Zur Bewertung dienten drei Kriterien, in denen die TV-Chefs maximal 100 Punkte erreichen konnten: 1. Wie gut schöpfen die Sender das Potenzial im Zuschauermarkt aus? Basis: gewichtete Marktanteile nach AGF Videoforschung. (max. 40 Punkte) 2. Wie gut schöpfen Vollprogramme und Spartensender das jeweilige Potenzial in der Werbevermarktung aus? Basis: Marktrecherchen bei Sendern, Agenturen und Experten. (max. 40 Punkte) 3. Wie gut sind die Sender für die Zukunft strategisch aufgestellt? (max. 20 Punkte).

In die Top 10 haben es geschafft (in alphabetischer Reihenfolge):

Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin DACH Discovery Networks

Als neues "Home of the Olympics" will Discovery Networks den deutschen Fernsehmarkt umkrempeln. Susanne Aigner-Drews, Geschäftsführerin im deutschsprachigen Raum, setzt dazu ihre drei Free-TV-Sender Eurosport 1, DMAX und TLC für die bisher "umfangreichste Berichterstattung" der Olympischen Winterspiele ein. Mindestens ebenso ambitioniert wie die Multichannel-Strategie für Pyeong Chang 2018 sind die Fußball-Pläne von Aigner-Drews: Ab August wird Eurosport in der vierjährigen Rechteperiode unter anderem pro Spielzeit 45 Bundesliga-Spiele übertragen. Neben der Werbezeitenvermarktung soll auch Pay-TV via Eurosport-Player zur Refinanzierung der teuren Sportrechte beitragen.

Andreas Bartl, Geschäftsführer RTL II

Der Reality-TV-Sender RTL II in Grünwald glänzt seit Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten auf dem Werbemarkt. Gekonnt setzt Senderchef Andreas Bartl den Katzenberger-Kanal und seine digitalen Beiboote wie RTL II go! als experimentierfreudige Angebote für die junge Generation Smartphone in Szene. Allein die Facebook-Seite zur Serie "Berlin Tag & Nacht" hat mehr als drei Millionen Fans. Auch wenn die Quoten bei RTL II in der Freiluftsaison unter Druck stehen: Mit der frechen Dating-Show "Naked Attraction" beweist Bartl nun erneut ein Händchen für den Zeitgeist. Vermarktungschef Andreas Kösling gilt obendrein als brillanter Verkäufer, der jüngst eine wichtige Marketing-Kooperation mit den McFit-Studios anstieß. Entscheidend ist indes, dass Filmhändler Herbert Kloiber zufrieden ist: Der mächtige Miteigner von RTL II ist schließlich auch wichtiger Lieferant von Film- und Serienhits. 

Thomas Bellut, ZDF-Intendant 

Zum Start in seine zweite Amtszeit musste Thomas Bellut im Frühjahr 2017 den einen oder anderen Nackenschlag wegstecken: Im TV-Rechtepoker um die hochattraktiven Olympischen Spiele etwa gingen die Macher vom Mainzer Lerchenberg leer aus. Bei den Champions-League-Spielen möglicherweise ebenfalls. Ein positives Signal an die Marketingbranche ist hingegen die Vertragsverlängerung mit Hans-Joachim Strauch, dem äußerst beschlagenen Geschäftsführer des ZDF-Werbefernsehens. Routine ist derzeit besonders gefragt: Im 1. Tertial lag das ZDF um 7 Prozent unter dem Vorjahresumsatz, schätzen Beobachter. Mit dem Fifa Confederations Cup demnächst und den Bundestagswahlen im Herbst stehen indes noch große TV-Ereignisse an. 

