Große kress.de-Übersicht: Die wichtigsten Kommentare zum TV-Duell

 

Es sind vor allem Chefredakteure, die noch am Sonntagabend das TV-Duell kommentiert haben. kress.de hat die wichtigsten Kommentare zum TV-Duell Angela Merkel und Martin Schulz.

"Nach Aufmerksamkeits-Punkten war Martin Schulz klarer Sieger des Abends: Er produzierte mit seiner Ansage, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beenden zu wollen, die einzige Aussage, die es noch während der Sendung in die Nachrichten schaffte", schreibt Chefredakteur Ulli Tückmantel in der "Westdeutschen Zeitung".

"Für Schulz waren die 95 Minuten zur besten Sendezeit aber schon deshalb ein Erfolg, weil er sich erstmals einem Millionenpublikum präsentieren konnte. Merkel kennen praktisch alle Leute, Schulz viele nicht. Viele haben gestern gelernt: Auch der könnte Kanzler. Insbesondere noch unentschlossene Wähler fangen erst jetzt an, sich ernsthaft mit der Bundestagswahl in drei Wochen zu beschäftigen. Eine Orientierungshilfe war das sogenannte Duell deshalb allemal", schreibt Stefan Vetter im "Mannheimer Morgen".

"Es war eine lebhafte und spannende Auseinandersetzung. Schulz hat seine Chance genutzt, die Kanzlerin in unterschiedlichen Politikfeldern zu stellen. Migration, Türkei, Trump, Arbeitsmarkt, Rente, – der SPD-Chef bezog klare Positionen. Seine Strategie zwang Merkel immer wieder in die Defensive, mehrfach versteckte sie sich hinter ihren Ministern. Während sich die Kanzlerin als erfahrene weltpolitische Moderatorin gab, pochte Schulz auf seinen Führungsanspruch als deutscher Bundeskanzler", schreibt Newsdesk-Chef Jörg Rinne in der "Neuen Westfälischen".

"Was das Gespräch zwischen den beiden zeigte war: Sie passen gut zusammen, eine große Koalition könnte locker noch vier Jahre weiter machen. Würde Schulz das ab jetzt betonen, könnte er es noch schaffen, die SPD davor zu bewahren, unter 20 Prozent zu rutschen. Viele in der SPD glauben, sie könnten sie in der Opposition erneuern. Das haben sie schon 2009 geglaubt, als eine Bündnis von CDU und FDP in Berlin regierte. Dem gelang zwar 2013 nicht die Wiederwahl, die FDP flog aus dem Bundestag, aber die SPD war auch nicht stärker als vier Jahre zuvor", schreibt Herausgeber Stefan Laurin bei den "Ruhrbaronen".

"Aber immerhin: Keiner kann nach diesem TV-Duell noch behaupten, in Deutschland werde zu wenig über die Flüchtlingspolitik und Fragen der Integration von Muslimen geredet. Fast die gesamte erste Stunde dieser gut anderthalbstündigen Sendung ging es um kaum etwas anderes als diese Themen. Insbesondere getrieben von dem Sat.1-Moderator Claus Strunz ("Wann sind diese Leute endlich weg?") geriet dieses sogenannte Duell über weite Strecken zu einer Erklärungs- und Rechtfertigungspressekonferenz der Großen Koalition. Alles andere wirkte dann nur noch wie nachgeschoben - wir haben ja leider keine Zeit mehr", schreibt Hauptstadtbüro-Chef Stefan Kuzmany auf "Spiegel Online".

"Nein, das war keine schlechte TV-Debatte. Die Moderatoren stellten kluge Fragen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen; die beiden Kontrahenten argumentierten sachlich, verständlich und kompetent. Das im Vorfeld umstrittene starre Prozedere tat der Debatte gut. Ja, das war ein interessanter politischer Fernsehabend, nach dem sich die Frage stellt: Warum gibt es so was nicht öfter statt all der Durcheinanderrederei und dem Parolengeblöke in vielen Talkshows?", schreibt Chefredakteur Florian Harms auf t-online.de.

