Helmut Kohl: Das schlechte Image in der Öffentlichkeit

12.10.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Teil 14 der großen kress.de-Serie.

Für das negative, teilweise tragisch-komische Image Kohls waren jedoch nicht nur Äußerlichkeiten und persönliche Eigenheiten, sondern auch sein Regierungshandeln der ersten Jahre verantwortlich. 

Besonders die Jahre 1984 und 1985 entwickelten sich für den sechsten Kanzler der Bundesrepublik zu einer ausgesprochenen Malaise. 

Hierzu trugen sowohl innenpolitische Turbulenzen wie die Wörner-Kießling-Affäre um die angebliche Homosexualität des stellvertretenden NATO-Oberbefehlshabers und Viersternegenerals Günter Kießling oder der Vorschlag einer Amnestie für die Sünder der Parteispendenaffäre der achtziger Jahre – zu denen auch die CDU gehörte – als auch diverse Peinlichkeiten auf außenpolitischem Parkett bei. 

1989 war seine Popularität auf einem Tiefpunkt angelangt. Niemand rechnete mehr ernsthaft mit einer erneuten Wiederwahl. Auch innerparteilich formierte sich eine Fronde, die bereits für eine Ära nach Kohl Planungen anstellte.

Diese Situation änderte sich mit der deutschen Einheit schlagartig und verkehrte sich praktisch in ihr Gegenteil: Helmut Kohl entwickelte sich in den Tagen der friedlichen Revolution "vom Medientollpatsch zum Medienliebling". Erst jetzt erschien eine auf die Person Kohls zugeschnittene, medienwirksame Personalisierungsstrategie sinnvoll und hilfreich und wurde in den kommenden Jahren stark forciert.

Autor: Lars Rosumek

kress.de-Hinweis: "Die Kanzler und die Medien" heißt das Buch von Lars Rosumek aus dem Jahr 2007, aus dem kress.de in einer großen Serie das Porträt über Bundeskanzler Helmut Kohl, im Amt von 1982 bis 1998, veröffentlicht. Das Buch ist weiterhin als E-Book im Campus Verlag erhältlich.

 

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