Neues konservatives Print-Magazin "Cato": "Wir vermissen ein breites Bewusstsein für Ressourcen und Traditionen aller Art"

 

Mit einer Druckauflage von 50.000 Stück startet ab heute ein neues Magazin in den Markt. Das konservativ ausgerichtete "Cato" erscheint alle zwei Monate und widmet sich in stilvoller Aufmachung vor allem mit Essays den Schwerpunkten Politik und Kultur. Die erste Ausgabe umfasst mehr als 100 Seiten. kress.de hat mit Chefredakteur Andreas Lombard (53) gesprochen, der zuvor die "Manuscriptum Verlagsbuchhandlung" leitete.

kress.de: Sie nennen "Cato" im Untertitel "Magazin für neue Sachlichkeit". Heißt das, andere Medien wären unsachlich?

Andreas Lombard: In gewisser Weise: Ja. Schauen Sie sich doch die Berichterstattung über die Themen Familie, Währung, Migration, Klima und Sicherheit an.

kress.de: Was empfinden Sie daran als unsachlich?

Andreas Lombard: Die Art der Aufbereitung ist seltsam homogen, bei jedem beliebigen Thema. Es gibt in den Leitmedien oft nur graduelle Abweichungen in der Wertung und Einordnung. Konträre Stimmen kommen vielfach nicht zu Wort. Ich sehe, dass die Berichterstattung auf ideologischen Prinzipien wie Gleichheit und Globalisierung beruht. Innerhalb dieser Vorgaben ist sie natürlich sachlich - aber eben nicht immer sachlich ausgewogen.

kress.de: Und was meinen Sie mit "neuer" Sachlichkeit?

Andreas Lombard: Unser Untertitel ist die leicht ironische Verwendung eines Begriffes aus der Architektur- und Literaturgeschichte im vergangenen Jahrhundert, zu Beginn der Weimarer Republik.

kress.de: Was bedeutet das für die Ausrichtung Ihrer Zeitschrift?

Andreas Lombard: Ein neuer Anlauf in Richtung Sachlichkeit, in Richtung Wirklichkeitsnähe bei den Fragen unseres Zusammenlebens. Wir vermissen ein breites Bewusstsein für Bewährtes, für Ressourcen und Traditionen aller Art. Wir betrachten den Menschen nicht als Projekt, sondern wie er ist und nicht, wie er sein soll.

kress.de: Die "Neue Zürcher Zeitung" benennt an Ihrem Blatt etwas anderes als "neu". Sie beschreibt es als "neue Stimme der Konservativen". Und der "Tagesspiegel" bezeichnet Sie als "sehr konservativ". Eine richtige Einordnung?

Andreas Lombard: Mit der Einordung der "NZZ" kann ich gut leben. Ja, wir wollen ein Produkt mit konservativer Ausrichtung machen. Aber wenn der "Tagesspiegel" das Wörtchen "sehr" davor schreibt, frage ich mich, warum im Journalismus oft so ein Hang zur Steigerung vorhanden ist. Orthodoxe Juden werden zunehmend als "ultraorthodox" bezeichnet, und wer nach seinem katholischen Glauben lebt, ist plötzlich "rechtskatholisch". Leider hat der "Tagesspiegel" nicht benannt, an welcher Stelle im Heft man eine "sehr" konservative Ausrichtung ablesen könnte.

kress.de: Im "Editorial" schreiben Sie über die derzeit politisch Verantwortlichen, "nichts scheint ihnen suspekter zu sein als die Mehrheit der Bürger und die Normalität des Lebens". Ein starker Vorwurf - was meinen Sie damit?