"Schulz machte einen guten Job, leistete sich kaum Fehler, hatte vor allem dann stärkere Momente, wenn er Emotionen zeigte, etwa bei den Themen soziale Gerechtigkeit, Diesel-Affäre oder beim Rückblick auf das Maut-Dilemma. Und dennoch gelang es ihm während der Sendung nicht, sich entscheidend abzusetzen. Vielmehr herrschte zwischendurch gepflegte Langeweile", schreibt Chefredakteur Andreas Tyrock in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

"Der meist souverän und schlagfertig angreifende Sozialdemokrat Schulz hat auch nach diesem Duell ein Problem: alles, was er forderte, sah Merkel ähnlich oder - noch schlimmer für Schulz - hatte es irgendwie schon mit Sozialdemokraten durchgesetzt", schreibt Chefredakteur Michael Bröcker in der "Rheinischen Post".

"Fazit dieses zum Mega-Ereignis hochgeredeten Fernsehabends: Das waren öffentliche Koalitionsverhandlungen. Schulz könnte problemlos der Außenminister von Kanzlerin Merkel werden. Es gibt schlechtere Kombinationen", schreibt Chefredakteur Hendrik Groth in der "Schwäbischen Zeitung".

"Wer nun meint, da habe sich eine Konstellation abgebildet, die eine neue große Koalition ausschlösse, der irrt. Die beiden können miteinander, sind sich erkennbar durchaus nicht unsympathisch. Mit Martin Schulz bekämen die Deutschen einen Kanzler, der der überzeugtere und überzeugendere Europäer ist. Mit Angela Merkel behielten die Bürger eine Regierungschefin, von der sie wüssten, was sie haben", schreibt der frühere Herausgeber Gerd Appenzeller im "Tagesspiegel".

"Zack, da war sie wieder, ihre nahezu unangreifbare Erfahrung aus zwölf Jahren Amtszeit, vorgetragen mit dieser demonstrativen Gelassenheit, die manchmal schon an Arroganz grenzt. Ihre vorsichtig taktierende Art, mit den Verrückten dieser Welt umzugehen, macht sie in den Augen vieler Deutscher offenbar zu einer Schutzheiligen für die Bewahrung stabiler Lebensverhältnisse. Weshalb die Kanzlerin in der ersten Dreiviertelstunde des TV-Duells dankbar durch die internationale Politik kurvte, gefolgt von Martin Schulz, der die Probleme und Lösungen eigentlich überwiegend genau so beurteilte wie Angela Merkel", schreibt Herausgeber Andreas Petzold in Stern.de.

"Bislang hat Merkel bei Fernsehduellen immer eher verloren, zuletzt auch 2013 gegen Peer Steinbrück, und dennoch die Wahl gewonnen. Martin Schulz kann nicht darauf setzen, dass sich dieses Prinzip nun umkehrt. Er hat am Sonntagabend Boden gut gemacht, mehr nicht. Eine Trendwende hat das TV-Duell jedenfalls nicht gebracht. Dennoch: Es gibt noch genügend unentschlossene Wähler, um die es sich im Endspurt zu kämpfen lohnt", schreibt Chefredakteur Carsten Fiedler im "Kölner Stadt-Anzeiger".

"Angela Merkel, die am ehesten etwas zu verlieren hatte, arbeitete sich dabei lapsusfrei durch die 90 Minuten Sendezeit. Da half es sicher, dass sie die Regeln des einzigen Fernseh-Duells bis über die Schmerzgrenze der Senderchefs brutal diktiert hatte. Apropos ersparen: Das TV-Duell hätte sicher an Qualität gewonnen, wenn man bei der Anzahl der Moderatoren gespart hätte. Vier Journalisten, die nicht nur Zeit für Fragen, sondern auch fürs eigene Ego brauchten, waren leider zu viel", schreibt Funke-Zentralredaktion-Chefredakteur Jörg Quoos in der "Berliner Morgenpost".

"Das eigentliche Problem der Sendung waren die Moderatoren. Hat ihnen die AfD die Themenschwerpunkte diktiert? In den ersten 45 Minuten wurde nur über Flüchtlinge diskutiert; danach über Erdoğan. Die sozialen Probleme sind auch angesprochen worden, aber so, dass insinuiert wurde, dass es sie offenbar nicht gibt. Da hätte Schulz hartnäckig einhaken müssen", schreibt Innenpolitik-Chef Heribert Prantl in der "Süddeutschen Zeitung".

