"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum Karlheinz Hörhammer morgens zwei Radiosender gleichzeitig hört

 

Er ist ein Privatradio-Pionier der ersten Stunde und als Geschäftsführer von Antenne Bayern und Rock Antenne einer der erfolgreichsten Medienmanager nicht nur in Bayern: Energie zieht Karlheinz Hörhammer nicht nur aus seiner Leidenschaft für das schnelle, unmittelbar wirkende Medium Radio, das schon viele Branchentalente gestählt hat. Hörhammer greift gern zur Rock-Gitarre, um Vorbildern wie Joe Bonamassa zu huldigen.

kress.de: Herr Hörhammer, Gratulation zur guten Hörer-Bilanz in der aktuellen Radio-MA. Wie wichtig ist es – psychologisch und wirtschaftlich gesehen – wieder zu den großen Gewinnern im Lande zu zählen?

Karlheinz Hörhammer: Es ist immer schön, wenn wir mit unseren Programmen Antenne Bayern und Rock Antenne ausgesprochen hohe Reichweiten generieren. Für unsere Mannschaft ist dieser große Hörerzuspruch natürlich Bestätigung für die tägliche, mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail, getane Arbeit. Für unsere Werbekunden die Bestätigung, dass Werbung auf unseren Sendern funktioniert und in den Zielgruppen ankommt.  

kress.de: Bei der letzten Hörer-Analyse gab es für Antenne Bayern eine unerwartet große Delle. Wie erklären Sie sich diesen damaligen Einbruch und an welchen Stellschrauben haben Sie seitdem gedreht?

Karlheinz Hörhammer: Der bayerische Hörfunkmarkt ist im Moment in Bewegung. Wir sehen hier gerade mehrere Phänomene. Jahrelang hatten wir in Bayern die höchste Radionutzung aller Bundesländer. Diese ist gerade ein wenig rückläufig. Dann kann man zum ersten Mal sehen, dass die Flottenstrategie des Bayerischen Rundfunks nicht spurlos an den Privatsendern in Bayern vorbei geht. 

kress.de: Zuletzt gab es einige wichtige Personalveränderungen in Ihrem Haus. Mit welchen Konzepten und Ideen hat Sie Ina Tenz, Ihre Programmdirektorin, überzeugt, dass es wieder aufwärts gehen wird?

Karlheinz Hörhammer: Trotz leichter Reichweitenverändungen ist Antenne Bayern nach wie vor der Marktführer im Segment der 14- bis 49-Jährigen. Ich denke, dass wir ganz gute Antworten auf die kommenden Herausforderungen haben. Wir versuchen im Moment sehr viel, sei es im Programm oder mit unseren digitalen Aktivitäten. 

kress.de: Die Durchlässigkeit beim guten Personal für Radiosender und die Wechselfreudigkeit in der Branche ist hoch. Worauf achten Sie besonders, wenn Sie neue Leute an Bord holen?

Karlheinz Hörhammer: Wir achten bei uns auf verschiedene Einstellkriterien. Zum einen entscheidet natürlich die persönliche Qualifikation. Auch der feste Wille, unsere Produkte erfolgreich weiterentwickeln zu wollen, ist maßgeblich. Ebenso braucht man bei uns Teamfähigkeit und die Bereitschaft, sich in eine Organisation zu integrieren.

kress.de: Sie gelten als Privatradio-Pionier der ersten Stunde. Inwiefern hat sich der Wettbewerb in den vergangenen Jahr im Vergleich zu den ambitionierten Anfangszeiten verändert?

Karlheinz Hörhammer: Die Wettbewerbsintensität hat deutlich zugenommen. Es gibt heute einfach viel mehr Angebote im gleichen Markt. Es gibt mehr Distributionswege (FM, Web, Mobil, DAB+, Kabel, Sat, Aggregatoren) und auch diverse Streamingdienste. Dies trifft heute auf einen nur langsam wachsenden Audiowerbemarkt.

kress.de: Wie wichtig ist es, den Hörern neben der klassischen Radio-Verbreitung auch Programmalternativen – vor allem über Streams – zu bieten?

Karlheinz Hörhammer: Das Audionutzungsverhalten der Hörer verändert sich. Selbstverständlich hört heute die ganz große Masse Radiosender über UKW. Jedoch macht die Investition einer digitalen Portfolioerweiterung Sinn. Hier sind auch die Hörer von morgen. Ich glaube, dass wir in diesem Bereich sehr gut aufgestellt sind und was unsere digitalen Vermarktungsaktivitäten unserer Vermarktungstochter SpotCom angehen, sogar auf Augenhöhe mit den nationalen Vermarktern sind.

kress.de: Um nichts wird so leidenschaftlich und schon so zählebig gestritten wie die DAB-Technik im Radio. Wie häufig nervt Sie der Debattenstand – und die noch immer zurückhaltende Akzeptanz bei den Hörern?

