"Frankfurter Allgemeine" unter Schock: Afrika-Korrespondent Thomas Scheen tot

 

Die "Frankfurter Allgemeine" steht unter Schock. Der langjährige Afrika-Korrespondent Thomas Scheen ist am Samstag in Nairobi an den Folgen eines Unfalls gestorben. Der Theodor-Wolff-Preisträger wurde 52 Jahre alt.

Direkt auf der Titelseite weist die Zeitung auf den Tod von Thomas Scheen hin, der für die "FAZ" seit 2000 aus Afrika berichtete.

Scheen, geboren 1965 im belgischen Eupen, war schon früh von Afrika fasziniert: "Gleich nach der Schule reiste er 'in einem klapprigen, aber treuen Renault 4', wie es in seinem Bewerbungsschreiben heißt, zwei Jahre lang durch Kamerun, die Elfenbeinküste und das damalige Zaire. Danach fuhr er drei Jahre lang als Alleinfahrer Lastzüge in den Nahen Osten, nach Nordafrika und in die damalige Sowjetunion. Das Geld für den Lkw-Führerschein hatte er sich auf einem französischen Fischkutter verdient", schreibt Herausgeber Berthold Kohler im Nachruf (Seite 4, "FAZ" vom 28. August 2017, hier geht es zur Online-Version).

Nach dem Abitur über den zweiten Bildungsweg begann er Anfang der 1990er Jahre sein Studium der Germanistik und der Politischen Wissenschaften in Aachen, das er als freier Benelux-Korrespondent für deutsche Tageszeitungen finanzierte. Bei der "Kölnischen Rundschau" volontierte er, bevor er "durch die lehrreiche Schule des Lokalredakteurs" ging, wie er selbst einmal in seiner Vita schrieb. Am 1. Januar 2000 kam er zur "FAZ", nach wenigen Monaten des Kennenlernens entsandten ihn die Herausgeber als Korrespondent nach Schwarzafrika: bis 2005 war sein Sitz im ivorischen Abidjan, danach berichtete er zehn Jahre lang aus Südafrika, bevor er 2016 nach Nairobi in Kenia wechselte.

Für seine Reportage über den Alltag ehemaliger sowjetischer Militärpiloten in Kongo wurde er 2009 mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet.

Afrika sei für jeden Journalisten eine besondere Herausforderung, schreibt Berthold Kohler: "Es stellte schon immer besondere Anforderungen an jene Journalisten, die über es schreiben sollten. Man braucht eine robuste Gesundheit und gute Nerven. Die Lebensumstände sind schwierig. Immer wieder sehen sich Reporter mit Gefahren für Leib und Leben konfrontiert. Afrika, diesen Kontinent der permanenten Herausforderung, kann nur aushalten, wer es liebt, als sein Zuhause betrachtet", so Berthold Kohler. Laut dem "FAZ"-Herausgeber müssten Journalisten dafür ein "schwarzes Herz" haben: "Thomas Scheen hatte ein solches."

Scheen sei ein "Reporter von altem Schrot und Korn" gewesen: "Scheen reiste für seine Reportagen nicht durchs Netz, sondern durch die reale Welt. Er flog und fuhr dorthin, wo Afrika am ärmsten, am schmutzigsten, am gefährlichsten und am dunkelsten war - stets mit offenen Augen für jeden noch so kleinen Lichtstrahl. Wenn es einen Hoffnungsschimmer gab, hat Scheen ihn nicht übersehen und nicht unerwähnt gelassen. Durch seine Berichterstattung ziehen sich herzliche Verbundenheit und kritische Distanz", beschreibt Berthold Kohler seinen langjährigen Korrespondenten.

Einmal wurde ihm seine Unerschrockenheit fast zum Verhängnis. 2008 verschleppten Mai-Mai-Milizen Thomas Scheen in Ostkongo verschleppt, der furchtlose Journalist kam erst nach drei Tagen wieder frei: "Viel Aufhebens machte er um dieses Erlebnis nicht", erinnert sich Berthold Kohler.

Freunde und Kollegen von Thomas Scheen trugen ihre Trauer am Wochenende in die Sozialen Medien. "Voller Schmerz über das Unfassbare: Mein Freund Thomas ist gestorben", schreibt Michael Klein, Nachrichtenchef "Wetzlarer Zeitung". Als "Abenteurer und Korrespondenten, den man nur bewundern konnte", bezeichnet ihn "FAZ"-Innenpolitik-Chef Jasper von Altenbockum. "Wer soll uns jetzt Afrika erklären? Die "FAZ" verliert einen ihrer Besten - mutig, unbestechlich und neugierig", trauert Michael Inacker, CEO der WMP AG. "Was für ein Verlust", schreibt "taz"-Afrika-Experte Dominic Johnson, "ein großartiger Kollege" "FAZ"-Athen-Korrespondent Michael Martens.

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