"Islam, Flüchtlingskrise und die Frage, wer am Sonntag wohl in der Kirche gewesen ist: Mit diesen Themen einen Großteil des einzigen TV-"Duells" zu verplempern, verkennt die wirklichen Probleme, die die nächste Bundesregierung lösen muss. Bildung, Rente, Altersarmut, Wohnen und giftige Luft in den Städten? Offenbar nachrangige Themen", schreibt Chefredakteur Michael Schilling in der "Abendzeitung München".

"Fortlaufend betonte die Kanzlerin, mit wem sie gerade telefoniert und wen sie kürzlich getroffen habe. Mit anderen Worten: Sie kenne jeden und regele alles. Aber mit genau dieser Haltung stößt die CDU-Vorsitzende an Grenzen. Noch sind sie nicht überschritten. Aber wird Merkel noch einmal Kanzlerin, wird sie dem Kohl-Effekt kaum mehr entkommen können. Merkel weiß so viel, erfährt so viel, hat so viel erlebt und auch geleistet, dass sie ihre Geduld und Gelassenheit zu verlieren droht", schreibt der stellvertretende Chefredakteur Burkhard Ewert in der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Schulz wusste, wenn er beim emotionalsten Thema dieses Wahlkampfes nicht punktet, hat er keine Chance. Bei seinen Angriffen klang er dann aber eher wie der CSU-Chef und nicht wie der SPD-Kanzlerkandidat. Mit seiner klaren Kante gegen Erdogan zum Beispiel sprach er sicher vielen aus der Seele. Glaubwürdig wirkte das aber nicht, zumal auch er am Flüchtlingspakt mit der Türkei festhalten will", schreibt Politik-Chef Michael Stifter in der "Augsburger Allgemeinen".

"Verwundbar war und ist die Teflon-Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik. Sie ist das Thema, über das die Menschen reden, sobald sie in vertrauter Runde zusammensitzen. Doch just dieses Feld erklärte Schulz viel zu lange zur politischen Tabu- und Schweigezone, obwohl - Stichwort Wohnungsmangel, Jobkonkurrenz, Ghettoisierung - gerade die von der SPD umworbenen kleinen Leute auf neue Antworten warten", schreibt Chefredakteur Georg Anastasiadis vom "Münchner Merkur".

"Schlechter noch als Schulz, das muss man leider sagen, war die Sendung insgesamt. Wenn ein Format nicht funktioniert, gibt es meist mehrere Schuldige: die Produzenten, die Moderatoren, die Gäste. Alles richtig. In diesem speziellen Fall ist es vor allem die Person, die verhindert hat, dass ein anderes Format ausprobiert wurde: Merkel. Ihre Unterhändler bestanden darauf, dass es nur ein TV-Duell gibt, in dem vier Moderatoren gemeinsam einen Themenblock nach dem anderen abarbeiten. Spontaneität war so nicht möglich", schreibt Politik-Chef Hubertus Volmer auf n-tv.de.

"Das Thema Flucht und Migration dominierte über weite Zeitstrecken, inszeniert als Angstdebatte und Überforderungsszenario. Was droht sonst noch? Diesel und Terror. Sozialpolitische Themen wurden abgehandelt wie eine lästige Pflichtübung. Die außenpolitische Agenda war, zurückhaltend formuliert: rätselhaft. Vor allem: Es war ein Gespräch des Rückblicks, bei dem vergangenen Politik zum Maßstab von Bewertungen gemacht wurden, die kaum etwas mit der Zukunft zu tun haben", schreibt Chefredakteur Tom Strohschneider in "Neues Deutschland".

"Unterm Strich war der Sonntagabend über weite Strecken mehr ein schwarz-rotes Familientreffen als ein Duell. Bei den Themen Zuwanderung und Integration etwa, die mehr als die Hälfte der 90 Minuten beanspruchten, waren zwischen den Kandidaten kaum grundsätzliche Differenzen erkennbar. Zuweilen wirkte es, als wären die Kontrahenten ein besseres Team als die vier Moderatoren", schreibt Politik-Chef Nils Rüdel vom "General-Anzeiger" Bonn.

"Langweilig, rufen nun wieder viele, auch weil Themenauswahl und -gewichtung gewöhnungsbedürftig waren. Das muss aber keine Katastrophe sein. Oder wäre uns eine Auseinandersetzung nach dem Muster des Duells Donald Trump versus Hillary Clinton etwa lieber?", schreibt Chefredakteur Joachim Dorfs in der "Stuttgarter Zeitung".