Andreas Lombard: Eine gewisse Entfernung von Lebensbedingungen und Bedürfnissen der Mehrheit können Sie unter anderem bei Fragen der Mobilität, der Energiepolitik, der Besteuerung oder der Familienpolitik beobachten. Viele Randthemen werden in den Mittelpunkt geschoben, obwohl ihnen die quantitative Relevanz fehlt. Da geht es offenbar um Bewusstseinsveränderung und nicht um das Leben, wie es ist. Auch Randthemen haben ihr gutes Recht, aber wenn sie fast alles andere verdrängen, dann stimmt irgendetwas nicht.

kress.de: Wenn Sie die Bürgerferne von Politikern kritisieren, müsste man erwarten, dass Sie ein volksnahes Magazin auf den Markt bringen. Doch es wendet sich in Sprache, Aufmachung und Themenauswahl eher an eine intellektuelle Elite. Ist Ihr Vorwurf daher nicht heuchlerisch?

Andreas Lombard: Nein, überhaupt nicht. Ich sehe da keinen Widerspruch. Ich kann doch eine sinnvolle politische Ausrichtung auch dann vertreten, wenn ich mich an eine Elite richte. Es ist sogar konsequent. Denn wenn ich einen Umdenkungsprozess in Gang setzen möchte, muss ich mich an die Schicht wenden, in der die Diskurse stattfinden. Dort habe ich die größten Möglichkeiten, für ein Umsteuern zu werben. Wir verstehen uns trotzdem eher als metapolitisches Magazin. Wenn ich Bürgerferne kritisiere, wie Sie sagen, muss ich noch lange kein Magazin für einfache Leute machen. Man kann das, keine Frage. Aber wir haben uns anders entschieden.

kress.de: Der Name Ihrer Zeitschrift nimmt Bezug auf einen konservativen römischen Politiker, der in der Zeit lebte, als das Imperium zusammenbrach. Eine Analogie auf die EU?

Andreas Lombard: Das haben Sie ziemlich gut erkannt. In seinem Beitrag über den antiken Cato greift der Brüsseler Althistoriker David Engels genau diese Parallelen zwischen dem Untergang der spätrömischen Republik und der EU auf. Die hohe Arbeitslosigkeit zum Beispiel, die wir haben.

kress.de: Haben wir nicht! Wir haben doch fast Vollbeschäftigung.

Andreas Lombard: Schauen Sie doch mal über Deutschland hinaus. Sie fragten nach Analogien zur EU. Und da liegt die Jugendarbeitslosigkeit in den südeuropäischen Ländern zwischen 25 und 50 Prozent. Das hat seine Ursache in der Wirtschafts- und Währungspolitik, die von Deutschland initiiert oder mitgetragen wird. Oder schauen Sie auf den Demokratieverlust, der sich in der Rolle des Parlaments abbildet. Auch der zunehmende Werteverlust und der Weg zur technokratischen Herrschaft sind Parallelen zum Römischen Reich.

kress.de: Andererseits: Der antike Cato hat Selbstmord begangen. Ist das nicht ein schlechtes Omen für eine neue Zeitschrift?

Andreas Lombard: Sie werden bei der Namensgebung niemals eine Figur finden, mit der Sie hundertprozentig einverstanden sind und mit der Sie sich voll identifizieren können. Wenn Sie sich Cato-Porträts anschauen, zeigen die zu 90 Prozent seinen Suizid. Wir haben in unserem Heft kein einziges davon veröffentlicht, weil wir uns das gerade nicht zu eigen machen möchten. Dennoch bleibt der Name sehr geeignet. Cato war ein konservativer, wertebezogener Politiker, der sich der Korruption einer nur noch sich selbst bespiegelnden Herrscherklasse entgegenstellte.

kress.de: Ist es nicht anachronistisch, jetzt noch ein Print-Produkt auf den Markt zu bringen?

Andreas Lombard: Das mag so erscheinen, aber aufgrund der Nachfrage, die wir erhalten, kann ich das absolut nicht bestätigen. Die Bestellungen liegen weit über unseren Erwartungen - vier Mal höher sogar. Damit können wir von Anfang an wirtschaftlich arbeiten. Es ist nicht die Frage, ob Print oder Digital, also nicht, wie man etwas anbietet, sondern was man anbietet.

kress.de: Was heißt denn das konkret? Wie viele Bestellungen haben Sie?

