Helmut Kohl: Persönliche Anekdoten im Vordergrund

26.10.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Teil 24 der großen kress.de-Serie.

Im Februar 1994 fand die Sendung "Gefragt" auf RTL statt. 

Das Konzept hatte wiederum Andreas Fritzenkötter entwickelt. Auch hier war mit dem "Talkkönig" Hans Meiser ein Boulevardjournalist ohne politische Expertise als Moderator im Einsatz. Und auch in diesem Format standen persönliche Anekdoten von Helmut Kohl im Vordergrund. 

Neben Meiser durfte das Publikum im Studio Fragen stellen. Fritzenkötter legt in seinen Ausführungen dar, dass Kohl diesem Konzept zunächst äußerst ablehnend gegenüberstand, sich dann nach einem heftigen Streit aber schließlich doch überreden ließ. 

Es ist erstaunlich, dass sich ausgerechnet der ansonsten gegen Imageberatung resistente Kohl auf ein derartiges – auch für medienaffinere Politiker nicht unriskantes – Unterfangen einließ. Laut Fritzenkötter erreichte die Sendung ca. sechs Millionen Zuschauer. Derartige "Town Hall Meetings", in denen das Zuschauerpublikum Fragen live an die Kandidaten stellen kann, sind in den USA und Großbritannien bereits seit längerer Zeit etabliert und ausgesprochen beliebt.

Kohl war außerdem der erste Kanzler, der Fußballereignisse als Massenmagnete in seine Fernsehstrategie mit einbezog: "Fußball als Massenphänomen ist ein ideales Werkzeug für symbolische Politik.“

Zur Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft 1994 flog Kohl mit 80 persönlichen Gästen in die USA. Gesponsert wurde sein Auftritt beim Eröffnungsspiel des amtierenden Weltmeisters Deutschland von Sat.1. 

Anlässlich der Europameisterschaft 1996 war Kohl bei zwei Spielübertragungen Gast im ARD-Studio und analysierte das deutsche Spiel. Nach dem Endspiel erlebten ihn so über 28 Millionen Zuschauer.

Autor: Lars Rosumek

kress.de-Hinweis: "Die Kanzler und die Medien" heißt das Buch von Lars Rosumek aus dem Jahr 2007, aus dem kress.de in einer großen Serie das Porträt über Bundeskanzler Helmut Kohl, im Amt von 1982 bis 1998, veröffentlicht. Das Buch ist weiterhin als E-Book im Campus Verlag erhältlich.

 

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