Chefredakteur Tobias Lobe: "Stars gehen nicht immer fair mit Medien um"

 

In der Nische zum Erfolg: Seit fünf Jahren kümmert sich die Nachrichtenagentur Spot on News von München aus um Stars und Sternchen. Chefredakteur und Vorstand Tobias Lobe spricht am kress.de-Telefon über Til Schweiger, das schwierige People-Geschäft, Journalismus in der Nische und kreative Geschäftsmodelle.

kress.de: Herr Lobe, erst vergangene Woche behauptete Til Schweiger in der "Rheinischen Post", dass er von Medien unfair behandelt wird. Gehen Journalisten unfair mit Stars um?

Tobias Lobe: Das mag vereinzelt sein. Ich kann nur für uns sprechen: Wir gehen äußerst fair mit Prominenten um, weshalb es auch kaum Stars gibt, die uns nicht regelmäßig Interviews geben. 

kress.de: Aber gehört es nicht zum Journalismus, auch Prominente kritisch zu hinterfragen?

Tobias Lobe: Selbstverständlich. Das ist das Salz in der Suppe. Bleiben wir bei Til Schweiger. Er hatte ja einst öffentlichkeitswirksam angekündigt, ein Flüchtlingsheim bauen zu wollen. Wir hatten von vornherein Zweifel daran, dass er das Projekt realisieren kann und deckten später exklusiv auf, dass die Pläne gescheitert waren. Das ist normaler Journalismus. Einige, insbesondere deutsche, Promis können es aber nicht ertragen, wenn auch mal Unliebsames über sie berichtet wird. Sie versuchen dann wegen zum Teil atemberaubend lächerlicher Details Journalisten mit ihren Anwälten einzuschüchtern oder abzukassieren. Insofern würde ich eher sagen: Stars gehen mit Medien nicht immer fair um. 

kress.de: Was muss ein Journalist können, wenn er im People-Geschäft arbeiten möchte?

Tobias Lobe: Natürlich muss er neugierig sein und sich für Menschen interessieren. Viel wichtiger aber ist, dass er Stars nicht aus der Frosch-, sondern aus der Vogelperspektive betrachtet. Persönlichkeiten analysieren, sich Gedanken über ihren Werdegang machen, historische Vergleiche herstellen können, nachfragen - das sind Fähigkeiten, die ein Redakteur bei spot on news braucht. Das tägliche Newsgeschehen mit seinen Skurrilitäten, Albernheiten und Skandalen abzubilden, das ist die eine Sache. Der Ehrgeiz eines People-Redakteurs sollte jedoch daran hängen, immer ein bisschen auf die Meta-Ebene zu gehen, eine Haltung einzunehmen, den Usern Stars und ihre Welt zu erklären. Die Mühe lohnt sich, auch im Digital Publishing. Das sehen wir täglich an den Zugriffszahlen. 

kress.de: spot on news haben Sie 2012, in der Hochzeit des Redaktionssterbens, gegründet. Wie kommt man auf die Idee, ausgerechnet eine Nachrichtenagentur für bunte Themen zu gründen?

Tobias Lobe: Ich wollte nach knapp 20 Jahren als angestellter Redakteur wieder ein eigenes Unternehmen gründen. Zwei Verlage hatten mir signalisiert, dass sie an so einem Dienst großes Interesse hätten. Durch glückliche Umstände fand ich recht schnell ein flexibles und hoch motiviertes Team. So hat es von der Idee bis zum Start nur sechs Wochen gedauert.   

kress.de: Sie beliefern bereits viele große Online-Medien mit Inhalten. Aber nicht alle zahlen für Ihre Berichte.

Tobias Lobe: Sie zahlen auf eine andere Art, indem sie uns Vermarktungsflächen überlassen. Das hat sich kurz nach dem Start aus einer Art Trotzreaktion ergeben. Interesse an unserem Dienst war zwar vorhanden, aber die Zahlungsbereitschaft der Verlage war - gelinde gesagt - moderat. Immer wieder hörten wir das Argument "Wir verdienen ja selbst mit unseren Bannern kaum Geld im Internet". Dann haben wir gesagt: O.k., dann liefern wir eben nicht nur guten Content sondern auch gleich Erlösmodelle dazu. Und zwar solche, die den User nicht nerven, sondern ihm einen Mehrwert und dem Publisher zusätzliche Erlöse bieten. Wir haben also aus der Not eine Tugend gemacht.

kress.de: Und mit einem solchen Modell kann eine Nachrichtenagentur tatsächlich bestehen?

