"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum PR-Profi Murat Mermer jetzt internationale Kino-Filme produziert

 

In der an Glatzköpfen nicht armen Medienbranche trägt Murat Mermer, ehemals General Manager der Münchner PR-Niederlassung der Harvard Bell Pottinger Group, einen der markantesten: Der umtriebige Netzwerker aus Kiel hatte den Wechsel seines langjährigen Kollegen Oliver Sturz zu Harvard Engage! nicht mitgemacht. Stattdessen erfand sich Mermer als Filmemacher neu - und spielt auch selbst im Kino.

 

kress.de: Herr Mermer, Sie gelten in der Branche als besonders gut vernetzt. Viele kannten Sie bislang als PR-Manager. Nun machen Sie als Kinofilm-Produzent von sich reden. Wie kam es dazu?

Murat Mermer: Ich hatte einfach Glück. Ich bekam das Angebot, meine bisherigen Erfahrungen, die ich in der PR- und Medienbranche gemacht habe, als Gesellschafter, Produzent, und Marketing-Verantwortlicher einbringen zu dürfen. Die Entscheidung fiel natürlich nicht von heut' auf morgen. Das war ein Prozess, der ungefähr anderthalb Jahre gedauert hat: mögliche Filmprojekte und entsprechende Drehbücher sichten und besprechen, auf Machbarkeit, Erfolgsaussichten, gesellschaftliche Relevanz mögliches ROI abzuklopfen. Schlussendlich war ich völlig begeistert, nicht nur von der Substanz, die wir vorliegen hatten, sondern von den Möglichkeiten, unsere Ideen umsetzen zu können, die wir während des gesamten Prozesses erarbeitet hatten. Hinzu kam, dass ich damals meinen fünf-Jährigen Sohn vor ungefähr zwei Jahren gefragt hatte, was er denn den Menschen auf der ganzen Welt mitteilen wollen würde. Für den Fall, dass er die Möglichkeit hätte. Seine Antwort war: "Papa, wir Menschen sollten uns mehr liebhaben, nett sein und nicht so viele Kriege machen…". Aus dieser Verantwortung heraus habe ich natürlich auch in diese Richtung gearbeitet, mir eine Plattform zu schaffen, um dem gerecht zu werden. 

kress.de: Beim Namen Ihrer Produktionsfirma "Cinehood" klingt ein wenig Robin-Hood-Geist, aber auch Solidarität in der "hood" mit. Oder liegt man mit derlei Assoziationen falsch?

Murat Mermer: Traumhaft … das war der Reality-Check. Ja, das stimmt und ist ganz klar gewollt. Hood steht in der Tat für den "Robin Hood Geist". Wir möchten spannende Geschichten mit Relevanz erzählen, die eine größtmögliche Anzahl an Menschen sowohl auf rationaler als auch emotionaler Ebene erreichen soll. Und die Distribution wird "Robin Hood"-gerecht fair vonstatten gehen. Wir möchten "teilen". Mehr dazu in naher Zukunft.

kress.de: Wie schwer fällt es als Quereinsteiger, sich im umkämpften Produzenten-Markt zu behaupten? Woher nehmen Sie Ihren Mut?

Murat Mermer: Mut ist ein sehr schöner Begriff. Ich jedoch würde es eher als Chance definieren, sich weiter zu entwickeln. Neue Impulse und Inspirationen erfahren zu dürfen. Und nicht zu vergessen: In beiden Bereichen, in der PR und im Film, geht es um "The Art of Storytelling". 

kress.de: Wie zu hören ist, haben Sie in den vergangenen Monaten an vielen, auch internationalen Schauplätzen gedreht – mit einem Drehbuch, der auch das brennende Thema der Flüchtlingskrise umkreist. Wie kam es zu diesem Stoff und was ist Ihnen inhaltlich besonders wichtig?

