Zitate-Ranking: "Bild" größter Verlierer, "Die Zeit" holt kräftig auf

 

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Chefredakteur: Klaus Brinkbäumer, Foto) führt das Zitate-Ranking in den ersten neun Monaten weiterhin an. Einzig die "Zeit" legt aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu; die Investition in den Bereich Investigative Recherche scheint zu fruchten. Das geht aus dem Zitate-Ranking von Media Tenor hervor, das kress.de vorliegt.

Zwei Erkenntnisse aus der neuen Studie: Im Vergleich zum Vorjahr verlieren die Printtitel an Einfluss. Zudem sind die Spitzenreiter 2017 nicht mehr so eng beieinander wie noch 2016: Der "Spiegel" wird zwischen Januar und September deutlich intensiver zitiert als die "Bild"-Zeitung. Auch zwischen "Bild am Sonntag" und "Süddeutsche Zeitung" ist der Abstand inzwischen wieder größer.

"Die deutschen Meinungsführer-Medien haben das Wahljahr 2017 nicht genutzt, um ihre Themenführerschaft auf bestimmten Gebieten unter Beweis zu stellen", erklärt Roland Schatz, Gründer und CEO von Media Tenor International. "Allerorten wird die Bedeutung von Digitalisierung beschworen, aber die deutschen Medien scheinen den Weckruf nicht gehört zu haben, denn exklusive Informationen oder Interviews zur IT-Branche, die sich zu zitieren lohnen, sind hierzulande Mangelware. Mit dem "Manager Magazin" ist ausgerechnet ein Monatsmedium meistzitierter deutscher Titel, das "Handelsblatt" als einzige deutsche Wirtschaftszeitung von Format sucht man vergeblich unter den Top 15 zitierten Medien zur Branche."

Die "Bild" bleibt zwar bei Themen wie Innere Sicherheit, Flüchtlings- und Asylpolitik sowie in außenpolitischen Fragen, insbesondere zum Türkei-Konflikt, tonangebend, insgesamt ist "Bild" 2017 aber größter Verlierer im Zitate-Ranking. Bei vielen innenpolitischen Themen wir Steuer- oder Rentenpolitik, Sozialstaatsthemen oder Infrastruktur konnte die "Bild" ihre Agenda Setting-Qualitäten nicht mehr so erfolgreich unter Beweis stellen.

Der "Spiegel" auf der anderen Seite hat sein Standing in außenpolitischen Fragen verspielt. Bis 2014 war der "Spiegel" in der deutschen Medienlandschaft klarer Meinungsführer zu außenpolitischen Debatten.

Während die überregionalen Titel Wirkungsmacht einbüßen, halten sich Regionalredaktionen wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland oder die Funke Mediengruppe sowie einzelne Regionalzeitungen wie "Tagesspiegel" und "Rheinische Post" gut.

Die Top 20 der meistzitierten Medien in den ersten neun Monaten 2017:

1. "Der Spiegel" (Chefredakteur: Klaus Brinkbäumer; Stellvertretende Chefredakteure: Susanne Beyer, Dirk Kurbjuweit, Alfred Weinzierl). 864 Zitate.

2. "Bild"-Zeitung (Vorsitzender der Chefredaktionen und Chefredakteur Digital: Julian Reichelt; Chefredakteurin Print: Tanit Koch; Chefredakteur für digitale Entwicklungsprojekte: Manfred Hart; Stellvertreter der Chefredakteure: Daniel Böcking (Digital), Matthias Brügelmann (Print), Ulrike Zeitlinger-Haake (Print); Chefredaktion: Nikolaus Blome, Martin Brand, Martin Heidemanns, Florian von Heintze, Bettina Kochheim, Mandy Sachse, Wolf-Ulrich Schüler, Walter M. Straten). 776 Zitate.

3. "Bild am Sonntag" (Chefredakteurin: Marion Horn). 669 Zitate.

4. "New York Times" (Chefredakteur: Dean Baquet). 649 Zitate.

5. "Süddeutsche Zeitung" (Herausgeber: Johannes Friedmann, Albert Esslinger-Kiefer, Thomas Schaub, Christoph Schwingenstein; Chefredakteure: Kurt Kister, Wolfgang Krach; Mitglied der Chefredaktion, Innenpolitik: Heribert Prantl; Mitglied der Chefredaktion, Digitale Projekte: Stefan Plöchinger). 571 Zitate.

