Helmut Kohl: Imagewandel dank Privatfernsehen

13.10.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Teil 15 der großen kress.de-Serie.

Ein entscheidender Faktor des Imagewandels war die flächendeckende Etablierung des Privatfernsehens. Nicht zufällig fiel außerdem genau in die Phase des beginnenden Imagewandels Kohls der Beginn der Tätigkeit von Andreas Fritzenkötter, der vor allem für ein adäquates und durch das neue Medium begünstigtes Imagemanagement sorgte.

Seit dem Wendejahr 1989/1990 galt Kohl nun als "Kanzler der Einheit", der mit außenpolitischem Geschick die historische Chance zur Überwindung der nationalen Teilung nutzte. Nach der Wiedervereinigung kam dann als ein weiteres, imageprägendes Merkmal Kohls Vision der "zwei Vereinigungen" unter der Überschrift "Deutschland und Europa" hinzu. 

Kohl wurde in dieser letzten Phase seiner Kanzlerschaft vor allem auch als großer europäischer Staatsmann dargestellt, der bei den internationalen Staats- und Regierungschef hohe Reputation besaß. 

Durch seine ungewöhnlich lange Amtszeit als Kanzler kam außerdem – in Anlehnung an Bismarcks Prädikat des "eisernen Kanzlers" – mehr und mehr eine dritte Imagekomponente hinzu: der Nimbus des "ewigen Kanzlers". Ausgerechnet der bei Kohl verhasste "Spiegel", der den Kanzler bislang genussvoll zu demontieren suchte, titelte 1996 mit diesem Begriff. Es gab mittlerweile in Deutschland eine Generation von heranwachsenden Jugendlichen, die ihr ganzes Leben lang keinen anderen Kanzler als Helmut Kohl erlebt hatten.

Nach 1990 ist außerdem ein Stilwechsel Kohls zu beobachten, der unmittelbar an sein positiveres persönliches Image gebunden ist: Kohl regierte und agierte nun in einem präsidialeren Stil, als er dies noch in den achtziger Jahren tat. 

Ähnlich wie vor ihm bereits Adenauer und Brandt avancierte Kohl zu einer politischen Institution mit überparteilicher Bindekraft, obwohl er sich nie einer Outsider-Strategie bediente, sich also nicht gegen die CDU profilierte, sondern sie gleichsam verkörperte. Diese überparteiliche Komponente wirkte sich auch dahingehend aus, dass Kohl noch stärker als ohnehin Politik mit Personen und weniger mit der Gesamtpartei und den offiziellen Entscheidungsinstanzen betrieb. 

Der Kanzler umgab sich besonders in den letzten Jahren seiner Amtszeit fast nur noch mit ihm gewogenen und vertrauten Menschen.

Autor: Lars Rosumek

kress.de-Hinweis: "Die Kanzler und die Medien" heißt das Buch von Lars Rosumek aus dem Jahr 2007, aus dem kress.de in einer großen Serie das Porträt über Bundeskanzler Helmut Kohl, im Amt von 1982 bis 1998, veröffentlicht. Das Buch ist weiterhin als E-Book im Campus Verlag erhältlich.

 

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