Karlheinz Hörhammer: Dass man im Dialog bleibt, ist grundsätzlich wichtig, und ich denke, dass wir von privater Seite mit dem VRPT einen guten Vorschlag gemacht haben. Bevor wieder irgendjemand ein Abschaltdatum fordert, sollte über dies erst ab 10% Restnutzung von UKW nachgedacht werden. Dann kann man auch wirklich sagen, dass es von der Bevölkerung gewollt ist und nicht von der Politik und Interessensgruppen verordnet.

kress.de: Warum wird sich ein Radio-Fan in Zeiten von digitalen Audio-Angeboten über das Internet in Zukunft überhaupt noch ein DAB-Gerät zulegen müssen? Wurde die Technik von der Digitalisierung links überholt?

Karlheinz Hörhammer: Für uns spielt es heute keine Rolle, über welchen Übertragungsweg wir mit unseren Programmen gehört werden, wichtig ist für uns, dass wir gehört werden und wir jeden Übertragungsweg anbieten können. Natürlich, da bin ich schon bei Ihnen, ein Übertragungsweg mit Daten-Rückkanal wird in Zukunft für die Werbeindustrie wertvoller sein, als eine Technik, die dies nicht anbietet.

kress.de: In der Medienbranche gelten Mitarbeiter, die eine Radio-Ausbildung durchlaufen haben oder entsprechende Erfahrungen mitbringen, oft als harte Hunde und damit als begehrte Talente – auch für Einsätze bei den Kollegen von Print, Digital oder Fernsehen. Was stählt Ihrer Erfahrung nach in der täglichen Radio-Praxis am stärksten?

Karlheinz Hörhammer: Radio ist ein 24 Stunden-, 365 Tage im Jahr-, Echtzeit live-Medium. Hier werden Entscheidungen in kürzester Zeit umgesetzt und auf die Antenne gebracht. Auch schauen alle Mitarbeiter über den Tellerrand und bringen ihre Erfahrungen und Interessen ein, die im ersten Augenblick nicht in ihrer Jobbeschreibung abgebildet sind. Diese Bereitschaft, nicht in Silos oder in Schranken zu denken, ist glaube ich eine Gabe, die Radio-Leute in der DNA haben.

kress.de: Wie früh am Tag schalten Sie als erstes Radio an? Und was brauchen Sie, um morgens in Schwung zu kommen?

Karlheinz Hörhammer: Meistens schalte ich zwischen 6.30 und 7.00 Uhr ein und kann mich nicht entscheiden, ob es bei mir der Kollege Leikermoser auf Antenne Bayern ist oder Barny Barnsteiner auf der Rock Antenne. In den meisten Fällen laufen zuhause dann zwei Radios am Morgen beim ersten Kaffee des Tages.

kress.de: Auch mit viel Erfahrung, Routine und guten Kontakten sowie verlässlichen Mitarbeitern kann man ja nur eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden in der üblichen Woche unterbringen. Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Karlheinz Hörhammer: Wenn man seinen Job mit Spaß, Lust und Leidenschaft macht, dann klappt es auch mit dem Energiehaushalt. Dies sagt sich vielleicht zu einfach. Jedoch ist es für mich schon so, dass meine Arbeit mich mit Freude erfüllt. Wenn ich mitgestalten darf, ein Teil des Unternehmens bin und gerade jetzt die Transformation unseres Haues mit anschiebe. Das sind alles Themen, die mich interessieren und weiterbringen. Auch zu wissen, dass ich seit vielen Jahren ein Team um mich habe, auf das ich mich verlassen kann und wir gemeinsam die Themen angehen, erzeugt Leidenschaft.

kress.de: Sie haben ja schon früh im Radiogeschäft angefangen. Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken – welche Erfahrungen waren für Sie die wichtigsten? Wo haben sie am meisten gelernt?

Karlheinz Hörhammer: Um Erfahrungen reicher geworden bin ich bei jedem Projekt.

kress.de: Irgendwann muss das Radio ja auch mal ausgeschaltet werden. Wie tanken Sie eigentlich neben der Arbeit Energie, um die Batterien immer wieder aufzuladen?

Karlheinz Hörhammer: Meine Familie gibt mir ganz viel Energie. Ebenso tanke ich natürlich in meinen Hobbys auf. Ich treibe gerne in meiner Freizeit Sport. Mir wird unter anderem nachgesagt, dass ich ab und an doch ganz passabel Golf spiele. Auch spiele ich E-Gitarre in einer Rock-Band (sehr zur Freude meiner Familie :-).  

kress.de: Sie haben schon länger ein "kressköpfe"-Profil angelegt. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Karlheinz Hörhammer: Ein Netzwerk ist natürlich in unserer Branche sehr wichtig.

kress.de: Mit welchem Geschäfts- oder Kooperationspartnern, Querdenkern oder Kreativköpfe würden Sie sich – idealerweise über die "kressköpfe" – gerne einmal zu einem Mittagstermin verabreden?

Karlheinz Hörhammer: Sehr gerne würde ich mich mit Joe Bonamassa, einem US-amerikanischen Blues- und Bluesrock-Gitarristen, der für seinen Beruf brennt, über die Leidenschaft seiner Berufung unterhalten.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Karlheinz Hörhammer: Wenn man die ganze Woche im eigenen Unternehmenskosmos und der Hörfunkbranche verwurzelt ist, ist es interessant und häufig auch hilfreich zu lesen, was in anderen Branchen passiert und wie dort Problemlösungsansätze aussehen.

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