6. "The Washington Post" (Herausgeber: Fred Ryan; Chefredakteur: Martin Baron). 436 Zitate.

7. "Welt am Sonntag" (Herausgeber: Stefan Aust; Chefredakteure: Ulf Poschardt; Peter Huth; Stellvertreter des Chefredakteurs: Oliver Michalsky, Arne Teetz: Stellvertretende Chefredakteurin: Dagmar Rosenfeld). 381 Zitate.

7. "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Herausgeber: Werner D'Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler, Holger Steltzner). 381 Zitate.

9. "Handelsblatt" (Verleger: Dieter von Holtzbrinck; Herausgeber: Gabor Steingart; Chefredakteur: Sven Afhüppe; Stellvertretende Chefredakteure: Peter Brors, Thomas Tuma). 377 Zitate.

10. "Die Welt" (Herausgeber: Stefan Aust; Chefredakteur: Ulf Poschardt; Stellvertretende Chefredakteure: Peter Huth, Oliver Michalsky, Arne Teetz: Stellvertretende Chefredakteurin: Dagmar Rosenfeld). 330 Zitate.

11. "Wall Street Journal" (Herausgeber: William Lewis; Chefredakteur: Gerard Baker; Stellvertretender Chefredakteur: Matthew J. Murray). 290 Zitate.

12. NDR (Chefredakteur: Andreas Cichowicz). 287 Zitate.

13. "Der Tagesspiegel" (Verleger: Dieter von Holtzbrinck; Herausgeber: Giovanni di Lorenzo, Sebastian Turner; Chefredakteure: Stephan-Andreas Casdorff, Lorenz Maroldt). 285 Zitate.

14. "Rheinische Post" (Herausgeber: Karl Hans Arnold, Man­fred Droste, Flo­rian Merz-Betz, Irene Wen­de­roth-Alt; Chefredakteur: Michael Bröcker; Stellvertretende Chefredakteure: Horst Thoren, Stefan Weigel; Mitglied der Chefredaktion: Eva Quadbeck). 270 Zitate.

15. WDR (Chefredakteurin: Sonia Mikich). 266 Zitate.

16. CNN (Chefredakteurin: Meredith Artley). 244 Zitate.

17. "Die Zeit" (Herausgeberrat: Jutta Allmendinger, Danny Minton Beddoes, Florian Illies, Josef Joffe, René Obermann; Chefredakteur: Giovanni di Lorenzo; Stellvertretende Chefredakteure: Moritz Müller-Wirth, Sabine Rückert, Bernd Ulrich; Mitglieder der Chefredaktion: Malin Schulz, Holger Stark, Stefan Willeke). 240 Zitate.

18. ZDF (Chefredakteur: Peter Frey). 229 Zitate.

19. Redaktionsnetzwerk Deutschland (Chefredakteur: Wolfgang Büchner; Mitglieder der Chefredaktion: Rüdiger Ditz, Marco Fenske, Matthias Koch). 215 Zitate.

20. ARD (Chefredakteur: Rainald Becker). 212 Zitate.

Einordnung Roland Schatz: "So knapp wie 2016 sind die Spitzenreiter 2017 nicht mehr beieinander: "Der Spiegel" wird zwischen Januar und September deutlich intensiver zitiert als "Bild". Auch zwischen "Bild am Sonntag" und "Süddeutsche" ist der Abstand inzwischen wieder größer."

kress.de-Übersicht: Meistzitierten Medien zu unterschiedlichen Branchen

Innere Sicherheit / Spionage / Kriminalität

1. "Bild"

Einordnung Roland Schatz: "Innere Sicherheit bleibt mit Abstand das Top-Zitate-Thema 2017. Allerdings ist nicht mehr der "Spiegel" meistzitiert, sondern "Bild". Thematisch rücken Themen wie Spionage, Cyber-Kriminalität, Datensicherheit stärker in den Vordergrund."

Parteien/Parteipolitik

1. "Der Spiegel"

Einordnung Roland Schatz: "Der "Stern" hat sich 2017 deutlich häufiger als noch im Vorjahr zu parteipolitischen Themen ins Gespräch gebracht, allerdings wurden weniger exklusive Interviews oder Recherchen zitiert als vielmehr die vom "Stern" in Auftrag gegebenen Forsa-Umfragen zur Wahl."

