Die "Bilanz"-Macher Klaus Boldt und Arno Balzer im Interview: "Mia san mia"

16.08.2017
 

Seit drei Jahren verantworten Chefredakteur Klaus Boldt und Herausgeber Arno Balzer das Magazin "Bilanz". "Wir lieben Konkurrenz, sie kann gar nicht hart genug sein", sagt Boldt und verrät, dass "Bilanz" im September die "1000 reichsten Deutschen" bringt. Eine Kampfansage an das "Manager Magazin".

Im Interview mit "Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteurin Susanne Lang sprechen Klaus Boldt und Arno Balzer auch über die Bedeutung von Frauen in der Wirtschaftsberichterstattung - und sagen, warum sie dem Freundeskreis der klaren Entscheidungen angehören.

"Wirtschaftsjournalist": Wie ist Ihre Definition von Relevanz?

Arno Balzer: Wenn Profis aus Wirtschaft und Journalismus sagen: "Mensch, das ist ja ein tolles Heft, sprachlich wie inhaltlich", dann sind wir relevant. Dafür brauchen wir keine Marktstudien.

Klaus Boldt: Bei der Heftzusammenstellung fragen wir uns, welche Reichweite ein Thema hat, wie kontrovers es diskutiert wird, ob es sich personalisieren lässt, wie überraschend und aktuell es ist, ob es wirtschaftlich von Bedeutung ist, unsere Leser betrifft und nicht zuletzt astreinen Unterhaltungsstoff bietet. Bei alledem betreiben wir keinen Kuscheljournalismus. Wir beziehen klar Stellung, sind durchweg kritisch gegenüber den Mächtigen. Wir halten Abstand.

"Wirtschaftsjournalist": Wie kamen Sie darauf, ein Frauenheft zu machen? Sie galten bisher nicht als Verfechter von Diversity-Führungsansätzen.

Balzer: Wir sind Verfechter des Meritokratie-Prinzips, es kommt auf die Leistung an, nicht auf das Geschlecht.

Boldt: Richtig. Grundsätzlich wecken Politische Korrektheit, starre Sprech- und Denkvorgaben unseren Widerspruchsgeist. Natürlich spielen Frauen aus unterschiedlichen Gründen noch immer nicht die Rolle in der Wirtschaft, die sie spielen könnten. Deshalb haben wir ein ganzes Heft nur mit Storys über Frauen gemacht, ohne das im Blatt selbst auch nur ein einziges Mal zu thematisieren. Denn es ist doch eine Selbstverständlichkeit. Wirtschaft ist überall, wo es um Geld geht. Follow the money. Das ist unsere Devise.

Balzer: Es gibt zwei Treiber in der Welt. Geld ist der zweite.

"Wirtschaftsjournalist": Und der erste?

Boldt: Sex. Wir nennen die Dinge beim Namen. Wir nennen Josef Käser Josef Käser und nicht Joe Kaeser.

Balzer: Alle anderen Medien trauen sich erstaunlicherweise nicht, das zu schreiben.

Boldt: Man muss ja nicht jede Albernheit ernst nehmen, die sich ein Manager ausdenkt, der sich internationales Flair geben möchte. Das ist ja fast wie bei Rex Gildo! Nein, wir gehören dem Freundeskreis der klaren Entscheidungen an. Das gilt auch für uns selbst: Wenn uns etwas nicht mehr gefällt, verbessern wir es so schnell wie möglich und sabbeln nicht erst lange herum. Unser Layout haben wir mittlerweile schon dreimal optimiert.

"Wirtschaftsjournalist": Das kann man auch anders interpretieren: Sie wissen nicht, was Sie da tun.

Boldt: Ich würde sagen: Nicht zu verbessern, was man verbessern kann, ist die Haltung von Leuten, die nicht wissen, was sie tun. Aber natürlich muss die "Bilanz" bei aller Fortschrittsliebe immer verlässlich und berechenbar sein.

Balzer: Die alten Dogmen funktionieren nicht mehr. Heutzutage gilt: Nichts ist beständiger als der Wandel. Veränderungen nehmen wir nicht willkürlich vor, sondern mit dem Ziel, für unsere Leserinnen und Lesern ein noch besseres und originelleres Magazin zu machen. 

"Wirtschaftsjournalist": Sie veröffentlichen einmal im Jahr die Namen der reichsten Deutschen. Das "Manager Magazin" hat diese Liste eingeführt, veröffentlicht als Sonderheft "Die 500 reichsten Deutschen".

Boldt: Eingeführt haben diese Liste Arno und ich vor 17 Jahren.

Balzer: So lange ist das schon her? Unglaublich.

"Wirtschaftsjournalist": Deshalb veröffentlichen Sie ihre Reichenliste auch bei "Bilanz"? Und haben sie auf die 750 reichsten Deutschen erweitert?

Balzer: Ja, und dabei wird es nicht bleiben!

Boldt: Im September bringen wir erstmals die 1.000 reichsten Deutschen. Dann ist es aber auch genug.

"Wirtschaftsjournalist": Wollen Sie das "Manager Magazin" ärgern?

Boldt: Nein. Mia san mia.

Balzer: Und weil es inzwischen mehr Reiche gibt, machen wir auch eine größere Liste.

"Wirtschaftsjournalist": Ach kommen Sie.

Boldt: Unsere Liste ist doppelt so groß und vollständiger. Unsere Schätzungen sind präziser, unsere Vertrauensleute seriöser und besser.

Balzer: Wir haben uns über die Jahre hinweg ein Netzwerk von Experten und Vermögensverwaltern aufgebaut, die beurteilen können, wer in die Reichenliste gehört und wie viel Vermögen sie besitzen. Boldt: Unsere Informanten sind unschlagbar.

"Wirtschaftsjournalist": Hat sich der Spiegel-Verlag schon mal beschwert?

Boldt: Nein, die sind zu cool, um sich über Wettbewerb zu beschweren. Wir lieben Konkurrenz, sie kann gar nicht hart genug sein. Das macht so richtig Spaß. Es ist wie beim Fußball, wenn man den Gegner kleinkriegt und als Sieger vom Platz geht, ist es am schönsten. Ich würde über den Verlierer keine Träne vergießen.

kress.de-Tipp: Das Interview mit Klaus Boldt und Arno Balzer ist ein Auszug aus einem großen Interview im "Wirtschaftsjournalist" (Ausgabe 3/2017). Dort sprechen Boldt und Balzer auch über das Ende der Start-up-Phase und Wechselgerüchte. Dazu werden die drei wichtigsten Fragen zur "Bilanz" beantwortet. Den "Wirtschaftsjournalist" 3/2017 gibt es im Newsroom-Shop oder im iKiosk.

Der "Wirtschaftsjournalist" (Chefredakteurin: Susanne Lang, Herausgeber: Johann Oberauer) erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer.

Hintergrund: Seit Mai 2014 erscheint die deutsche Ausgabe der Schweizer "Bilanz" als Beilage der Tageszeitung "Die Welt". Im Frühjahr 2017 ist die Website "bilanz.de" auf das Portal "welt.de" umgezogen. Klaus Boldt ist seit drei Jahren Chefredakteur der "Bilanz". Zuvor arbeitete er für das "Manager Magazin" als Reporter und Korrespondent. Arno Balzer ist Herausgeber der "Bilanz". Zuvor war er mehr als zehn Jahre Chef des "Manager Magazins".

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