Sieben Journalisten sollen beim "Spiegel" Investigative Recherche bündeln: Alfred Weinzierl führt internes Netzwerk für die großen Storys

07.08.2017
 

"Der Spiegel" will mit einem internen Recherchenetzwerk die investigative Arbeit des Magazins stärken - und erntet mit der Ankündigung gleich Kritik von Julian Reichelt, Vorsitzender der Chefredaktionen bei "Bild". Auch "WeltN24"-Chefredakteur Ulf Poschardt widerspricht. Die Investigativreporter führt der stellvertretende "Spiegel"-Chef Alfred Weinzierl.

"Was "Der Spiegel" jetzt "erstmalig in einem deutschen Medienhaus" umsetzt, nennen wir bei "Bild" seit ein paar Jahren "Redaktion", erklärt Julian Reichelt. Auch der "WeltN24"-Chefredakteur stört sich an der Ankündigung, dass erstmals ein Medienhaus in Deutschland integrativ arbeiten würde. Ulf Poschardt macht klar: "Wir machen das seit Jahren."

Wie aus der Ankündigung von "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hervorgeht, kommt das Nachrichtenmagazin für sein neues, hausinternes Recherchenetzwerk ohne Neuanstellungen aus. Stattdessen verliert die Heftredaktion vier erfahrene Redakteure, die zukünftig als Investigativreporter Rechercheprojekte entwickeln und umsetzen sollen.

Zum neuen Team gehören die "Spiegel"-Redakteure Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt; Jörg Diehl von "Spiegel Online" und Roman Lehberger von "Spiegel TV". Das Investigativteam untersteht dem stellvertretenden "Spiegel"-Chefredakteur Alfred Weinzierl; Jörg Diehl leitet zudem weiterhin die Recherche-Einheit "Reporter investigativ" bei "Spiegel Online".

Der neuen Taskforce gehören bislang keine Journalistinnen an; eine Erweiterung - "natürlich auch durch Kolleginnen" - sei aber geplant.

Die Entscheidung für eine neue Sondereinheit Recherche beim "Spiegel" sorgt auch bei langjährigen Lesern des Magazins für Irritationen: Stand das Nachrichtenmagazin nicht bislang auch schon für investigative Recherche? Gehörte das nicht zum Markenkern? "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer erklärt es so: "Die Recherche gehört zur DNA des "Spiegel". Im digitalen Zeitalter sind oft die Datenmengen so groß, die Zusammenhänge so komplex und die Stoffe so international, dass es uns klug erscheint, unsere Redaktionen um eine ressortübergreifend tätige, mit langem Atem agierende und von der Tagesaktualität unabhängige Gruppe zu ergänzen", so Brinkbäumer.

Die neuen Investigativreporter sollen auch die internationalen Rechercheprojekte umsetzen, die gemeinsam mit dem vom "Spiegel" gegründeten European Investigative Collaboration (EIC) entstehen. Zu den Partnern des EIC gehören neben dem "Spiegel" (englischsprachiger Claim: "Not Afraid of the Truth") unter anderem "Dagens Nyheter" (Schweden), "Der Falter" (Österreich), "El Mundo" (Spanien), "L'Espresso" (Italien), "Le Soir" (Belgien), "Mediapart" (Frankreich), "NRC" (Niederlande), "Newsweek Serbia" (Serbien), "Politiken" (Dänemark) und "RCIJ/The Black Sea" (Rumänien).

Vielleicht kommt die Kritik von "Bild" und "WeltN24" auch daher, weil Nachrichten inzwischen zum kostbarsten Gut im schnellen Mediengeschäft geworden sind. Relevant ist, wer von anderen Medien zitiert wird, wessen Themen von anderen Medien weitergedreht werden. Beim renommierten Zitate-Ranking von Media Tenor lag der "Spiegel" im ersten Halbjahr 2017 erneut weit vorne, nachdem im Gesamtjahr 2016 niemand öfter zitiert wurde als "Bild".

Ihre Kommentare
Kopf
H.Georg Eiker

H.Georg Eiker

Eiker - Coaching & Strategische Politikberatung - Medientraining
Inhaber

07.08.2017
!

Ich hoffe, dass die "Macher" bei all diesen 'Journalistischen Unternehmungen' N.G. DAVILA beherzigen:
..."Wer eine Sache kennenlernen möchte, weil er s i e für wichtig hält, unterscheidet sich radikal von dem, der sie kennenlernen möchte, weil er e s für wichtig hält."
UND angesichts der "Bedeutung der Medien":
..."Die heutigen Kommunikationsmittel erlauben es dem modernen Staatsbürger, sich über alles zu informieren, ohne irgendetwas zu verstehen"...
Gutes Gelingen.
H.Georg Eiker


Siegbert Pinger

Siegbert Pinger

vem.die arbeitgeber e.V.
Geschäftsführer

29.08.2017
!

Seit wann ist denn Media Tenor seriös? Der Leiter wurde rechtskräftig in mehreren Fällen verurteilt. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Media_Tenor


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