Andreas Lombard: Die Zahlen der Abos möchte ich noch nicht verraten, aber die Abonnements liegen weit über dem, womit wir gerechnet hatten. Konkret kann ich Ihnen sagen, dass wir an den Kioskhandel 32.000 Exemplare ausgeliefert haben. Angeboten hatten wir 25.000.

kress.de: In der "Jungen Freiheit" wird "Cato" seit Wochen massiv beworben. Welche Rolle spielte die Wochenzeitung beim Launch Ihres Heftes?

Andreas Lombard: Der Verlag der "Jungen Freiheit" ist als derzeitiger Alleingesellschafter am Cato-Verlag beteiligt und unterstützt den Start unseres Magazins auf Seiten des Vertriebes. Deshalb auch die Werbung für "Cato" in der JF. Aber auch in der "FAZ" haben wir eine viertelseitige Anzeige geschaltet. Redaktionell ist "Cato" eigenständig.

kress.de: Wie grenzen Sie sich ab oder wollen Sie das gar nicht?

Andreas Lombard: Wissen Sie, immer diese Fragen nach Abgrenzungen. Heute ist ja schon wichtig, wer wem die Hand geschüttelt hat, und anschließend soll sich einer vom anderen abgrenzen. Das nervt mich, weil es von der Sache, also der Sachlichkeit, über die wir eingangs gesprochen haben, ablenkt. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Unsere Grenzen erkennen Sie an dem, was Sie nicht im Blatt finden.

kress.de-Tipp: "Cato - Magazin für neue Sachlichkeit", 104 Seiten, Preis: 12 Euro. Internet: www.cato-magazin.de.

Ihre Kommentare
Kopf

Robert

08.09.2017
!

Es ist erschreckend, dass Kress solchen Leuten eine ungefilterte Plattform gibt. Wer einmal kurz im Netz recherchiert, wird schnell merken, dass die Bezeichnung "sehr konservativ" des Tagesspiegel für Personen wie Herrn Lombard einen Euphemismus darstellen.
Die Fragen des Interviews sind okay, doch hätte man das Ganze stärker in den politischen Kontext stellen und zumindest ein paar Hintergrundinfos zu Lombard, Manuskriptum & Co. geben sollen.


H.Georg Eiker

H.Georg Eiker

Eiker - Coaching & Strategische Politikberatung - Medientraining
Inhaber

08.09.2017
!

Geehrte Kressinterviewer,
1.Ich empfehle Ihnen zur "Horizonterweiterung" Prof. David Engels' Buch "Auf dem Weg ins Imperium" über die Historischen Parallelen der Entwicklung der EU und der Römischen Republik.
2. Es ist doch bereichernd, wenn neben den "Main-Stream-Medien" mit ihren selektiven Wahrnehmungsrastern und kognitiven Dissonanz-Strategien (Motto:..das nicht sein kann, was nicht sein darf..s.Ch.Morgenstern 'Galgenlieder') ein interessantes neues Magazin erscheint.
H.Georg Eiker 8.9.17


Dr.Ulrich Brötzmann

09.09.2017
!

Das neue Magazin Cato ist mir noch nicht bekannt. Vielleicht ähnelt es Tichys Einblicke,für die Interessante Autoren schreiben. Das Problem sämtlicher dt. Medien ist das "Weglassen" ,das " Ausblenden". Es soll eine Meinungsdiktatur entstehen ,in deren Rahmen man sich bewegen darf. Andere haben keine Chancen : der Kulurzeitredakteur von 3Sat interviewte Nida- Rümelin zu seinem neuen Buch.Er war völlig überrrascht über die Antworten,weil sie nicht so 3Satgemäß ausfielen. Darum geht es.


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