Tobias Lobe: Ja, wir waren bereits ab 2014 operativ profitabel und sind ein kerngesundes Unternehmen mit mittlerweile 45 Mitarbeitern. In dem Maße, indem wir uns als feste Größe in der deutschen Medienlandschaft etabliert haben, zahlt mittlerweile der Großteil der Publisher gutes Geld. Unsere Trotzreaktion hat sich zudem als Glücksfall erwiesen: Denn daraus hat sich unsere Tochter Airmotion Media als verlagsunabhängiger Vermarkter entwickelt. Im Bereich Native Advertising/Advertorials entstand so ein eigenständiger, spezialisierter Geschäftsbereich. Die Airmotion Media vermarktet mittlerweile - unabhängig von spot on news - zahlreiche Publisher und nutzt dabei ihre redaktionelle Expertise.

kress.de: Was sind die Pläne für die Zukunft? Wie wollen Sie wachsen?

Tobias Lobe: Wir wachsen stark über individuelle redaktionelle Dienstleistungen. Hierbei kommt uns zugute, dass es nur wenige unabhängige Redaktionen gibt, die jeden Tag im Jahr von 6 bis 24 Uhr einen Newsroom unterhalten. Wir werden auch weiter über Geschäftsmodelle wachsen, die die User Experience beim Konsum journalistischer Inhalte verbessern und dabei helfen, Geld zu verdienen. Ich finde übrigens: Es darf kein Tabu für Journalisten sein, kreativ daran mitzuwirken, dass sich die Erlöse für journalistische Inhalte im Netz verbessern. 

kress.de: Und was ist mit Video?

Tobias Lobe: Wir haben gerade die Produktion verdoppelt und werden mit Videos noch mal deutlich wachsen. Seit Anfang des Monats liefern wir bereits zu jedem geschriebenen Artikel ein passendes Video aus unserem Haus. Publisher können diese einbinden und so die Attraktivität ihres Angebots und ihre Erlöse erhöhen.  

kress.de: Mir fällt immer wieder auf, dass Schauspieler und Sänger direkt mit ihren Fans kommunizieren. Wie schwer macht das die Arbeit für People-Journalisten, die ja auch auf exklusive Zugänge und News angewiesen sind?

Tobias Lobe: Zunächst mal sind das doch gute und willkommene Quellen für Geschichten. Sie sorgen für ein munteres Grundrauschen. Aber letztlich sind die meisten Tweets und Posts PR-Maßnahmen. Sie ersetzen weder die Recherche noch die Begegnung vor Ort. Wir setzen daher weiter darauf, eigene Inhalte zu recherchieren. 

kress.de: Insgesamt scheint sich für mich der People-Journalismus aber geändert zu haben. Waren es früher echte Stars, die durch ihr Können in die Blätter gehievt wurden, sind es heute vor allem Fernseh-Promis, die in Reality-Shows ihre vermeintlich wahre Seite präsentieren. Wer bringt im Netz denn mehr Reichweite?

Tobias Lobe: Das Netz ist insgesamt etwas jünger, von daher funktionieren solche Promis, über die wir natürlich auch berichten, mitunter besser. 

kress.de: Heißt das, dass sich für erfahrene Schauspieler weniger Menschen interessieren?

Tobias Lobe: Ja, das ist so. Aber wir interviewen unbeirrt auch weiter Prominente, die sich ihren Ruhm durch Leistung erarbeitet haben. Für unsere Kunden muss der Mix stimmen. 

Mit Tobias Lobe, Vorstand und Chefredakteur von der Nachrichtenagentur "Spot on news", sprach kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

Hintergrund: Die People-Nachrichtenagentur Spot on News nahm am 24. September 2012 offiziell ihren Betrieb auf, damals noch als Schwesterunternehmen der Nachrichtenagentur dapd. Gründer ist Vorstand und Chefredakteur Tobias Lobe. Die Agentur hat ihren Sitz in München. Täglich erscheinen nach Unternehmensangaben über 40 Artikel zu den Bereichen People, Kino, TV, Lifestyle, Buch, Musik, Digital, Auto und Reisen - das sind seit Bestehen über 63.357 Artikel. In den fünf Jahren hat Spot on News außerdem 20 Volontäre ausgebildet. Ein Geburtstagsvideo mit Gratulationen von Promis gibt es hier.

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