Publizist Wilfried Goebels zur Diskussion über höhere Rundfunkgebühren: Die Raupe Nimmersatt

 

Wäre der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf der Suche nach einem Wappentier, die Raupe Nimmersatt würde sicher zur Idealbesetzung. Nie genug, da geht noch was. Mit knapp acht Milliarden Euro Gebühreneinnahmen im Jahr leistet sich Deutschland heute eines der weltweit teuersten öffentlich-rechtlichen Rundfunksysteme. Dennoch tobt hinter den Kulissen längst wieder eine hitzige Diskussion über höhere Rundfunkgebühren ab 2020.

Noch ist nichts entschieden, erst im Frühjahr 2019 werden ARD, ZDF und Deutschlandradio bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) ihre Wünsche für den Zeitraum bis 2024 anmelden. Zwar dementieren die Sender, dass bereits konkrete Pläne für die Forderung nach einer automatischen jährlichen Anhebung um 1,75 Prozent auf dem Tisch liegen, aber wo Rauch ist, ist auch Feuer. Schon ist intern von einem nötigen Ausgleich der Preissteigerungen die Rede.

Zur Wahrheit gehört, dass die öffentlich-rechtlichen Programme nicht erst in Zeiten gezielter Fake News eine unersetzbare Funktion zur Information in der Demokratie haben. Dichte Korrespondentennetze, profilierte Nachrichtenredaktionen und kompetente Fachressorts kosten Geld. Das entschuldigt aber nicht, dass Sender über die Jahre ein Füllhorn von Privilegien über ihre Mitarbeiter ausgeschüttet haben. Zwangsfinanziert durch den Gebührenzahler, versteht sich.

Vor allem die üppigen Betriebsrenten belasten die Haushalte der Sender. ARD, ZDF und Deutschlandradio haben Milliarden-Rückstellungen in ihren Büchern - auch weil Mitarbeiter aus  den goldenen Jahren im Rentenalter teilweise mehr kassierten als während ihrer aktiven Zeit. Die schlimmsten Auswüchse der Über-Alimentierung sind inzwischen für jüngere Beschäftigte beseitigt, aber die Altlasten drücken weiter. Allein für den mit knapp 400 000 Euro Jahresgehalt anständig honorierten WDR-Intendanten Tom Buhrow müssen für dessen späteren sorgenfreien Ruhestand mehr als drei Millionen Euro zurückgelegt werden.

Der Kampf um die sinkenden Werbeeinnahmen wird heftiger, Übertragungsrechte für Fußball und internationale Produktionen werden teurer. Das stimmt. Aber mit der umstrittenen Einführung der Haushaltsabgabe - seither müssen alle Haushalte die Rundfunkgebühr von 17,50 Euro im Monat bezahlen, selbst die ohne TV - wurde der öffentlich-rechtliche Rundfunk großzügig bedient.

Die Sender verweisen auf knüppelharte Sparprogramme und den immensen Kostendruck. Gleichzeitig haben die Anstalten aber zum Leidwesen der Printverlage mit viel Aufwand eigene Internet-Portale mit umfassenden Service- und Hintergrundinformationen eingerichtet, auf denen Sie den Privaten mit Gebührengeld finanziert erhebliche Konkurrenz machen. Und dass allein der Westdeutsche Rundfunk fünf Hörfunkkanäle betreibt, verschlingt nicht nur Jahr für Jahr zusätzliche Millionen, sondern behindert auch die Entwicklung des privat finanzierten Rundfunks.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk leistet sich trotz aller Einschnitte immer noch einen dicken "Wasserkopf" in der Verwaltung. Wenn in der ARD von den Gebühreneinnahmen kaum mehr als  jeder dritte Euro direkt ins eigentliche Programm fließt, bleibt noch Platz für den Rotstift. Richtig ist, es wird längst nicht mehr derart üppig mit dem Gebührengeld "geaast" wie früher, als bei Pressekonferenzen gelegentlich drei Kamerateams eines Senders für unterschiedliche Programme aufliefen. Aber es gibt auch keine Notwendigkeit für höhere Gebühren. Die Länder haben sich deshalb schon mal vorsorglich gegen den Automatismus steigender Gebühren ausgesprochen.

Die Sender müssen sich auf ihren gesetzlichen Informationsauftrag konzentrieren und sollten privaten Verlagen keine Konkurrenz auf deren umkämpften Heimatmärkten machen. Auch könnten die Öffentlich-Rechtlichen über mehr Kooperationen weiter Kosten senken. Dann muss die KEF den deutschen Gebührenzahler ab 2020 sicher nicht zusätzlich zur Kasse bitten.

Zur Person: Unser Autor Wilfried Goebels war mehr als 30 Jahre als politischer Journalist und Korrespondent in Bonn und Düsseldorf tätig. Dabei schrieb er neben einer Reihe von Regionalblättern vor allem für die Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er ist heute als politischer Berater im Medienbereich aktiv.

Ihre Kommentare
Kopf

Kay Peters

23.08.2017
!

Wenn ich allein an die Ausgaben für die reiselastigen Wetterfrosch-Berichte von ARD und ZDF denke, kann der immense Kostendruck ja noch nicht allzu schmerzlich sein. Es gibt sicher weitere gute Beispiel für überflüssige Ausgaben...


X

Kommentar als bedenklich melden

 
×

Bestätigung

Dieser Kommentar wurde erfolgreich gepetzt.

×

Oooooooooops

Beim Petzen trat ein Fehler auf. Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Inhalt konnte nicht geladen werden.