Helmut Kohl: Die Narben der frühen Jahre

10.10.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Teil 12 der großen kress.de-Serie.

Vieles von der aggressiven, bisweilen ins Boshafte abgleitenden Abwehrhaltung, die Kohl gegenüber Journalisten während der CDU-Spendenaffäre Anfang 2000 an den Tag legte, findet seinen Ursprung in den achtziger Jahren und dem öffentlichen Umgang mit ihm, der persönliche Verletzungen hervorgerufen hat, die bis heute nicht vernarbt sind. 

Die Medien machten Kohl in seinen ersten Kanzlerjahren zu ihrer beliebtesten Zielscheibe, die sie immer wieder lustvoll mit giftigen Pfeilen bewarfen. Sie prägten das Image des ungelenken, spießbürgerlichen Provinzlings aus der Pfalz. 

Kohl selbst bot durch sein offenkundiges Unvermögen, seine Politik und seine Person in den Medien überzeugend zu präsentieren, immer wieder breite Angriffsflächen für persönliche Herabsetzungen. Besonders seine Rhetorik war Anlass für Spott. Er neigte gegenüber Journalisten dazu, seine Politik in monotonen Monologen, in einer oft undeutlichen, vom pfälzischen Dialekt geprägten Sprache darzulegen. 

Auch unterliefen ihm immer wieder verunglückte Sprachbilder: "Was passiert, wenn die FDP auf Gedeih und Verderb mit der SPD ins Bett steigt, und zwar in einem so langen Prozess, dass es für uns anfängt, uninteressant zu werden, auf diesem Klavier überhaupt spielen zu wollen." 

Oder "Der Wind des Zeitgeistes ist nicht der Wind der Bevölkerung." 

Kohl leistete sich zudem gegenüber den Medien häufig unbedachte Äußerungen, die verdeutlichen, dass er – anders als Helmut Schmidt – die Technik des "Impression Managements", der Selbstdarstellung und Steuerung des Eindrucks, den er auf andere machte, keinesfalls beherrschte.

Autor: Lars Rosumek

kress.de-Hinweis: "Die Kanzler und die Medien" heißt das Buch von Lars Rosumek aus dem Jahr 2007, aus dem kress.de in einer großen Serie das Porträt über Bundeskanzler Helmut Kohl, im Amt von 1982 bis 1998, veröffentlicht. Das Buch ist weiterhin als E-Book im Campus Verlag erhältlich.

 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.