Staatsanwaltschaft Potsdam: Ermittlungsverfahren gegen Kai Diekmann eingestellt

 

"Stern"-Chefredakteur Christian Krug hat die Nachricht am Mittwoch zuerst verbreitet, die Staatsanwaltschaft Potsdam sie dann am Nachmittag bestätigt. Fast zehn Monate hat die Staatsanwaltschaft gegen den früheren "Bild"-Herausgeber Kai Diekmann ermittelt - und das Verfahren jetzt offiziell eingestellt.

Eine Mitarbeiterin von Axel Springer hatte Kai Diekmann eines sexuellen Übergriffes beim Baden beschuldigt. Laut ihrer Aussage soll sich der Vorfall im Juli 2016 während einer Feier im Anschluss an eine Klausurtagung im Jungfernsee bei Potsdam ereignet haben, an dessen Ufer Diekmann ein Grundstück besitzt. Die Mitarbeiterin hatte sich zuerst an ihren Arbeitgeber, den Springer-Konzern, gewandt. Dieser hatte nach internen Befragungen möglicher Zeugen den Fall im Oktober 2016 mit dem Einverständnis von Diekmann an die zuständige Staatsanwaltschaft in Potsdam gegeben. Sie sollte den Vorwurf rechtsverbindlich klären.

"Nach dem Ergebnis der Ermittlungen lässt sich kein Sachverhalt feststellen, der Grundlage einer Anklageerhebung sein könnte", schreibt die Staatsanwaltschaft Potsdam in ihrer Stellungnahme. Christian Krug formuliert es im "Stern" so: "Nach der Einstellung des Verfahrens kann man davon ausgehen, dass es nie zu der von der Klägerin behaupteten Tat gekommen ist."

"Mangels hinreichenden Tatverdachts", erklärt die Staatsanwaltschaft Potsdam, sei das Ermittlungsverfahren gegen Kai Diekmann gemäß Paragraph 170 Abs. 2 Strafprozessordnung eingestellt worden.Eine Sprecherin von Axel Springer erklärte auf kress.de-Anfrage: "Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat mit ihrer heute bekannt gegebenen Entscheidung das Ergebnis unserer eigenen internen Untersuchung vom vergangenen Jahr bestätigt. Wir freuen uns, dass unsere Einschätzung des Vorgangs, dass kein strafbares Verhalten erkennbar ist, bestätigt wurde. Wir sind sehr froh, dass der Fall hiermit nun abgeschlossen ist."

Kai Diekmann äußerte sich bislang auch auf in den Sozialen Netzwerken nicht zur Einstellung des Ermittlungsverfahrens; dafür änderte er auf Twitter sein Profilbild. Sein Rechtsanwalt Otmar Kury teilte mit: "Wir hatten stets vollstes Vertrauen in die Ermittlungen der Behörden und sehen uns darin durch die Einstellung 1. Klasse bestätigt."

Die Springer-Beschäftigte, die Kai Diekmann mit den schweren Vorwürfen belastet hatte, ist weiterhin im Unternehmen beschäftigt: "Es gibt keine Entscheidung, sie nicht weiter zu beschäftigen", sagt die Springer-Sprecherin.

Offizielle "Presseerklärung im Ermittlungsverfahren gegen Kai D." im Wortlaut:

Das Ermittlungsverfahren gegen Kai D. wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist mangels hinreichenden Tatverdachts gemäß § 170 Abs. 2 Strafprozessordnung eingestellt worden.

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen lässt sich kein Sachverhalt feststellen, der Grundlage einer Anklageerhebung sein könnte. Denn hinsichtlich der Feststellung der tatsächlichen Geschehnisse im Sommer 2016 stehen sich im Ergebnis allein die Einlassung des Beschuldigten und die Bekundungen der Zeugin diametral gegenüber, wobei die Einlassung des Beschuldigten nicht weniger wahrscheinlich ist als die Angaben der Zeugin es sind. Objektive Beweismittel, die die Einlassung des Beschuldigten widerlegen oder die Bekundungen der Zeugin belegen könnten, sind nicht vorhanden. Angesichts dieser Beweissituation ist ein hinreichender Tatverdacht nicht zu begründen.

Aufgrund der zu schützenden Persönlichkeitsrechte der beteiligten Personen wird um Verständnis gebeten, dass eine weitere Auskunftserteilung in dieser Sache entsprechend Nr. 23 RiStBV nicht möglich ist.

Im Auftrag

Oberstaatsanwältin Müller-Lintzen

-Pressesprecherin-

Kai Diekmann startete seine Karriere als Volontär bei Springer. Er war danach Parlamentskorrespondent für "Bild" und "Bild am Sonntag" in Bonn. 1989 wurde er "Bunte"-Chefreporter, 1991 stellvertretender Chefredakteur der Berliner "B.Z.". Im selben Jahre wurde er stellvertretender Chefredakteur und Politikchef von "Bild". 1998 trat Diekmann den Posten als Chefredakteur der "Welt am Sonntag" an.

Im Januar 2001 wurde er "Bild"-Chef und gleichzeitig Herausgeber von "Bild" und "Bild am Sonntag". Seit 2008 ist Diekmann Gesamtherausgeber der "Bild"-Gruppe. Ende 2015 gab er die Funktion des "Bild"-Chefredakteurs ab. Er übernahm als Herausgeber unter anderem die Führung der Chefredakteure und die Weiterentwicklung der "Bild"-Marken. Mit Tränen in den Augen verabschiedete er sich Ende 2016 von seiner Redaktion.

Zuletzt war Kai Diekmann beim Tod von Altkanzler Helmut Kohl in die Öffentlichkeit getreten. Für Kohl war Diekmann ein Ersatzsohn, für Witwe Maike Kohl-Richter war er ein wichtiger Halt in diesen schwierigen Tagen und Monaten.

Wohin es Kai Diekmann nun tatsächlich beruflich zieht, ist immer noch offen. Diekmann werden verschiedene Spitzenjobs in der Wirtschaft zugetraut, sogar neue Aufgaben bei Axel Springer erscheinen möglich; die Entscheidung liege ganz bei ihm, heißt es aus dem Berliner Medienhaus.

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