Digital Natives bringen doch Geld

23.08.2017
 

Die Inhalte des deutschen "Business Insider" bewegen sich zwischen bunt und beliebig. Aber die Reichweite des Portals wächst, die Geschäfte laufen gut. Geht für den Springer-Konzern der teure Deal am Ende auf?

 "Japans Sexproblem sorgt für wirtschaftliche und soziale Probleme, die das Land so noch nicht gesehen hat". So klingt eine typische Überschrift beim "Business Insider" (BI). So spricht das Portal seit eineinhalb Jahren ein junges, internetaffines und wirtschaftsinteressiertes Publikum auch in Deutschland an.

Als Axel Springer Anfang 2015 einstieg, hatte sich "BI" bereits zum größten Wirtschaftsnachrichtenportal in den USA entwickelt, regionale Websites in sieben Ländern gestartet und 230 Mitarbeiter weltweit beschäftigt. Acht Monate später sicherte sich Springer die Mehrheit, kaufte für umgerechnet 306 Millionen Euro weitere 88 Prozent der Anteile und stockte somit auf 97 Prozent auf. Berühmter Minderheitspartner ist Amazon-Gründer Jeff Bezos.

Bei der Präsentation der Konzernzahlen fürs 1. Quartal dieses Jahres brillierte "BI" als Wachstumsgigant. Das Portal liege wirtschaftlich über den Erwartungen und habe "im Vergleich zum Vorjahresquartal einen Umsatzsprung von mehr als 50 Prozent erzielt", so Mathias Döpfner bei der Präsentation der Konzernzahlen fürs 1. Quartal 2017. Und er fügte hinzu: "Wir glauben, dass 'Business Insider' wirklich das Zeug hat, zu einem wesentlichen Baustein dieses Konzerns zu werden."

Wie kräftig der deutsche "Business Insider" gewachsen ist, illustrieren die von der IVW ausgewiesenen Nutzungsdaten. Wurden im Mai 2016 erst rund 3 Millionen Visits registriert, so waren es ein Jahr später bereits gut 9,8 Millionen, also mehr als drei Mal so viel. "Wir wollen journalistisch relevant sein für unsere Zielgruppe und gleichzeitig viele Menschen mit unseren Inhalten erreichen", sagt Sabrina Hoffmann im "Wirtschaftsjournalist". Hoffmann übernahm im Oktober 2016 die Chefredaktion von "Business Insider Deutschland" als Nachfolgerin von Christin Martens.

Boulevardeske, manchmal banal klingende Themen sind beim "Business Insider" ebenso daseinsberechtigt wie Interviews mit Wirtschaftsbossen und Politikern (Gregor Gysi: "Deutschland hat sich erpressen lassen") oder Storys aus Unternehmen ("Lidl-Kunden in den USA bekommen einen Service, den Deutsche nicht kriegen"), die so ähnlich auch in Zeitungen und Wirtschaftsmagazinen erscheinen könnten. Eine aktuelle IVW-Analyse zeigt, dass tatsächlich gut die Hälfte (54 Prozent) der Besucher in "Vermischtes" stöbern, der Rest zu etwa gleichen Teilen in "Wirtschaft/Finanzen/Job/Karriere" und "Wissenschaft/Bildung/Natur/Umwelt" unterwegs ist. Was die Einschätzung untermauert, dass "Business" sehr frei interpretiert wird beim "Business Insider".

kress.de-Tipp: Wie der "Business Insider" seine Reichweite monetarisiert und welche Entwicklungen weiter geplant sind, lesen Sie in der Story von Roland Karle im "Wirtschaftsjournalist". Die Ausgabe 3/2017 gibt es in unserem Newsroom-Shop oder im iKiosk.

Der "Wirtschaftsjournalist" (Chefredakteurin: Susanne Lang, Herausgeber: Johann Oberauer) erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer.

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