USA-Korrespondent Jan Philipp Burgard: "Mit Dokumentationen unterscheiden wir uns von den Privatsendern"

 

"Mit Dokumentationen unterscheiden wir uns von den Privatsendern", sagt Jan Philipp Burgard, USA-Korrespondent und stellvertretender Studioleiter der ARD in Washington, im kress.de-Gespräch. Für seinen neuen Film (Sendetermin: ARD, 21. Oktober, 16.30 bis 17 Uhr; Phoenix, 5. November, 21.45 Uhr) war Burgard in Alaska. Und dokumentiert die schrecklichen Folgen des Klimawandels. 

In der Reportage "Klimawandel in Alaska" zeigt Burgard, den "kress" 2015 als einen der "Medienmacher von morgen" ausgezeichnet hat, auch, wie die Menschen mit den existenziellen Bedrohungen umgehen. Die von Eskimos bewohnte Insel Shishmaref versinkt im wahrsten Sinne des Wortes nach und nach im Meer; die Insel schrumpft jedes Jahr um mehrere Meter, in 30 Jahren wird sie voraussichtlich verschwunden sein. Der 19-Jährige Esau Sinnok ist in Shishmaref aufgewachsen und macht als Umweltaktivist auf das Schicksal seines Dorfes aufmerksam. Ausgelöst wurde sein Engagement durch den Unfalltod seines Onkels. Er brach auf der Jagd mit seinem Schlitten im Eis ein, weil das Eis zu dünn geworden war.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete den Klimawandel allerdings als "Erfindung der Chinesen". Trump machte einen bekennenden Klimawandel-Skeptiker zum Chef der Umweltbehörde und ließ Forschungsgelder in Milliardenhöhe streichen. So wird die Arbeit von Wissenschaftlern bedroht, die nachweisen, wie schnell ein riesiges Gletschergebiet schmilzt und die Auswirkungen auf Alaskas Wale erforschen.

kress.de: Herr Burgard, für Ihre große USA-Reportage haben Sie sich mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt. Von Alaska kennen wir in Deutschland ja im Sommer die herrlich grünen Landschaften und im Winter die eisigen Schneemassen.

Jan Philipp Burgard: Doch diese Schönheit ist vergänglich. Dem weltbekannten Mendenhall Gletscher kann man buchstäblich beim Schmelzen zusehen. Wir haben einen Forscher auf den Gletscher begleitet, der uns vorgerechnet hat, dass am Ende des Jahrhunderts zwei Drittel des Eises verschwunden sein werden. Schockierend war auch unser Dreh auf der von Inupiat-Eskimos bewohnten Insel Shishmaref. Wegen Stürmen und Erosion könnte sie laut Prognosen in 30 Jahren im Meer versunken sein. 

kress.de: Gibt es denn aus Ihrer Sicht noch die Chance, die Insel und die Heimat der Menschen zu retten, die Sie für Ihren Film getroffen haben?

Jan Philipp Burgard: Sogar die Ingenieure der US-Armee haben in einem Gutachten festgestellt, dass die Insel nicht zu retten ist. Die Bewohner haben sich in einer Abstimmung für eine Umsiedlung des gesamten Dorfes aufs sichere Festland entschieden. So könnte die Dorfgemeinschaft erhalten bleiben. Die Umsiedlung würde allerdings etwa 300 Millionen Dollar kosten. Doch die Regierung in Washington hat bisher keine Finanzhilfen zugesagt.

kress.de: Was hat Sie bei den Dreharbeiten am meisten überrascht? 

Jan Philipp Burgard: Die Haltung der Republikaner in Alaska zum Kimawandel. Obwohl sie täglich die Folgen des Klimawandels vor Augen haben, begrüßen viele die Ankündigung von Präsident Trump, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Ein republikanischer Politiker wollte uns sogar von den Vorteilen des Klimawandels überzeugen. Weil das Eis schmelze, sei die Nordwestpassage jetzt für große Kreuzfahrt- und Containerschiffe befahrbar. Das sei doch eine tolle Sache für die Wirtschaft. 

kress.de: Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass in der ARD auch Platz für solche Filme freigeräumt wird? 

Jan Philipp Burgard: Ich freue mich sehr, dass es Platz für diese Filme gibt, denn damit unterscheiden wir uns von den Privatsendern. Der "Weltspiegel" und seine Reportagen gehören zu den renommiertesten Sendungen der ARD. Die ausführliche Auslandsberichterstattung in dieser Form ist ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal.

kress.de: Welche Reportage planen Sie als Nächstes?

Jan Philipp Burgard: Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber gerade recherchiere ich zur Macht des Geldes in der amerikanischen Politik.

kress.de: Wie zufrieden sind Sie eigentlich mit der Arbeit in Washington? 

Jan Philipp Burgard: Die Arbeit macht mir sehr viel Freude, ist aber auch intensiv und herausfordernd. Donald Trump produziert oft gleich mehrere "Breaking News" an einem Tag. Das erfordert eine besonders sorgfältige Einordnung - in kürzester Zeit. 

Mit Jan Philipp Burgard, USA-Korrespondent der ARD, sprach kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

kress.de-Fernsehtipp: "Klimawandel in Alaska", Film von Jan Philipp Burgard. Sendetermine: ARD, 21. Oktober, 16.30 bis 17 Uhr; Phoenix, 5. November, 21.45 Uhr.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.