Wie Social Media Bücher verkauft

09.10.2017
 

Der Verlag CE Community Editions bringt seit diesem Jahr Bücher von Social-Media-Influencern auf den Markt. Die Bekanntheit der Autoren sorgt für hohe Auflagen in der jungen Zielgruppe.

Die Idee ist so simpel, dass man sich fragt, warum sie nicht schon andere umgesetzt haben. Zwei Verlage gründen zusammen mit einem gut vernetzten Youtuber einen Verlag, der ausschließlich die Bücher von Social-Media-Influencern herausgibt. Das Geschäftsmodell: Die Blogger, Instagrammer oder Youtuber bringen als Buchautoren Hunderttausende, manche sogar Millionen von Fans und Followern mit. Und da jeder Social-Media-Influencer stolz auf sein Werk ist, kündigt er oder sie deren Erscheinen schon vorab, mehrfach auf allen verfügbaren Kanälen an. So erreichen die Bücher innerhalb kürzester Zeit eine hohe Bekanntheit in der Zielgruppe, denn jeder einzelne Abonnent oder Follower kennt den Autor, hat bereits eine Beziehung zu dessen Inhalten und ist damit ein potenzieller Buchkäufer. Über den Daumen gerechnet heißt das: Bei einer Million Abonnenten beziehungsweise Followern reicht es bereits für eine satte Auflage, wenn nur einige Prozent das Buch kaufen. Das Beste daran: Diese Form des Marketings kostet den Verlag nichts, denn sie kommt ja vom Influencer selbst.

So geschehen in Köln: Dort haben sich die Buchverlage Bastei Lübbe und Vemag mit Christoph Krachten, 54, Gründer der Videodays, zusammengetan und den Verlag CE Community Editions gegründet.

Die Videodays finden jährlich in verschiedenen Großstädten Deutschlands statt und gelten als das größte Youtuber-Treffen Europas. Krachten ist als Youtuber der ersten Generation bestens in der Youtuber-Szene vernetzt. Bastei Lübbe ist mit seinen zwölf Verlagen und Imprints (letztere bezeichnen sogenannte "Wortmarken", die im Buchhandel wie ein eigener Verlag gehandhabt werden, aber rechtlich kein eigener Verlag sind), 334 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 110 Millionen Euro der größte mittelständische deutsche Verlag. Die Verlagsgruppe ist im wachsenden Segment der Hardcover-Belletristik Marktführer, hat aber auch Sach- und Jugendbücher im Angebot. Die Vemag ist wiederum eine mittelständische, international tätige Verlagsgruppe, die Kochbücher, Kinderbücher, Handarbeitsratgeber, Sachbücher herausgibt sowie Hobby- und Bastelartikel vertreibt. Ihre Besonderheit: Sie vertreibt ihre Produkte im In- und Ausland auch über den Lebensmitteleinzelhandel. Vemag ist zudem dafür bekannt, Hardcover-Bücher zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten. Das gelingt unter anderem durch Skaleneffekte beim Druck, sprich durch das preiswerte Drucken hoher Auflagen im fünfstelligen Bereich im Ausland.

Das erste Buchprogramm im Frühjahr 2017 hat laut Lucas Lüdemann, Programmleiter bei Community Editions, die Ziele weit übertroffen: "Wir sind gerade auf einer positiven Welle."

Zwei alteingesessene Verlage plus ein Youtuber - wie passt das zusammen? Das lässt sich wohl am besten an einem Beispiel erklären. Bislang Spitzenreiter ist das am 24. April 2017 erschienene Do-it-yourself-Buch "Spring in die Pfütze" des österreichischen Youtube-Duos ViktoriaSarina. Die zwei Studentinnen aus Graz veröffentlichen zweimal pro Woche auf Youtube ihre Do-it-yourself-Videos, etwa wie man Schleim aus Gummibärchen zum Naschen herstellt oder die nach dem Radieren übrig gebliebenen Fitzelchen samt Maismehl, Waschmittel und Lebensmittelfarbe zu einem neuen Radiergummi fabrizieren kann.

Über den Inhalt der Videos und des Buchs lässt sich trefflich streiten, Tatsache ist aber, dass beides extrem gut in der Zielgruppe der Mädchen von 10 bis 14 Jahren ankommt. Die Zahl der Youtube-Abonnenten liegt bei über 900.000. Das Buch für 15 Euro war sechs Wochen nach Veröffentlichung etwa 60.000 Mal verkauft. Derzeit lässt Lüdemann 80.000 Exemplare nachdrucken (die bei Erscheinen dieser Ausgabe vermutlich dann auch schon verkauft sind). Zu Umsätzen macht er keine Angaben, aber wenn man weiß, dass in der Regel rund die Hälfte des Nettoverkaufspreises, also Ladenverkaufspreis abzüglich 7 Prozent Umsatzsteuer, bei einem Verlag hängen bleibt, um dessen fixe und variable Kosten für Gehälter, Druck, Lektorat, Satz zu decken und natürlich die Tantiemen für die beiden Autorinnen zu bezahlen, bleibt ein hübsches Sümmchen übrig. Bei einem Bruttoumsatz von 2,1 Millionen Euro (140.000 x 15 Euro) sind das immerhin rund 980.000 Euro - mit einem Titel in wenigen Monaten.

"Bücher von Bloggern oder Instagrammern haben schon viele Verlage produziert. Aber beim konsequenten Zusammenfassen unter einem Verlagsdach sind wir meines Wissens die Ersten", erklärt Lüdemann. Die Reichweite allein sei nicht das entscheidende Kriterium, um ein Buch herauszubringen, aber natürlich verfügen alle Autoren über eine große Anhängerschaft im Netz.

kress.de-Tipp: Der hier in Auszügen wiedergegebene Artikel von Geraldine Friedrich ist einer von sechs Cases aus der "kress pro"-Ausgabe 6/2017 (erschienen im Juli). Friedrich geht ausführlich auf vier Erfolgsfaktoren des Verlags CE Community Edition ein. Die Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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