Einsatz für Pressefreiheit: Zeitungen setzen Zeichen für Autor Dogan Akhanli

 

Die drei Tageszeitungen "Kölner Stadt-Anzeiger", "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" starten an diesem Samstag das literarische Kooperationsprojekt "Flaschenpost", um auch auf die Situation des in Spanien festgehaltenen Schriftstellers Dogan Akhanli hinzuweisen.

National und international bekannte Schriftsteller werden dafür kurze literarische Botschaften verfassen, sie in eine Flasche stecken und in ein Gewässer ihres Wohn- oder Arbeitsortes werfen. "Angesichts der ständigen Beschleunigung und Vervielfältigung von Nachrichten, die kaum gesendet oder gepostet, schon wieder veraltet sind, wollen die beteiligten Titel ihren Lesern ein Alternativ-Angebot machen", sagt Carsten Fiedler, Chefredakteur des "Kölner Stadt-Anzeiger". Die Botschaften können die Leserinnen und Leser auch in den Titeln verfolgen.

Einer der vier Autoren zum Serienstart ist der Kölner Dogan Akhanli. Der türkischstämmige Deutsche sitzt seit dem 19. August in der spanischen Hauptstadt Madrid fest. Ein türkischer Haftbefehl und ein Auslieferungsgesuch Ankaras hindern Akhanli daran, das Land zu verlassen. Sein Fall hat in ganz Deutschland Entrüstung ausgelöst. "Das Schreiben von Erzählungen hat mir geholfen, meine Traumata zu verarbeiten, es rettet mich bis heute", sagt Akhanli. In seiner gegenwärtigen Lage eine Flaschenpost in den Manzanares zu werfen, der durch Madrid fließt, das passe zu seinem Leben, in dem er sich bisweilen wie in einem absurden Theaterstück fühle. "Ich sehe meine Flaschenpost aber als Symbol für die Freiheit der Gedanken und des Wortes, die an so vielen Orten der Welt bedroht, missbraucht und beschnitten wird."

Die Texte unter anderem von Can Dündar, Guy Helminger, Elisabeth Herrmann, Kristof Magnusson, Tilman Röhrig, Frank Schätzing und Ilja Trojanow seien "Zukunftsbotschaften mit unbekanntem Adressaten und unbestimmten Ziel", erläutern die Projektverantwortlichen beim "Kölner Stadt-Anzeiger", Chefkorrespondent Joachim Frank und Lokalreporter Uli Kreikebaum.

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