Hering-Schuppener-Boss Ralf Hering: Warum das Experiment mit Andreas Winiarski scheiterte

13.10.2017
 

Bei Mega-Krisen und Milliarden-Deals gehört die Kommunikationsberatung Hering Schuppener zu den Top-Adressen. Für Aufsehen sorgte im Oktober 2015 auch der Wechsel von Andreas Winiarski, der von Rocket Internet kam und als Managing Director bei Hering Schuppener anheuerte. Warum das Experiment mit dem "PR Rockstar" Winiarski scheiterte, sagt der Agenturgründer Ralf Hering im Interview. 

In der neuen Ausgabe des "PR Reports" äußert sich Ralf Hering, Gründer der Agentur Hering Schuppener, erstmals ausführlich und harsch zum Abgang von Andreas Winiarski. Ein Auszug aus dem Gespräch, das "PR Report"-Chefredakteur Daniel Neuen mit Hering geführt hat.

"PR Report": Wie schwer wiegt der Abgang von Andreas Winiarski, der zu dem Venture-Capital-Geber Earlybird gewechselt ist? 

Ralf Hering: All the best to him, aber wir haben es einfach nicht gemerkt. Es ist kein werthaltiges Geschäft weggebrochen. Er hatte seine Zeit. Er hat uns sehr geholfen, sehr schnell den Digital Hub zu entwickeln. Dann hat er uns verlassen. Andreas ist punktuell bei Einzelprojekten dabei, aber sonst hat er jede Menge mit seiner neuen beruflichen Aufgabe zu tun. Alles gut. Es gibt manchmal so zeitlich limitierte Engagements. Seine Magnetfunktion war für uns total hilfreich. Jetzt haben wir einen Digital Hub, genau wie wir ihn haben wollen. Ich hoffe, dass Andreas in dem, was er jetzt tut, großen Erfolg hat. Für uns hatte er genau die Funktion, die wir gebraucht haben, um uns in diesem Feld zu positionieren. Mit der gemeinsamen Entscheidung, uns voneinander zu trennen, haben wir nicht ansatzweise irgendeine negative Erfahrung gemacht. 

"PR Report": Also hat Winiarski seine Schuldigkeit getan.

Ralf Hering: Wenn Sie das so formulieren wollen. Wir haben gemeinsam festgestellt, dass das hier langfristig nicht funktionieren würde. Aus Ihrer Sicht läuft das Ganze jetzt vielleicht weniger spektakulär ab, aber es läuft.

"PR Report": Was hat nicht gepasst?

Ralf Hering: Am Ende war es ein unterschiedliches Verständnis davon, was wir hier brauchen. Und für ihn war es schwierig, mit einzelnen Partnern innerhalb unseres sehr klar definierten Wertesystems zusammenzuarbeiten. Das klaffte teilweise ein bisschen auseinander. 

"PR Report": Was heißt das genau?

Ralf Hering: Nicht jeder versteht sich gut mit jedem. Das waren schon sehr unterschiedliche Welten. Wir sind dieses Risiko bewusst eingegangen. Es war auch gut, das mal auszuprobieren. Aber ich glaube, er ist mit der Entwicklung genauso einverstanden wie wir.

"PR Report": Der Wechsel von Winiarski von Rocket Internet zu Hering Schuppener geschah sehr plötzlich. Sie haben ihm gleich die höchsten Weihen als Managing Partner verliehen mit der Aussicht, eine eigene Digital-Marke zu gründen und ihm Anteile daran zu geben. War Ihre Not, Digitalkompetenz zu demonstrieren, so groß?

Ralf Hering: Warum muss eine Not dahinterstecken? Das war eine Opportunität. Er war am Markt und wir haben eine schnelle, unternehmerische Entscheidung gefällt.

"PR Report": Wer übernimmt künftig die Magnetfunktion im Digitalbereich?

Ralf Hering: Ich sehe da keine Probleme. Bei uns bewerben sich interessante Leute. Wir haben uns im Markt mit einer sehr beraterischen Einheit für digitale Transformation gut positioniert. Wir wollen keine neue Digitalagentur. Davon gibt es reichlich.

"PR Report": Das wollte Winiarski?

Ralf Hering: Ich glaube, dass er das volumenmäßig größer betreiben und weiter skalieren wollte, als wir das brauchen.

kress.de-TippIm neuen "PR Report" spricht Ralf Hering außerdem über Digitalisierung, die größte Gefahr für das Geschäft seiner Agentur, das Fusionsdebakel bei der Deutschen Börse und die Partnerschaft mit Finsbury. Hier können Sie den neuen "PR Report" als E-Paper oder Printausgabe bestellen. Oder im iKiosk.

Hintergrund: Der "PR Report" erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "PR Report"-Chefredakteur ist Daniel Neuen, Herausgeber Johann Oberauer.

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