Helmut Kohl: Der Weg in die Talkshows

23.10.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Teil 21 der großen kress.de-Serie.

Eine wichtige Neuerung war der beginnende Siegeszug der Talkshow. 

Ein derartiges Format, in dem sich Politiker in lockerer Atmosphäre mit prominenten Sidekicks im Plauderton, angeleitet durch einen Moderator, unterhielten, hatte es vorher in Deutschland nicht gegeben. Vor allem die Talksendung "Live" im ZDF ebnete den Weg für die heute fast schon virulent grassierende "Talkeritis" auf allen Sendern und in allen erdenklichen Formen.

Trotz einer erkennbaren Ausweitung des Angebotes an politischen Fernsehformaten veränderten die neuen Privatsender zunächst allerdings wenig an den seit Mitte der siebziger Jahre erprobten Interaktionen von Politik und Fernsehen. 

Dies liegt sicherlich auch daran, dass die Privaten anfangs kaum über Kompetenzen in der Politikberichterstattung verfügten. 

Nach 1990 kann dann allerdings von einer neuen Ära gesprochen werden. Die Privatsender entwickelten eine immer stärkere eigene politische Expertise. Dies führte zu einer sprunghaften Ausweitung der Präsenz von Politikern im Fernsehen, gerade auch in Unterhaltungsformaten mit politischem Anspruch. 

Auch die Hinwendung Kohls zum Medium Fernsehen fand vor allem über und mit starker Hilfe des Privatfernsehens statt. Seit Öffnung der Mauer war er praktisch permanent im Fernsehen präsent. Die Fernsehöffentlichkeitsarbeit Kohls wurde komplett aus dem Kanzleramt und nicht etwa aus dem Bundespresseamt oder dem Konrad-Adenauer-Haus gesteuert. Die zentrale Figur dabei war ab Mitte der neunziger Jahre Andreas Fritzenkötter, der über exzellente Kontakte zu diesen neuen Medien verfügte.

 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.