Helmut Kohl: Der "Pate" und die Partei

28.09.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Fünfter Teil der großen kress.de-Serie.

Die Intensität der Beziehung Kohls zu seiner Partei ist im Vergleich zu den anderen Bundeskanzlern bislang unerreicht. Selbst Kohls großes Vorbild Konrad Adenauer hatte keine vergleichbar enge Bindung an die CDU. 

Kohl und die Partei gingen mit zunehmender Dauer eine symbiotische Verbindung ein. Die CDU war während der gesamten Kanzlerschaft Kohls die entscheidende Machtbasis, auf die er sich stützen konnte. Auch bei häufig äußerst schlechten Imagewerten konnte er auf dieses Machtreservoir jederzeit zurückgreifen. 

Kohl war trotz häufig sehr negativer Medienperformance ein erfolgreicher Kanzler, weil die stabile Machtbasis in seiner Partei mangelndes Mediengeschick ersetzte. 

Dies wäre in den USA mit ihren im Verhältnis zu Deutschland schwachen Parteistrukturen kaum vorstellbar. Damit ist Kohls Kanzlerschaft ein weiterer, wichtiger Beleg für die starken, von den Medien unabhängigen politischen Funktionsmechanismen in der Bundesrepublik. Die Politik in Deutschland kann nach wie vor unabhängig von Medien nach eigenen Mustern der Macht agieren, wenn bestimmte Konstellation wie zum Beispiel eine starke Machtbasis des Kanzlers in seiner eigenen Partei gegeben sind.

Autor: Lars Rosumek

kress.de-Hinweis: "Die Kanzler und die Medien" heißt das Buch von Lars Rosumek aus dem Jahr 2007, aus dem kress.de in einer großen Serie das Porträt über Bundeskanzler Helmut Kohl, im Amt von 1982 bis 1998, veröffentlicht. Das Buch ist weiterhin als E-Book im Campus Verlag erhältlich.

 

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