Murat Mermer: Da fällt mir auf Anhieb der folgende Claim ein: "Wir sind mittendrin" - sowohl bei den Dreharbeiten, da wir noch einige Drehtermine haben und wir drehen an Orten, die es in dieser Konstellation bisher noch nie gab. Aber auch Spots, an denen vorher niemand drehen durfte oder auch sich nicht getraut hat, zu drehen. Im wahrsten Sinne des Wortes an "heiligen Stätten". Zusätzlich und auf der Makro-Ebene, was die länderübergreifende gesamtgesellschaftliche Situation betrifft sind auch „mittendrin“. Die Krise ist noch nicht ausgestanden. Unser Film betrachtet das Thema "Krieg" und "Flucht" aus einer völlig neuen Perspektive. Nämlich aus einer persönlichen Mikro-Ebene des Kriegsfotografen: Die Suche nach der Wahrhaftigkeit in der Auseinandersetzung mit der Welt und sich selbst.  

kress.de: Wer Sie gut kennt, dürfte sich zuletzt beim Filmfest München die Augen gerieben habe, als der neue Klaus-Lemke-Film "Making Judith!" Premiere feierte. Sie spielen darin selbst eine tragende Nebenrolle. Selber spielen als ein Schlüsselerlebnis für Ihre Annäherung an die Kino-Branche?

Murat Mermer: Das ist absolut richtig. Durch die Begegnung mit ihm und sein Mentoring habe ich überhaupt, den Entschluss fassen können, Produzent zu werden. Mittlerweile sind wir sehr gute Freunde. Und dafür bin ich sehr dankbar. Er unterstützt mich nach wie vor als Mentor. 

kress.de: Klaus Lemke ist für seinen radikalen Stil und die charmante Verwaltung des Low-Budget-Chaos bekannt. Was kann man von seiner Energie lernen?

Murat Mermer: Er ist ein absoluter Rock'n'Roller. Mit einer sehr unkonventionellen Erzählweise. Arbeitet kultiviert mit Brüchen. Hat eine immense Menschenkenntnis. Und weiß sehr genau, welche "Knöpfe man drücken muss", um völlig unterschiedliche Charaktere zu Top-Leistungen zu motivieren. 

kress.de: In die Landschaft des Produzierens ist Bewegung gekommen – durch neue Player wie Netflix, Amazon & Co, aber auch durch technische Dreh-Erleichterungen wie preisgünstigeres Equipment und neue Bearbeitungsmöglichkeiten. Rechnen Sie mit einer Renaissance des Filmemachens?

Murat Mermer: Die Renaissance ist in vollem Gange. Und das schon seit geraumer Zeit. Kreative Menschen haben faktisch über Nacht die Chance erhalten, kostengünstig ihre unkonventionellen Ideen umzusetzen und ohne Umwege über das Oligopol der großen Filmstudios ihre Geschichten zu erzählen. YouTube hat ganze Filmstudios in Hollywood angemietet und stellt diese Infrastruktur samt Requisiten, Technik und sogar Catering Produzenten zur Verfügung. Im Gegenzug ist der Content YouTube-exklusiv. 

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene Karriere zurückblicken – und die vielen Einblicke durch das PR-Geschäft, aber auch die umfangreichen persönlichen Kontakte: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft beim Produzieren? 

Murat Mermer: Der größte Lernprozess fand für mich immer im Dialog mit den Menschen und der Umwelt statt. Das ist der Treiber.

kress.de: Mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, erfordert Kraft, Geschicklichkeit und einen beweglichen Geist: Wie laden Sie eigentlich Ihre Batterien immer wieder auf?

Murat Mermer: Man kann es mit kinetischer Energie vergleichen, gerade die Tätigkeit voller Inspiration und mit interessanten Menschen schafft Energie, die wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird. Und natürlich Sport, im Speziellen Fitness, Kickbox und Yoga. 

kress.de: Sie haben ein "kressköpfe"-Profil angelegt. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Murat Mermer: Immens wichtig. Kress ist im Allgemeinen für mich sehr wichtig. Denn Kress ist eine Institution. Das kann jeder in der Branche bestätigen.

kress.de: Mit welchem Geschäfts- oder Kooperationspartnern, Querdenkern oder Kreativköpfe würden Sie sich – idealerweise über die "kressköpfe" – gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Murat Mermer: Das ist nicht einfach zu beantworten. Das würde ich danach entscheiden, in welcher Situation ich mich gerade befinde. Also contextual, um neue Perspektiven gewinnen zu können.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Murat Mermer: Insofern, dass ich auf kress.de frühzeitig und über neue Entwicklungen, sei es personeller Art oder Informationen zu Companies, erhalte. An "kress pro" schätze ich ganz besonders die Cases. Da kann ich viel mitnehmen. 

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