Kräftiger Schub durch die Bundesliga-Berichte: Wie DAZN zum Netflix der Sportwelt werden möchte

 

Harte sportliche Konkurrenz für Sky, Eurosport und die ARD-"Sportschau": Mit einem Team von rund 170 Mitarbeitern mischt der Streaming-Anbieter DAZN von München-Ismaning den TV-Markt auf. Der neue Stil, für den der forsch hereingrätschende Sportanbieter steht, sorgt bei den Bundesliga-Berichten für Furore. "Unsere Highlight-Clips werden anders produziert", sagt Chefredakteur Michael Bracher. "Wir kommentieren auf Spannung. Wir setzen nicht die Headline voraus."

Mit der stark am Fan-Orientierung für den Sport-Interessierten, der auch 40 Minuten nach Abfiff der Bundesliga-Spiele noch gebannt werden und selbst miterleben möchte, wie sich die Dramatik eines Spieltags entwickelt, setzt sich Bracher vom bisherigen Stil der "Sportschau"-Zusammenfassungen, aber auch der noch in der vergangenen Saison etwa bei Bild.de zu sehenden Clips ab. Diese wurden damals schon von DAZN im Springer-Auftrag produziert - allerdings anders. "Wir erzählen chronologisch und wir erzählen im Präsenz, weil wir das spannender finden", so Michael Bracher. "Wir sind keine Zeitung und kein Portal."

Aufgrund der in dieser Bundesliga-Saison neuen Rechtelage lässt DAZN Zusammenfassungen Spiele - in unterschiedlichen Längen und Formate - 40 Minuten nach Abfiff über die Screens flimmern. Und das in zeitlicher Konkurrenz zu "Sportschau". Der Erwerb der Bundesliga-Rechte war für das noch junge, aus England stammende Unternehmen ein wichtiger Meilenstein, um den großen deutschen Markt zu entwickeln.

Seit dem Start vor einem Jahr zeigt DAZN unter anderem Spiele der Premier League (England), der La Liga (Spanien) und der Seria A (Italien) - und damit das europäische Fußball-Oberhaus. Hinzu kommen viele US-Sportarten, Motorsport, Tennis, Rugbys oder Handball - teilweise mit aktuell rund 8000 Live-Übertragungen, davon teilweise 20 gleichzeitig.

"Damit haben wir uns die echt engagierten Fans geholt", sagt Kay Dammholz, Managing Director Rights Distributions DACH im Gespräch mit "kress pro". "Die Bundesliga ist der wichtige zweite Schritt. Wir sind jetzt breiter geworden", so Dammholz. "Um den nächsten Schritt in den absoluten Mainstream zu machen, bringen wir im nächsten Sommer die Champions League." Deren Spiele laufen dann anders als die Bundesliga-Clips in voller Länge. Die Rechte dafür teilt sich DAZN mit Sky.

Wie für Dammholz und Bracher der "Mainstream" in Zahlen aussehen könnte, wurde bereits bekannt: Ihr britischer Boss James Rushton hatte in einem Interview die Marke von fünf Mio Kunden ins Spiel gebracht. Das Monatsabo kostet wie bei Netflix rund 10 Euro und ist problemlos kündbar. 2019 oder 2020 soll das Angebot profitabel sein. Man sieht die Welt sportlich - in München-Ismaning und beim britischen Mutterkonzern.

kress.de-Tipp: Alle Hintergründe zur Strategie, wie DAZN den deutschen Sportmarkt aufrollen möchte, lesen Sie in "kress pro" (Ausgabe 7/2017, erschienen im Spetember). Darin erfährt man von kress.de-Korrespondent Rupert Sommer auch viele Details zur extremen Kundenorientierung von DAZN sowie zu den neuen Verbreitungswegen und Marktpartnerschaften, die der rasch wachsende Streaming-Anbieter plant. Die Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo

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