"Dieser Punkt geht an Martin Schulz. Drei Wochen vor der Bundestagswahl hat der SPD-Kanzlerkandidat ein Duell mit der Bundeskanzlerin klar gewonnen: nicht das an der Wahlurne, aber das im Fernsehen. Schulz dominierte die Sendung deutlich ohne so breitbeinig und machohaft aufzutreten wie etwa im vergangenen Jahr sein Vorgänger Peer Steinbrück oder länger davor Gerhard Schröder", schreibt Daniela Vates in der "Frankfurter Rundschau".

"In Zeiten von Fake News und Filterblasen ist die Bedeutung des direkten Aufeinandertreffens der Spitzenkandidaten, die die nächste Regierung anführen wollen, eigentlich kaum zu unterschätzen. Erst recht nicht, wenn noch fast jeder zweite Wähler unentschieden ist. Weglaufen geht nicht, Angela Merkel und Martin Schulz mussten Position beziehen. Eigentlich", schreibt Chefredakteur Lars Hennemann vom "Darmstädter Echo".

"Duell? Nein, das hörte sich eher an wie verfrühte, zuweilen nörgelige Koalitionsverhandlungen. Zwar argumentierte der Herausforderer klug, er kritisierte zu Recht, doch letztlich kam Schulz nicht aus der Zwickmühle: Seit 2005 regiert die SPD mit, und wenn nicht gerade TV-Duell ist, sieht sie sich selbst als Motor der Regierung. Für deren Versäumnisse und Fehler ist sie ebenso zuständig wie die Union", schreibt Nachrichten-Chef Tibor Pézsa in der "Hessische Niedersächsische Allgemeine".

"Ob dieses TV-Duell die letzte Chance des SPD-Kanzlerkandidaten war, das Blatt noch zu seinen Gunsten zu wenden - erst die nächsten Umfragen werden es zeigen. Für Schulz wäre schon viel erreicht, wenn ihm eine wachsende Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft gelungen wäre, die noch längst nicht wie ein Mann hinter ihm steht", schreibt Chefredakteur Norbert Tiemann in den "Westfälischen Nachrichten".

"Die Erwartungen an das TV-Duell wurden im Vorfeld fast schon dramatisch überhöht. Warum eigentlich? Was sollte der gestrige Abend tatsächlich bringen, wenn vier Moderatoren zwei Kandidaten befragen? Eine lebendige Diskussion wohl kaum. Etwas Neues, gar Überraschendes? Auch nicht. Und so war es wie stets vor den vergangenen Bundestagswahlen: Eine Kanzlerin, die unaufgeregt antwortet und routiniert Fakten präsentiert. Auf der anderen Seite ein SPD-Herausforderer, der sich müht, jedoch so gut wie nie ins Schwarze trifft", schreibt Chefredakteur Uwe Ralf Heer von der "Heilbronner Stimme".

"Es kam, wie es kommen musste: Das Rededuell zwischen CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef und -Kanzlerkandidat Martin Schulz hat hie und da zur öffentlichen Präzisierung der jeweiligen Positionen beigetragen. Von einer Wende im Rennen um die Kanzlerschaft aber keine Spur. Ob es um Flucht und Zuwanderung ging, um klare Kante gegen islamistische Einpeitscher, oder um das Beten am Sonntag - auffallend oft war Schulz mit Äußerungen zur Stelle wie "Da hat Frau Merkel Recht". Das ist fair. Das bringt die Nähe der politischen Standpunkte beider Kandidaten auf den Punkt. Doch ein Herausforderer punktet damit kaum. So war dieses TV-Duell ein getreues Spiegelbild des Wahlkampfs: Da streicheln sich zwei Koalitionspartner. Wie hätte es auch anders sein sollen", schreibt Chefredakteur Christoph Reisinger von den "Stuttgarter Nachrichten".

"Am Ende ging es gestern Abend für Martin Schulz vor allem um eines: Der SPD-Kanzlerkandidat musste alles tun, um das einzige direkte Fernseh-Duell mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine Botschaft zu nutzen - ich habe keine echte Chance, aber ich nutze sie. Das ist Martin Schulz nach anfänglicher Nervosität eindeutig gelungen. Er präsentierte sich im 90-minütigen Diskurs mit der christdemokratischen Amtsinhaberin zunehmend locker und eindeutig im Angriffsmodus", schreibt Chefredakteur Jost Lübben von der "Westfalenpost".

