Tamedia führt Zentralredaktionen ein: Neue Rolle für Arthur Rutishauser - Judith Witwer folgt ihm beim "Tages-Anzeiger"

24.08.2017
 

Bei der Schweizer Mediengruppe Tamedia stehen die Zeichen auf Zentralisierung. Ab 1. Januar 2018 werden zwei neue Redaktionen in der Deutschschweiz und der Romandie die Inlands-, Auslands-, Wirtschafts- und Sport-Berichterstattung erstellen. Vorgesehen sind Kompetenzzentren in Bern, Lausanne und Zürich. In der Deutschschweiz wird Arthur Rutishauser für die Leitung der übergreifenden Tamedia-Redaktion verantwortlich zeichnen. Chefredakteurin des "Tages-Anzeigers" wird Judith Wittwer.

Tamedia will damit sicherstellen, dass sie ihren Leserinnen und Lesern "trotz deutlich geringerer Einnahmen eine hochstehende und möglichst vielfältige Berichterstattung auf allen Kanälen" bieten kann. Ziel sei es, die wirtschaftliche und redaktionelle Unabhängigkeit der zwölf bezahlten Tageszeitungen und der beiden Sonntagszeitungen in der Deutschschweiz und der Romandie zu sichern.

Mit der Einführung der neuen Organisation seien keine Kündigungen verbunden: "Alle Mitarbeitenden haben ab 1. Januar 2018 weiterhin eine Aufgabe in einer der Redaktionen", betont Tamedia.

"Bei weiter rückläufigen Werbeeinnahmen werden nur diejenigen Tageszeitungen fortbestehen, die Teil eines grösseren Netzwerks sind", sagt Christoph Tonini, Vorsitzender der Unternehmensleitung von Tamedia. "Die Bündelung der Ressourcen ermöglicht – im Gegensatz zur Verzettelung über viele kleine Redaktionen – schlagkräftige Teams mit höherer Dossierkompetenz, mehr Recherchekapazität und die Fähigkeit, neue Kompetenzen und Angebote zu entwickeln."

In der neuen Struktur werden die beiden sprachregionalen Redaktionen mit Mitarbeitenden aus allen Zeitungsredaktionen besetzt und von zwei Chefredaktionen geführt. Das Recherchedesk führen die beiden Zentral-Redaktionen gemeinsam. 

In der Deutschschweiz wird Arthur Rutishauser für die Leitung der übergreifenden Tamedia-Redaktion verantwortlich zeichnen. Daneben bleibt er Chefredakteur der "SonntagsZeitung. Rutishauser kündigt die stärkste Redaktion der Schweiz an. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit den bisherigen und neuen Kolleginnen und Kollegen.

In der Romandie wird Ariane Dayer die Führung der Zentral-Redaktion übernehmen. Ariane Dayer ist seit 2010 Chefredaktorin von "Le Matin Dimanche" und wird diese Funktion weiterhin wahrnehmen. Ariane Dayer: "Die neue Redaktion Tamedia, die sich auf drei in der Romandie verankerte Titel abstützt, bietet die einzigartige Chance, mit Recherche- und Analysekompetenz fundiert und umfassend über das Tagesgeschehen zu berichten." 

Trotz der Nutzung gemeinsamer Kompetenzzentren im überregionalen Bereich sollen die Tageszeitungen eigenständig bleiben - mit unterschiedlichem Profil, individueller Positionierung und unabhängiger politischer Ausrichtung. "Die Chefredakteure entscheiden gemeinsam mit den Titelredaktionen auf allen Kanälen über die Front, haben die Kommentierungshoheit und erstellen sämtliche lokalen, regionalen und weitere titelspezifische Inhalte aus den bestehenden Standorten heraus", heißt es bei Tamedia.

Als Chefredakteurin des "Tages-Anzeigers" ist ab 1. Januar 2018 Judith Wittwer vorgesehen, die bereits heute Mitglied der Chefredaktion des "Tages-Anzeigers" ist. Wittwer folgt auf Arthur Rutishauser.

Judith Wittwer stieß 2002 zum "Tages-Anzeiger", zuerst als Volontärin, danach als Wirtschaftsredakteurin. Es folgten Stationen als Deutschlandkorrespondentin und im Ressort Hintergrund und Analyse, bevor sie 2011 als Wirtschaftsredakteurin zur "Handelszeitung" wechselte. 2014 kehrte Wittwer zum "Tages-Anzeiger" zurück, wo sie zunächst die Stabsstelle der Chefredaktion leitete und als Nachrichtenchefin arbeitete. Seit 2015 ist sie Mitglied der Chefredaktion von "Tages-Anzeiger" und "SonntagsZeitung".

In der Deutschschweiz wird die Redaktion "Der Bund" weiterhin durch Patrick Feuz geleitet, Peter Jost führt wie bisher die Chefredaktion "BZ Berner Zeitung" und Benjamin Geiger weiterhin die Redaktionen von "Der Landbote", der "Zürichsee-Zeitung" und des "Zürcher Unterländers". In der Romandie wird die Redaktion der "Tribune de Genève" weiterhin von Pierre Ruetschi geleitet. 

Claude Ansermoz ist als neue Chefredakteur von "24 heures" vorgesehen und soll damit die Nachfolge von Thierry Meyer antreten, der das Unternehmen verlassen wird. Claude Ansermoz arbeitet bereits seit 2003 bei "24 heures". Seit September 2011 ist er stellvertretender Chefredakteur von "24 heures". 

Mit verschiedenen Maßnahmen will Tamedia digitale Wachstumschancen nutzen: Die Zahl der Digitalabonnemente soll durch eine bessere Usability, die automatische Personalisierung von News, neue Angebote wie die "12-App" oder "Le Matin du Soir", eine bessere Sichtbarkeit der Mehrwerte der Bezahlangebote sowie gezielte Marketing- und Pricing-Initiativen gesteigert werden.

Bereits verabschiedet ist eine Wachstumsstrategie im Bereich Video: So wird Tamedia unternehmensweit eine App ausrollen, mit der Videos direkt auf den Smartphones erstellt und sofort auf den Newsplattformen publiziert werden können.

Hintergrund: Das 1893 gegründete Unternehmen Tamedia beschäftigt rund 3.400 Mitarbeitende in der Schweiz, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Israel, Luxemburg, Österreich und Serbien. Das Flaggschiff des Verlags ist der "Tages-Anzeiger" in Zürich. Zur Familie gehören insgesamt zwölf Tages- und zwei Sonntagszeitungen sowie Gratisblätter wie "20 Minuten". Tamedia gehört zu den drei großen Mediengruppen in der Schweiz - neben dem NZZ-Verlag mit der "Neuen  Zürcher Zeitung" und Ringier mit der Boulevardzeitung "Blick".

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.