Helmut Kohl: Die große Silvesterschmach

11.10.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Teil 13 der großen kress.de-Serie.

Vor allem durch einen Fauxpas des Kanzleramtes wurden Kohls Präsentationsstil desavouiert und sein Image schwer beschädigt. Silvester 1986/87 wurde versehentlich die Rede des Vorjahres noch einmal ausgestrahlt und die richtige Ansprache erst nachträglich gesendet. Der Text und die Mimik und Gestik des Kanzlers waren bei beiden Reden praktisch identisch.

Dieser durch die Silvesterpanne offenkundig gewordene statische und monotone Stil war charakteristisch für Helmut Kohl. 

Bei öffentlichen Auftritten hielt er immer wieder die gleichen, schablonenartigen Reden, mit denen er eher darauf bedacht war, die Emotionen seines Publikums zu bedienen als auf tagesaktuelle Informationen einzugehen. Seine körperlich voluminöse Erscheinung verstärkte den sprachlichen Eindruck des Ungelenken. 

Die einfache, volkstümliche Sprache wurde besonders in der ersten Phase seiner Kanzlerschaft belächelt. Ein wiederholter Ausspruch war beispielsweise: "Die Hand, die segnet, wird zuerst gebissen." 

Die Meinungsführerschaft der teils spöttisch-persönlichen, teils politischen Angriffe gegen Kohl lag vor allem bei den Medien, die in der Vergangenheit die sozial-liberale Koalition gestützt hatten. Trotz dieses schlechten Images war Kohl offenbar lange Zeit resistent gegen jede Imageberatung.

Autor: Lars Rosumek

kress.de-Hinweis: "Die Kanzler und die Medien" heißt das Buch von Lars Rosumek aus dem Jahr 2007, aus dem kress.de in einer großen Serie das Porträt über Bundeskanzler Helmut Kohl, im Amt von 1982 bis 1998, veröffentlicht. Das Buch ist weiterhin als E-Book im Campus Verlag erhältlich.

 

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