"Es scheint, als würde sich die große Koalition der Wiederwahl stellen. Die Kanzlerin und ihr Herausforderer präsentieren sich beide gleichermaßen sachlich und professionell. Ebenso die Moderatorinnen, Sandra Maischberger und Maybrit Illner. Bei den Moderatoren gewinnt man den Eindruck, dass Claus Strunz gegenüber Angela Merkel einen Tick kritischer ist. Die Flüchtlinge - sein Thema. Und Peter Kloeppel scheint kein ausgewiesener Fan von Martin Schulz zu sein. Das spürt man. Ansonsten spürt man wenig Spannung, so dass man sich tatsächlich voll und ganz auf die Aussagen und Inhalte konzentrieren kann", schreibt Bilkay Öney auf kress.de.

"Die große Orientierung hat die TV-Debatte kaum gebracht. Angela Merkel mag mit ihrer Souveränität vorne liegen, doch Martin Schulz hat sich wacker aus der Affäre gezogen. Attacke hat er aber nicht gezeigt. Womöglich hätte etwas mehr Innenpolitik mit den Themen Rente, Bildung und Sicherheit mehr gebracht als eine Stunde Rückblick auf die Flüchtlingskrise. Das Blatt hat Schulz mit dieser Debatte kaum gewendet. Ein Wechsel im Kanzleramt drängt sich nach diesem Duell nicht auf", schreibt Politikchef Gerald Schneider im "Straubinger Tagblatt".

"Schnell wird klar, dass sich im Berliner Adlershof zwei langjährige europäische (Außen-)Politiker treffen, die sich und ihre Positionen aus unzähligen Verhandlungsrunden in- und auswendig kennen und einander sehr schätzen. In weiten Teilen ist das Duell denn auch eher ein öffentlicher Koalitionsgipfel unter Regierungspartnern als ein heftiger Schlagabtausch", schreibt Oliver Georgi auf "FAZ Online".

"Über dem Abend schwebte das Dilemma der Sozialdemokraten: Die lange Zeit der Kompromisse in der Großen Koalition hat ihre Konturen verwischt. Schulz tat sein Bestes, um eigene Positionen zu verdeutlichen. Etwa beim Schlusswort, wo er gefühlsbetont an "mehr Gerechtigkeit" appellierte. Merkel ließ ihn sogleich mit Hinweis auf die Linken abblitzen. So blieb's am Ende beim 0:0", schreibt Chefredakteur Manfred Lachniet in der "Neuen Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung".

"Die Vorabregie der Kanzlerin, die Rahmen und Austragungsmodus beeinflusste, sorgte dafür, dass das Duell 2017 keine wirkliche Überraschung bot. Merkel, die eine TV-Debatte nicht schätzt, wollte die Kontrolle - und geriet dennoch beim Thema Einwanderung und Islam ein bisschen ins Wanken. Sie wirkte in der Befragungssituation zeitweise angestrengter, in einer Abwehrhaltung, konnte ihren Kanzler-Bonus zunächst nicht ausspielen", schreibt Politik-Chef Hans Begerow in der "Nordwest-Zeitung".

"Deprimierend war der Abend am Ende aber auch, weil es wie ein rückwärtsgewandtes Therapiegespräch erschien, ohne jede Aura des Zukünftigen und Vorstellbaren. Es waren zwei Politikprofis, die sich pragmatisch und erdnah verhockt in altbekannten Ansichten verschanzten. Oft genug nur durch die Tonart des Vortrags zu unterscheiden. Die Moderatoren fragten gut und pointiert, aber der Sendung fehlte der Bogen und die Hingabe an den Eros der Debatte", schreibt Chefredakteur Ulf Poschardt in der "Welt".

"Die Themen im TV-Duell waren vielleicht weltbewegend. Aber es waren nicht die Themen, die Menschen in diesem Land bewegen", schreibt Digital-Chefredakteur Julian Reichelt auf Bild.de.

"Wenn in einem Fernsehduell der Spitzenkandidaten nicht einmal über Themen wie Bildung und Klimawandel geredet wird, wenn die Digitalisierung Deutschlands nur zweimal in Schlagworten fällt, dann hat der Abend sein Thema verfehlt. Und vermutlich auch die Themen vieler Wähler. Da kann man sich noch so sehr in Details vertiefen, wann Merkel und wann Schulz einen Punkt gemacht haben. Sie haben vor allem viele Punkte nicht gemacht, die in Zukunft wichtig wäre", schreibt Chefredakteur Jochen Arntz von der "Berliner Zeitung".