Außenpolitik

1. "Bild"

Einordnung Roland Schatz: "In der Diskussion zum Streit mit Ankara hat sich "Bild" mit ihrer Berichterstattung viel Aufmerksamkeit verschafft, sei es mit dem offenen Brief von Außenminister Gabriel an die türkischen Mitbürger Mitte Juli oder Gabriels Warnung vor Türkei-Reisen Ende August."

Flüchtlinge/Asylpolitik

1. "Bild"

Einordnung Roland Schatz: "Medien-Zitate zur Flüchtlings- und Asylthematik haben sich im Laufe von 2017 abgeschwächt, bevor sie im August und September in der heißen Phase des Bundestagswahl-kampfes dann wieder an Bedeutung gewonnen haben."

EU-Politik

1. "Frankfurter Allgemeine Zeitung"

Einordnung Roland Schatz: "Der Brexit bestimmt in den Medien-Zitaten weiter die Debatte zu EU politischen Themen, die deutschen Leitmedien orientieren sich an den britischen Medien. Die "FAZ" kann hier auf deutscher Seite noch am ehesten Akzente setzen."

Automobil

1. "Bild am Sonntag"

Einordnung Roland Schatz: "Das "Handelsblatt" verliert weiter an Boden im Ringen um Aufmerksamkeit zur Automobilbranche. Die "Bild am Sonntag" bleibt hier das Maß der Dinge, der "Spiegel" holt im dritten Quartal auf, insbesondere mit seinen Recherchen zum Kartellvorwurf der Autobranche."

Verkehr/Bahn/Flug

1. "Bild am Sonntag"

Einordnung Roland Schatz: "Die Insolvenz von Air Berlin und die Frage nach der Zukunft der Fluggesellschaft war das Top-Zitate-Thema im dritten Quartal zu Unternehmen. Die "Bild am Sonntag" hat sich hier besonders hervorgetan mit ihren Nachforschungen."

Banken

1. "Handelsblatt"

Einordnung Roland Schatz: "Nachdem nach dem ersten Halbjahr die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" meistzitiert zur Bankenbranche war, haben sich im dritten Quartal "Handelsblatt" und "Wirtschaftswoche" stärker hervorgetan mit exklusiven Informationen und Interviews zum Sektor."

E-Technik / IT

1. "Wall Street Journal"

Einordnung Roland Schatz: "Mit dem "Manager Magazin" ist ein Monatsmagazin wichtigstes deutsches Medium zur IT-Branche - allerdings deutlich hinter US-Titeln wie "Wall Street Journal" und "New York Times". Das "Handelsblatt" sucht man vergeblich unter den Top 15 Medien."

Hintergrund: Die Auswertung

Insgesamt haben die Analysten um Roland Schatz in den ersten neun Monaten 2017 in den Politik- und Wirtschaftsteilen der 40 deutschen Meinungsführermedien 18.848 Zitate (Vorjahr: 19.648 Zitate) ausgewertet. Jeder Artikel wird von den Analysten gelesen und jedes Zitat auf seine Relevanz geprüft, zudem überprüfen sie, ob eine inhaltliche Recherche-Leistung mit dem Zitat verknüpft ist und Nachrichten transportiert werden oder nicht.

Untersucht wurden "Berliner Zeitung", "Bild", "Die Welt", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "Leipziger Volkszeitung", "Süddeutsche Zeitung", "taz", "Tagesspiegel", ARD Tagesschau und Tagesthemen, ZDF Heute und Heute Journal, Bericht aus Berlin, Berlin direkt, Fakt, Frontal 21, Kontraste, Monitor, Panorama, Plusminus, Report (BR), Report (SWR), Börse im Ersten, "Die Zeit", "Focus", "Spiegel", "Stern", "Super Illu", "Brand Eins", "Bild am Sonntag", "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", "Welt am Sonntag", "Handelsblatt", "Wirtschaftswoche", "Capital", "Manager Magazin" sowie die 7-Uhr-Nachrichten vom Deutschlandfunk. Bei Printmedien wird der Politik- und Wirtschaftsteil ausgewertet. TV- und Hörfunksendungen werden vollständig erfasst, ebenfalls das "Handelsblatt".

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