WDR-Werbetochter macht Rolle rückwärts

07.09.2017
 

Die WDR Mediagroup steckt in der Krise. Die kommerzielle Tochter des WDR muss Stellen streichen und ihre ambitionierten Expansionspläne aufgeben, was für Unruhe unter den gut 500 Beschäftigten sorgt.

Eigentlich wollte sich das Unternehmen zu einem digitalen Inhalte- und Mediendienstleister entwickeln, der nicht nur den WDR, sondern auch zahlreiche weitere Kunden aus der Medienwelt bedient. Doch daraus wird nichts. Die Mediagroup muss sich in Zukunft wieder auf ihr Kerngeschäft der Werbezeitenvermarktung und Programmverwertung für den WDR konzentrieren, aus dessen Abhängigkeit sie sich eigentlich lösen wollte. "Dies bedeutet auch, dass andere Geschäftsbereiche aufgegeben werden müssen", erklärt Karsten Rudolph, Aufsichtsratsvorsitzender der WDR Mediagroup gegenüber "kress pro". Ein Stellenabbau sei deshalb "unumgänglich". Die Mediagroup muss mit ihrer Strategie nun die Rolle rückwärts machen und sich von nichtprofitablen Geschäften trennen. Was Rudolph damit erklärt, dass sie im Zuge ihrer Diversifizierung auf strategische Felder vorgestoßen ist, die "nicht immer von Beginn an profitabel arbeiten können". Als Beispiele nennt er Video-on-Demand-Vertrieb oder den Betrieb des WDR-Rechenzentrums.

Für die missliche Lage der Mediagroup gibt es mehrerer Ursachen. Eine davon hat die Mutter WDR heraufbeschworen, die über Jahre hinweg mehr ausgegeben als eingenommen hat. Um das strukturelle Defizit abzubauen, hat Intendant Tom Buhrow dem Beitragskoloss einen Sparkurs verordnet, der schwerwiegende Folgen für die Mediagroup hat. Bereits 2015 drängte der WDR seine Mediagroup dazu, ihre Expansionsstrategie aufzugeben und die Kosten zu senken, nachdem er ihr zuvor immer mehr Aufgaben übertragen hatte. Den nächsten Schlag erhielt die Mediagroup vom Gesetzgeber in NRW, der Anfang 2016 eine Werbezeitenreduzierung im WDR-Hörfunk beschloss und damit die Einnahmebasis der Rundfunkanstalt und seiner kommerziellen Tochter schmälert.

kress.de-Tipp: Welchen Anteil die WDR Mediagroup an ihrer Krise hat und welches Geschäftsfeld sie demnächst aufgeben wird, steht in "kress pro" (Ausgabe 6/2016). Für unsere zahlenden Leser hat "kress pro"-Autor Guido Schneider auch recherchiert, wie der Betriebsrat zu den Kürzungsplänen der WDR Mediagroup steht und wie sich deren Führungsmannschaft verändert. Die Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

 

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