress.de: Wie kommt es eigentlich zu dem neuen Unternehmensnamen "Gary Glotz" und wie muss man sich diesen Gary vorstellen?

Peter "Bulo" Böhling: Markus hat sich den Vornamen überlegt, ich den Nachnamen, und geboren war der hybride Kerl. Gary ist ein analoger Typ in einer digitalen Welt. Er liebt den Luxus, das Laster und die Liebe, hat keine Angst vor Experimenten und will auch dann fair bleiben, wenn er andere aus dem kreativen Tiefschlaf zu watschen versucht. Warten Sie mal kurz, ich hab unseren Chef-Illustrator gebeten, mal ein Bild von unserem Alter Ego zu zeichnen ...

kress.de: Viele bringen Ihren Namen mit dem "Clap"-Magazin in Verbindung. Ihr Rückzug aus dem Chefredaktionsteam mit Daniel Häuser hat dann doch überrascht. Warum dieser Schritt?

Peter "Bulo" Böhling: In zehn Jahren und 55 Ausgaben haben Daniel und ich fast alle charismatischen Medienmacher erlebt und mit Augenzwinkern journalistisch verwurstet. Nachdem die Branche derzeit leider nicht mehr viele Kantenköpfe hervorbringt, sondern eher widerstandslos einführbare Stromlinien-Figuren, war für mich - auch als Karikaturist - der Reiz verloren gegangen. Außerdem hatte ich Anfang 2016 ja die Idee zu "Bock!", dem beinahe-Printmedienpreis-prämierten Gagazin.

kress.de: Wie geht es denn mit "Bock!" weiter?

Peter "Bulo" Böhling: Och jooo ... sobald die 125.672,47 Euro Produktionskosten für die aufwendige geplante Platin-Nummer drei mit Anzeigen gegenfinanziert sind, geht sie in Produktion. Ich vermute aber, dass zuerst wohl der "Bocklub" in München seine türsteherlose Pforte öffnen wird - eine Bar, in der man auch tanzen kann. Hammer! Müssense mal vorbeikommen, Herr Sommer! Und bringense den Winter mit, der hat doch jetzt Zeit.

kress.de: Wie kann man sich den titelgebenden "Bock auf geilen Scheiß" eigentlich im manchmal ja doch ziemlich nervenaufreibenden Mediengeschäft bewahren?

Peter "Bulo" Böhling: Indem man alles nicht ganz so ernst nimmt und sich Mitstreiter sucht, die sich ebenfalls zu dieser Grundhaltung bekennen. Und indem man stets neugierig, eitel und schadenfroh bleibt.

kress.de: Sie waren ja selbst lange als klassischer Medienjournalist tätig und haben die Kollegen weiterhin im Blick. Was macht denn den speziellen Reiz, vielleicht sogar den Glamour der Medienbranche aus?

Peter "Bulo" Böhling: Dass es herrlich ist, ihr immer wieder humoristisch vor Augen zu führen, wie unglamourös sie eigentlich ist.

kress.de: "Clap" wollte als Medien-Beobachter immer ein wenig anders sein. Was vermissen Sie an der klassischen Berichterstattung auf Medien-Seiten, einschlägigen Magazinen oder in den Fachdiensten?

Peter "Bulo" Böhling: Den Biss, die Lust, das Wissenwollen! Ist doch Wahnsinn, dass es über ein halbes Jahr gedauert hat, bis mal jemand fragt "Hey Bulo, wie geht es denn eigentlich mit 'Bock!' weiter?". Und was ich wirklich unterirdisch finde, ist dieses ständige "So lacht das Netz über ..." oder "So diskutiert das Netz über ...". Da kannste auch drüber schreiben "Sorry, Leute, wir haben leider grad keine Story, müssen aber irgendwie für Klicks sorgen, damit wir unseren Job nicht verlieren". Schnarch!

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene Ausbildung und den Weg hin zu "Clap" und "Bock" zurückblicken - welche Erfahrungen waren für Sie die wichtigsten? Wo haben sie am meisten gelernt?

Peter "Bulo" Böhling: Das kann ich gar nicht sagen. Aber zwei Sätze sind mir in Erinnerung geblieben. Zum einen der eines etwa 70-jährigen Schwarzen, den ich als studentischer Fremdenführer durch das KZ Dachau begleitete: "You know what, Peter: I have no sisters and brothers, but I have a lot of sisters and brothers in mind!"  ... Das steht für mich noch immer für die Kraft der Fantasie und der Liebe. Und zum anderen Dennis Hopper, mit dem ich mal einen Tag verbringen durfte und der mir sagte "You are totally crazy, man, but very creative!", während er sich über eine Interview-Idee von mir totlachte.

kress.de: Wie tanken Sie eigentlich kreative Energie, um die Batterien immer wieder aufzuladen?

Peter "Bulo" Böhling: Wenn ich während der Gute-Nacht-Geschichte neben meinen Kindern einschlafe, weiß ich, wofür ich den ganzen Scheiß mache.

kress.de: Sie haben schon länger ein kress.de-"Köpfe"-Profil angelegt. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Peter "Bulo" Böhling: Das wird sich zeigen, wenn ich dann hoffentlich endlich mal meistgeklickter Kopf der Woche werde.

kress.de: Mit welchem Geschäfts- oder Kooperationspartnern, Querdenkern oder Kreativköpfen würden Sie sich - idealerweise über die "kressköpfe" - gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Peter "Bulo" Böhling: Lassen Sie mich mal schauen ... aha ... ja ... Anja Woertge sieht zum Beispiel ganz süß aus ... oder Christina Lekkebusch ... und von Katrin Lampe würd' ich gern mal wissen, ob diese Lippen wirklich echt sind. Und von Wolf-Dieter Ring, ob seine Haare.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Peter "Bulo" Böhling: kress, kress - was haben Sie denn immer mit diesem kress? Man könnte fast meinen, Sie arbeiten für den und nicht fürs "Manager Magazin". Das Interview ist doch fürs "Manager Magazin", oder? ...

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