"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum ZDF-Werbechef Hans-Joachim Strauch mit Uli Hoeneß mittagessen möchte

 

Eben erst hat er seine alljährliche Agenturrunde in den großen Media-Städten Deutschlands beendet und dabei kräftig für Spot-Buchungen im Werberahmenprogramm bei den ZDF-Olympia- und den Fußball-WM-Übertragungen getrommelt. Die Preise möchte Hans-Joachim Strauch dabei stabil halten - auch wenn er sich über die teure RTL-Konkurrenz ärgert. Im kressköpfe-Interview verrät er, wie er seine Netzwerke knüpft.

kress.de: Herr Strauch, Sie steuern auf ein Supersportjahr mit Olympischen Spielen und der Fußball-WM in Russland zu. In wie weit kommt Weihnachtsfreude beim ZDF-Werberfernsehen jetzt schon deutlich früher im Jahr auf?

Hans-Joachim Strauch: Wir freuen uns sehr. Das wird ein Fest für unsere Werbekunden. So viele Spiele wie noch nie fallen in das Werberahmenprogramm. Bei Dreiviertel aller Spiele können wir im direkten Umfeld Werbung anbieten.

kress.de: Die Fußball-WM steht unter großer internationaler Beobachtung – auch mit vielen kritischen Stimmen im Vorfeld. Fürchten Sie, dass die deutschen Fans diesmal etwas zurückhaltender bei den von Ihnen übertragenen Spielen einschalten werden? 

Hans-Joachim Strauch: Nein. Die Erfahrungen der letzten Spiele der U21-Nationalmannschaft und der Frauen-Nationalmannschaft zeigen: Unabhängig davon welches Fußball-Event gezeigt wird, sobald der Ball live in Bewegung ist, geht es voran.

kress.de: Das ZDF hat für die Russland-WM-Berichterstattung im Vorfeld schon beschlossen, deutlich weniger vor Ort präsent zu sein. In wie weit schmälert das die Illusion, möglichst nah dran am Geschehen und an den Mannschaften zu sein?

Hans-Joachim Strauch: Die Reporter und das Team sind wie immer live vor Ort in den Stadien und somit auch dieses Mal wieder ganz nah dran. Nur das WM-Studio ist nicht in Russland. Das Moderatorenteam arbeitet von Baden-Baden aus. Das bietet logistische Vorteile und einen gewissen Abstand. Die Bilder, Kommentare und O-Töne kommen aber selbstverständlich wie üblich aus den Stadien.

kress.de: Auch bei früheren Sport-Großereignissen hat sich gezeigt, dass sich für Sie nicht alle Partien wie geschnitten Brot vermarkten lassen – trotz guter Quoten. Wie schwer ist es, Werbebuchungen für nicht-deutsche Partien etwa in der Vorrunde zu finden? 

Hans-Joachim Strauch: Bei der WM 2014 war die Vermarktung der Nicht-Deutschen-Spiele noch eine Herausforderung. Und das – wie Sie sagen – trotz starker Leistungswerte, die im Grunde genommen keinen Deutungsspielraum zulassen. Denken Sie an das Spiel Elfenbeinküste gegen Kolumbien bei der Fußball-WM 2014, Anpfiff Donnerstag, 18:00 Uhr, das live im ZDF übertragen wurde. Das Spiel hatte 10 Mio Zuschauer und in der Zielgruppe Männer 20 - 59 Jahre einen TKP von 40 Euro. Das bedeutet 1 Mio Zuschauer mehr als RTL beim Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Norwegen am 4.9.2017 in der sogenannten Primetime. Und im TKP waren wir in dieser Zielgruppe um mehr als die Hälfte günstiger. Soweit das im Markt angekommen ist, sind wir für die kommende WM zuversichtlich.

kress.de: Stichwort: Winterspiele in Pyeongchang. Die Einigung mit Eurosport bei den Olympischen Spielen war eine schwere Geburt und kam erst im zweiten Anlauf zustande. Wie schwer ist es, für die von Ihnen zu vermarktenden Werbeplätze ausreichend Vertrauen bei den Werbungtreibenden aufzubauen?