"Selbst dieses Duell gab nicht viel mehr als die großen Koalition zu erkennen. Die Konflikte, auf die Merkel und Schulz angesprochen wurden, waren zum großen Teil auch die Konflikte dieser Koalition, und die daran gewöhnte Phantasie der Wähler wird ausreichen, um sich auszumalen, wie sie enden, wenn es wieder dazu kommt. Selbst Unvorhersehbares wie die Flüchtlingskrise gehorcht den Regeln eines berechenbaren Korridors. Merkel und Schulz sind gefangen in diesem Kreislauf der Kompromisse, auch wenn sie sich noch so sehr duellieren wollten", schreibt Innenpolitik-Chef Jasper von Altenbockum in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"

"Das TV-Duell hat keinen klaren Sieger hervorgebracht. Realistisch betrachtet steht unterm Strich ein flottes Unentschieden, ein 2:2, mit leichten Vorteilen für den Herausforderer. Schulz griff an, wirkte dabei jedoch etwas künstlich und leistete sich in seiner Wortwahl einige peinliche Schnitzer. Merkel war häufig in der Defensive", schreibt Chefredakteur André Best im "Westfalen-Blatt".

"Nein, es war keine glanzvolle Veranstaltung. Wer die knallharten Debatten Trump/Clinton in Erinnerung ruft: Welch traurige Veranstaltung. Bieder, peinlich, unkonkret, und auch Moderatoren, von denen man nicht genau weiß, wie sie sich fühlen", schreibt Herausgeber Roland Tichy in "Tichys Einblick".

"Um es gleich zu sagen: Ein Gewinner, eine Gewinnerin war nach diesen 90 Minuten nicht auszumachen. Auch kein Verlierer oder eine Verliererin. Der Austausch, und so muss man es nennen, verlief gesittet und sachlich, zumal für ein solches Format", schreibt Chefredakteur Alexander Marguier im "Cicero".

"Es ist Schulz durchaus gelungen, Merkel an einigen Punkten aus der Reserve zu locken: gerade bei Konzessionen an die CSU, die sie ganz offenkundig völlig beknackt findet – Maut, Rente mit 70 – da kann sie schon mal kiebig werden. Das war es dann aber auch schon, die Runde verlor sich weitgehend im Klein-Klein. Was haben Zuschauer während der Sendung gegoogelt: die Kapelle, in der Angela Merkels Vater begraben liegt – und das Grab von Frank Schirrmacher. Es wird Herbst", schreibt Hauptstadt-Korrespondentin Mariam Lau in "Zeit Online".

"Was bleibt nun von dem Duell? Schulz spricht eher in der Tonlage der Bürger, insofern authentisch, aber argumentativ nur selten kontrovers zur Kanzlerin, die er herausfordert. Merkel lieferte, was zu erwarten war: nüchterne Bestandsanalyse, staatsfrauliche Attitüde. Motto, wie vor vier Jahren: Sie kennen mich. Immerhin", schreibt Chefredakteur Stephan Sator von der "Nürnberger Zeitung".

"Das war es also, das wichtigste Ereignis in diesem Wahlkampf. SPD-Herausforderer Martin Schulz gegen Kanzlerin Angela Merkel. Wer mit einem harten Kampf gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Die Veranstaltung wirkte über lange Strecken nicht wie ein Duell Schulz gegen Merkel, sondern wie ein Duell Moderatoren gegen zwei Politiker, die sich weitgehend einig waren", schreibt Berlin-Chef Guido Boheme in der "Südwest Presse".

"Was keiner der beiden aufzeigen konnte, ist ein Modell für die Gesellschaft der Zukunft. Es sind eher Modelle des Weitertastens. Das ist unbefriedigend, wenn die Wählerinnen und Wähler jetzt endlich mal wieder entscheiden dürfen und wollen. Aber es ist auch beruhigend, dass der nächste Kanzler Deutschland nicht in außenpolitische Abenteuer stürzt. Da ist der einzige verbliebene Altkanzler viel problematischer – übrigens für beide Kandidaten. Es gibt derzeit unglücklichere Länder als Deutschland", schreibt Chefredakteur Stefan Hans Kläsener in der "shz"

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