Helmut Kohl: Der Einsatz von externen Medienberatern

01.11.2017
 
 

Wie kaum ein anderer Bundeskanzler vor ihm urteilte wohl niemand so hart über Journalisten wie der am 16. Juni 2017 verstorbene Helmut Kohl. Warum war er fast allen Medien so abgeneigt? Wie hat er das Land geprägt und die politische Kommunikation verändert? Und: wie war sein Verhältnis zu den Medien wirklich? Teil 27 der großen kress.de-Serie.

In punkto Demoskopie vertraute Kohl weiterhin auf das seit der Adenauer-Ära für die CDU tätige Allensbach-Institut. Elisabeth Noelle-Neumann gehörte zu seinem Beraterkreis, ihr Institut blieb das "Hausinstitut" der Union. 

Auffälliger als bei anderen Kanzlern treten bei Kohl allerdings bereits seit den siebziger Jahren immer wieder externe Medienberater auf den Plan, die weder zur Partei- und Regierungsbürokratie gehörten noch traditionell mit der CDU verbandelt waren. 

Bereits 1974 engagierte Kohl mit Gerd Bacher einen erfahrenen Fernsehjournalisten. Bacher zeichnete verantwortlich für die persönliche Imagepflege Kohls und bekam hierfür ein eigenes Büro im Konrad-Adenauer-Haus. 

Er fungierte mit ähnlicher Aufgabenstellung dann noch einmal 1987 und 1994. Im gleichen Jahr bezog Kohl seinen vormaligen Regierungssprecher Peter Boenisch aufgrund von dessen engen, teils auch vertraglichen Kontakten zum Privatfernsehen als Medienberater in den Wahlkampf ein.

Die Einrichtung einer eigenen Abteilung für Medienarbeit 1995 im Kanzleramt nach der Pensionierung Ackermanns kann als ein Indiz für die wachsende Institutionalisierung des Bereichs Medienberatung innerhalb der Exekutivbürokratie verstanden werden. Sie entspricht dem in Deutschland erkennbaren Trend zu einer nichtgewerblichen Professionalisierung dieses Sektors. Dies ist in den USA vollkommen anders.

Hier ist politische Medien- und PR-Beratung von Beginn an ein stetig expandierendes und sich ausdifferenzierendes Gewerbe gewesen.

Autor: Lars Rosumek

kress.de-Hinweis: "Die Kanzler und die Medien" heißt das Buch von Lars Rosumek aus dem Jahr 2007, aus dem kress.de in einer großen Serie das Porträt über Bundeskanzler Helmut Kohl, im Amt von 1982 bis 1998, veröffentlicht. Das Buch ist weiterhin als E-Book im Campus Verlag erhältlich.

 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.