Hans-Joachim Strauch: Das Event steht im Vordergrund. Wir sind im Markt als verlässlicher, vertrauensvoller Partner bekannt. Insofern sehe ich hier keine Notwendigkeit, Vertrauen aufbauen zu müssen.

kress.de: Wie wichtig war es für das öffentlich-rechtliche Selbstverständnis, dass Olympia nicht gänzlich zu einem Privatsender abwandert?

Hans-Joachim Strauch: Sport gehört zur Grundversorgung. Ich denke, damit ist alles gesagt.

kress.de: Nachdem jetzt so viele Budget-Entscheidungen anstehen: Wie stark werden Sie die Werbepreise für das nächste Jahr im Durchschnitt erhöhen? Wie stark verteuern sich Olympia und Fußball-WM?

Hans-Joachim Strauch: Im Vergleich zu vergleichbaren Events bleiben die Preise stabil.

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene bisherige Karriere zurückblicken, aber auch die umfangreichen persönlichen Branchenkontakte: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft beim Tagesgeschäft am meisten?

Hans-Joachim Strauch: Ich kann das an keiner einzelnen Station fest machen. Ich glaube, dass es mir sehr geholfen hat, dass ich verschiedene Seiten der Branche kennen gelernt habe. Ich habe in der Marktforschung gearbeitet, bei verschiedenen Media-Agenturen und auf Vermarkter-Seite. Wenn ich eine Station herausgreifen müsste, würde ich sagen, dass die Zeit bei D'Arcy Masius Benton & Bowles als Mediadirektor mich sehr weitergebracht hat. Dort war ich als Key-Accounter unter anderem für Procter & Gamble zuständig, den damals größten Media-Spender in Deutschland.

kress.de: Mehrere Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten, erfordert Kraft, Geschicklichkeit und einen beweglichen Geist – nicht nur beim Fußball: Wie halten Sie sich für anstrengende Verhandlungsrunden eigentlich fit und wie laden Sie Ihre Batterien auf?

Hans-Joachim Strauch: Meine Familie und insbesondere meine sechsjährigeTochter fordern und fördern mich in einem sehr positiven Sinne. Sie geben mir Kraft und Energie.

kress.de: Sie haben seit längerem ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Hans-Joachim Strauch: Inwieweit Marktpartner über das Profil bei "kressköpfe" auf mich aufmerksam geworden sind, kann ich schwer beurteilen. Bislang hat sich niemand bei mir gemeldet und explizit darauf verwiesen.

kress.de: Mit welchem Geschäfts- oder Kooperationspartnern, Querdenkern oder Kreativköpfe würden Sie sich – idealerweise über die "kressköpfe" – gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Hans-Joachim Strauch: Spannend fände ich einen Mittagstermin mit Uli Hoeneß. Er ist sicherlich ein sehr interessanter Gesprächspartner. Gerade auch mit Blick auf die kommende Fußball-WM.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Hans-Joachim Strauch: Ich finde vor allem die Geschichten über Lebenswege anderer Akteure aus der Branche hochinteressant. Die lese ich bei kress sehr gerne.

kress.de-Tipp: Sie arbeiten in der Medien- und Kommunikationsbranche? Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.de und legen in der Personen-Datenbank "Köpfe" ein Profil an. Ihren Köpfe-Eintrag können Sie mit einem Passwort bequem selbst pflegen und aktualisieren. Mit Ihrem Profil können Sie sich auf kress.de - beispielsweise mit Kommentaren - präsentieren und sind zudem - wenn gewollt - auch im Netz leicht auffindbar. Wir als Redaktion verknüpfen die Kopf-Profile mit Personalmeldungen und präsentieren am Wochenende die populärsten Köpfe der Woche.  

Alle Neuzugänge bei den "Köpfen" finden Sie hier.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.