Helmut Kohl: Die wundersame Verwandlung

16.10.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Teil 16 der großen kress.de-Serie.

Kohls scheinbar wundersame Verwandlung kam nicht von ungefähr. Dem Anstieg seiner persönlichen Image- und Umfragewerte ging ein klar erkennbarer Umschwung in der Berichterstattung über ihn voraus, der sich quer durch alle Formate und politischen Leitlinien der Redaktionen vollzog. 

Die Meinungsführerrolle lag – wie bereits beim Negativimage früherer Jahre – beim „Spiegel“. All das, was Journalisten an Kohl in der ersten Phase auszusetzen hatten, fand jetzt positiven Anklang. Es ist seinen Managern der öffentlichen Meinung seit Anfang der neunziger Jahren gelungen, Kohls Imageattribute mit einem positiven "Spin" zu versehen und Nachteile in Vorteile zu verkehren: Seine Volkstümlichkeit und bodenständige Art wurde nun als Charakteristikum eines "normal" gebliebenen, authentischen Menschen interpretiert, der besonders die "einfachen Leute" ansprach. 

Dieser "Spin" entsprach Fritzenkötters Rat und ist wohl auch mit auf seine Arbeit zurückzuführen: Kohl sollte sich bewusst zu Provinzialität und einfacher Sprache bekennen und  als "Volkskanzler" agieren, der vor allem über das Fernsehen mit den Menschen kommunizierte.

Autor: Lars Rosumek

kress.de-Hinweis: "Die Kanzler und die Medien" heißt das Buch von Lars Rosumek aus dem Jahr 2007, aus dem kress.de in einer großen Serie das Porträt über Bundeskanzler Helmut Kohl, im Amt von 1982 bis 1998, veröffentlicht. Das Buch ist weiterhin als E-Book im Campus Verlag erhältlich.

 

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