Volker Herres, Programmdirektor Das Erste

Ungerade Jahre bringen regelmäßig Flauten für die öffentlich-rechtlichen Werbezeitenverkäufer, die geraden sind dagegen oft lukrativ: 2016 etwa sahnte die ARD im Umfeld von Fußball-EM und Olympischen Spielen ordentlich ab. 2017 fehlen die Top-Ereignisse - und dennoch weist Das Erste in den ersten vier Monaten 2017 zweistelliges Werbewachstum auf. Experten schätzen das Volumen auf mehr als 110 Millionen Euro Werbeeinnahmen. Programmdirektor Volker Herres setzt inhaltlich Akzente: Die sechsteilige Serie "Charité" etwa schnitt bei Kritik wie Publikum hervorragend ab. Allerdings gelang es der ARD nicht, mit Discovery eine Free-TV-Vereinbarung über die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele zu erzielen. Eine echte Hypothek für die Zukunft sind zudem die hohen Pensionskosten für ARD-Mitarbeiter, die durch einen höheren Rundfunkbeitrag ab 2021 ausgeglichen werden sollen.

Frank Hoffmann, Geschäftsführer Programm RTL

Top-Sport wie die Formel 1 ist für Programmgeschäftsführer Frank Hoffmann sicherer Quotengarant und Imageträger. Ob RTL ab 2018 zu jedem Preis weiter die Königsklasse des Motorsports im FreeTV zeigt, ist trotzdem mehr als fraglich. Denn die Gewinne bei den Kölnern werfen weiterhin Klassiker wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" ab - die Cashcow flimmert immerhin seit 25 Jahren sehr erfolgreich über die TV-Schirme. Insgesamt kassierte Deutschlands größter Werbeträger allein bis Ende April mehr als 1 Milliarde Euro Brutto-Spendings. Frank Hoffmann setzt seit Jahren erfolgreich auf Eigenproduktionen, die inzwischen zu 90 Prozent das Programm bestimmen. Das gewinnbringende Lokalkolorit à la "Alarm für Cobra" zieht bei den heimischen Zuschauern und kann in der gesamten RTL-Mediengruppe mit diversen Spartensendern, Pay-TV und OTT-Services ohne Rechteeinschränkungen weiter verwendet werden. Klar ist jedoch: In der fragmentierten TV-Welt steht auch der Marktführer unter Dauerdruck.

Kaspar Pflüger, Geschäftsführer Sat.1

Auch ein Urgestein des deutschen Unterhaltungsfernsehens kann nicht zaubern: Moderator Thomas Gottschalk und die "Little Big Stars" im Frühjahr 2017 brachten nicht die erhoffte Trendwende bei Sat.1. In den ersten vier Monaten rutschte der Marktanteil des Senders unter die 7-Prozent-Marke. Bis Ende April, so Branchenexperten, dürften die Werbeeinnahmen gerade noch über dem Vorjahr liegen. Geschäftsführer Kaspar Pflüger hat eine Programmoffensive mit zahlreichen Eigenproduktionen für die Dayund Primetime angekündigt. Die Herausforderung bleibt für ihn bestehen (auch wenn die Sat.1-Chefs nicht mehr so häufig wechseln): den Abstand zum Branchenprimus RTL verringern und gleichzeitig den Verfolger Vox abschütteln. 

Bernd Reichart, Geschäftsführer Vox

Geschätzt über 450 Millionen Euro Bruttowerbeeinnahmen gingen im 1. Tertial 2017 an Vox. Das satte Bruttowachstum von mehr als 11 Prozent speist sich aus dem Erfolg der Shows und Serien, die Senderchef Bernd Reichart seit seinem Amtsantritt 2013 eingeführt und gepflegt hat. Erfolgsformate wie "Sing meinen Song", "Grill den Henssler" und die "Höhle der Löwen" tragen die Handschrift des mehrfach ausgezeichneten TV-Managers, der mit dem "Club der roten Bänder" die erste eigenproduzierte Serie bei Vox in Auftrag gegeben hat. Mit Erfolg: Gegen den Trend bei den großen Privatsendern, die auf dem fragmentierten Zuschauermarkt verlieren, legt Vox zu. Mit 5,2 Prozent Marktanteil bei den Zuschauern ab 3 Jahren lassen die Kölner im 1. Tertial sogar ProSieben hinter sich.

