Helmut Kohl: Die besondere Rolle des Bundeskanzleramts

26.09.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Dritter Teil der großen kress.de-Serie.

Helmut Kohl wies dem Bundeskanzleramt bis zu seiner Abwahl 1998 eine herausgehobene Sonderrolle in Sachen Medienarbeit zu, die es in dieser Form vor und nach ihm nicht mehr gegeben hat. Ackermann hatte seine Büros auf dem Flur des Kanzlers und jederzeit Zugang zum Regierungschef. Der Regierungssprecher saß demgegenüber in der Welckerstraße und damit räumlich von Kohl getrennt. 

Die Sonderrolle des Bundeskanzleramtes wurde nach der Pensionierung Ackermanns 1995 beibehalten und sogar weiter ausgebaut. Ackermanns Nachfolger Andreas Fritzenkötter bekam den Teil der alten Abteilung, zu dessen Aufgabenbereich die PR gehörte, als neue Stabsabteilung für Öffentlichkeitsarbeit und Medienpolitik zugewiesen. 

Diese maßgeschneiderte Abteilung war wie Kohls persönliches Büro nicht dem Chef des Kanzleramtes, sondern dem Bundeskanzler persönlich unterstellt. Durchdiese unmittelbare Anbindung wurde Fritzenkötter auch formell mehr Macht und Gewicht innerhalb der Verwaltungshierarchie verliehen als dem Regierungssprecher. Fritzenkötter erfüllte nun faktisch die Funktion eines "persönlichen Sprechers“ des Bundeskanzlers. 

Dieser Schritt wurde auch von den Medien als einschneidend wahrgenommen: "Kohl macht mobil fürs Informationszeitalter", lautete zum Beispiel die Schlagzeile, die die „Zeit“ der Aufwertung Fritzenkötters widmete: "Damit sein Wort die richtige Wucht bekommt, hat sich der Kanzler seine Herolde direkt unterstellt. Kein Abteilungsleiter, kein Staatssekretär soll dem Chef des neuen Stabes dreinreden dürfen." 

Fritzenkötter war besonders in den letzten Jahren der Kohl-Regierung praktisch der einzig verbliebene konstante Faktor in der Medienbetreuung des Kanzlers.

Autor: Lars Rosumek

kress.de-Hinweis: "Die Kanzler und die Medien" heißt das Buch von Lars Rosumek aus dem Jahr 2007, aus dem kress.de in einer großen Serie das Porträt über Bundeskanzler Helmut Kohl, im Amt von 1982 bis 1998, veröffentlicht. Das Buch ist weiterhin als E-Book im Campus Verlag erhältlich.

 

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