"Wir fragen unsere kressköpfe": Wie Vox-Chef Bernd Reichart Sat.1 überholen möchte

 

Natürlich ist es wichtig, wie man seine Ziele formuliert: Nach der jüngsten Marktanteilsbilanz aus dem Monat Juli hat Vox-Geschäftsführer Bernd Reichart nicht nur in der Gunst der Zuschauer ab drei Jahren, sondern auch in der von der RTL-Gruppe so definierten erweiterten Werbezielgruppe der 14- bis 59-Jährigen ProSieben überrundet. Nun nimmt er Sat.1 ins Visier. Und er erklärt, wie er Steffen Henssler ersetzen möchte.           

kress.de: Herr Reichart, im sportlichen Wettstreit der Sender gehören Triumph-Aufschreie natürlich dazu. Wie wichtig ist für Vox, dass Ihr Sender in der Zuschauergunst im Juli erstmalig den jungen Mitbewerber ProSieben überholt hat?

Bernd Reichart: Für uns ist das schon etwas ganz Besonderes. Vor allem weil es zeigt, dass wir in die gelernte Aufteilung des TV-Markts in erste und zweite Liga nicht mehr passen. Bisher galten wir ja immer als Anführer der zweiten Liga. Aber inzwischen liegen wir bereits seit über einem Jahr bei den Gesamtzuschauern vor ProSieben. Und neben dem ersten Monatssieg in unserer Zielgruppe gelingt uns inzwischen auch immer häufiger, am späten Nachmittag oder in der Primetime die Marktführerschaft zu übernehmen.

kress.de: Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass Sie vor den Kollegen aus Unterföhring nicht nur im Gesamtpublikum die Nase vorn haben (das ja auch schon länger), sondern in der für Sie wichtigen Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen. Trotzdem liegt ProSieben bei den 14- bis 49-Jährigen weiter vorn. Wie lange noch?

Bernd Reichart: Das weiß ich nicht. In dieser Zielgruppe wäre aber auch eher Sat.1 unser nächster Wettbewerber - uns haben im Juli nur noch 0,7 Prozentpunkte getrennt. Aber wir machen jetzt erstmal weiter ambitioniert unser Ding und schauen, was passiert.

kress.de: Ausgerechnet jetzt verlieren Sie mit Steffen Henssler Ihr wichtigstes Sendergesicht. "Grill den Henssler" soll aber weitergehen. Wie kann man sich ein Nachfolger-Format vorstellen?

Bernd Reichart: Also wann immer wir Marktforschung betreiben, wird Guido Maria Kretschmer als unser mit Abstand populärstes Gesicht genannt. Bei der Fortsetzung des Formats, die den Namen "Grill den Profi" tragen wird, verlieren wir mit Steffen natürlich ein wichtiges Element. Aber unsere Redaktion arbeitet zusammen mit der Produktionsfirma ITV Studios Germany eifrig an einer frischen Neukonzeptionierung mit acht Spitzenköchen, zu denen unter anderem Roland Trettl, Nelson Müller, Christian Lohse und Alexander Kumptner gehören werden. Da freuen wir uns schon drauf.

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene Karriere zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft bei guten Bauchentscheidungen für erfolgreiche Formate?

Bernd Reichart: Es geht weniger um das wo als um das von wem?

kress.de: Sowohl als auch.

Bernd Reichart: Am meisten habe ich von Kollegen, Teammitgliedern, Mentoren und Kreativpartnern aus dem Markt gelernt. Eigentlich eben genau von den Leuten, die ich bei der Einschätzung von neuen Ideen nach ihrem Bauchgefühl frage.

kress.de: Wie tanken Sie im hektischen Quotenrennen eigentlich privat Energie?

Bernd Reichart: Also so nehme ich es eigentlich gar nicht wahr. Die Quoten sind ein wichtiges Instrument, um unmittelbares Feedback von den Zuschauern hinsichtlich der Attraktivität unserer Angebote einzuholen. Das macht mir keinen Stress. Aber wenn ich mal privat Entspannung brauche, gucke ich am liebsten mit meinem kleinen Sohn ein Real Madrid-Spiel - das geht zurzeit ja meistens gut für uns aus.  

kress.de: Sie haben schon länger ein "kressköpfe"-Profil angelegt. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Bernd Reichart: Es hat mir vor allem am Anfang geholfen, als ich nach zehn Jahren im Ausland zurück nach Deutschland gekommen bin. Es war nützlich um mich zu orientieren und Gesichter, Firmen und Zuständigkeiten richtig zuordnen zu können.

kress.de: Mit welchem Geschäfts- oder Kooperationspartnern, Querdenkern oder Kreativköpfen würden Sie sich - idealerweise über die "kressköpfe" - gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Bernd Reichart: Bei Querdenkern und Kreativköpfen muss ich direkt an Stephan Schäfer von Gruner + Jahr denken. Mit ihm würde ich gerne mal wieder Mittagessen gehen. Das ist immer lustig und spannend.

kress.de-Tipp: Sie arbeiten in der Medien- und Kommunikationsbranche? Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.de und legen in der Personen-Datenbank "Köpfe" ein Profil an. Ihren Köpfe-Eintrag können Sie mit einem Passwort bequem selbst pflegen und aktualisieren. Mit Ihrem Profil können Sie sich auf kress.de - beispielsweise mit Kommentaren - präsentieren und sind zudem - wenn gewollt - auch im Netz leicht auffindbar. Wir als Redaktion verknüpfen die Kopf-Profile mit Personalmeldungen und präsentieren am Wochenende die populärsten Köpfe der Woche.  

Alle Neuzugänge bei den "Köpfen" finden Sie hier.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.