Daniel Rosemann, Senderchef ProSieben

Daniel Rosemann, der Fernsehmacher hinter "The Voice of Germany" oder "Germany's next Topmodel", führt seit gut einem Jahr die Geschicke der "Brand Family" ProSieben. Der Chefsessel auf dem "Karussell", wie es in der Branche heißt, ist derzeit recht ungemütlich: Ein Quotenrutsch plagt den Blockbuster-Sender, der künftig ohne "Circus Halligalli" auskommen muss. Mit geschätzt 750 Millionen Euro Werbeeinahmen im 1. Tertial 2017 liegt ProSieben jedoch relativ stabil im Rennen. Marktkenner schreiben ProSieben Maxx, ebenfalls von Daniel Rosemann geführt, weitere gut 50 Millionen Euro zu. Der Männersender ist auch die Keimzelle für die Aktivitäten von 7Sports und zeigt zum Beispiel das erste deutsche Rennen der Drone Racing League.

Carsten Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung Sky Deutschland

Pay-TV hat traditionell einen harten Stand im Free-TV-Paradies Deutschland. Sky-Chef Carsten Schmidt hat das Ruder dennoch herumgerissen: Über 5,0 Millionen deutsche und österreichische Kunden zählt das Abonnementfernsehen in Unterföhring mittlerweile. Vor allem eine flexiblere Preisstruktur mit zeitlich begrenzten Tickets und neue Empfangsmöglichkeiten wie Sky Go senken die Hürden. Das Abo-TV etabliert sich auch als gut gebuchter Werbeträger: 2016 hat Sky erstmals in einem Fiskaljahr mehr als 100 Millionen Euro Nettowerbeumsatz erzielt. Weiteren Schub soll das kostenfreie, digitale Newsportal skysport.de bringen. Im Programm setzt Carsten Schmidt einen Schwerpunkt auf die eigenproduzierte Serie "Babylon Berlin" und noch mehr exklusiven Sport wie die Fußball-Champions-League.

Claude Schmit, Super-RTL-Geschäftsführer

Nach dem Rekordjahr 2016 mit mehr als 300 Millionen Euro Bruttospendings bleibt Super RTL weiter auf Rekordkurs: Auch 2017 wachsen die Einnahmen: Mehr als die Hälfte des TV-Kinderwerbemarktes geht an den Kölner Kids-Sender und das Timeshift-Programm Toggo Plus. Garant für den Erfolg ist Claude Schmit, der seit 1999 die Zügel bei Super RTL in der Hand hat. Sein Kniff: Einerseits verschafft der gebürtige Luxemburger dem Gesellschafter Disney hohe Umsatzrenditen, zugleich bietet Schmit dem Micky-Maus-Imperium und dessen deutschen Kinder-TV geschickt Paroli. Weithin anerkannt ist die jährliche Fachtagung Kinderwelten in Kooperation mit IP Deutschland, die im Jahr 2000 Premiere feierte. So viel Kontinuität ist im TV-Business selten.

Zu den 20 Top-Machern im TV-Markt gehören auch (alphabetisch geordnet):

Kai Blasberg, Geschäftsführer Tele 5

Hans Demmel, Geschäftsführer n-tv

Michaela Kiermaier, Senderchefin Sat.1 Gold

Marc Rasmus, Senderchef kabel eins

Torsten Rossmann, Geschäftsführer N24

Oliver Schablitzki, Senderchef RTL Nitro

Wiebke Schodder, Senderchefin Sixx

Olaf Schröder, Vorsitzender der Geschäftsführung Sport1

Mark Specht, SVP, General Manager GSA Viacom (Nickelodeon, Viva, Comedy Central)

Lars Wagner, VP & General Manager Disney Channels

kress.de-Tipp: Wer DIE Top-Macherin oder DER Top-Macher im TV-Markt ist und wieviele Punkte die Bewerteten in den Kriterien "Zuschauer", "Werbemarkt" und "Strategie" sammeln konnten, steht im Ranking "TV-Chefs" in "kress pro". Die Ausgabe 5/2017 (vom Juni 2017) gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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