Gebietsbereinigung im Südwesten: "Südkurier" und "Schwäbische" tun sich nicht mehr weh

09.11.2017
 
 

Gebietsbereinigung im Südwesten. In der vergangenen Woche erst war bekannt geworden, dass der "Südkurier" (Konstanz) seine 1993 mit Millionenaufwand aufgebaute Ausgabe Friedrichshafen sang- und klanglos zum Jahresende einstellen wird. Jetzt erklärt die "Schwäbische Zeitung", sie werde ihre Lokalredaktionen in Pfullendorf, Meßkirch und Markdorf ebenfalls zum Ende des Jahres schließen. Was dahinter steckt - eine Einordnung von Wolfgang Messner.

Ein Sprecher von "Schwäbisch Media" erklärte gegenüber dem SWR, die Entscheidung die Büros in Pfullendorf, Meßkirch und Markdorf aufzugeben, habe wirtschaftliche Gründe. Die von der Schließung betroffenen sechs Redakteure würden gute Positionen innerhalb des Verlags erhalten, hieß es weiter. Die Schließung habe nichts damit zu tun, dass sich seinerseits der Konkurrent "Südkurier" aus dem Kernland der "Schwäbischen Zeitung" zurückziehen und Friedrichshafen schließen will, trat der Verlag Gerüchten entgegen.  

Der Schluss aber liegt nahe, dass sich die benachbarten Medienhäuser angesichts der sinkenden Auflagenzahlen und Anzeigenrückgänge abgesprochen haben und einander nicht mehr weh tun wollen. Der traditionell badisch geprägte "Südkurier" wird sich künftig auf sein Kernland konzentrieren und im Umkehrschluss tritt die württembergische "Schwäz" den Rückzug auf ihr altes Stammland an. kress.de hatte zu dieser Rochade bereits zuverlässige Informationen. Auf unsere Anfrage reagierte dazu gestern niemand der Beteiligten. Von "Schwäbisch Media" kam heute die Aussage, Geschäftsführer Kurt Sabathil sehe "keinen Gesprächsbedarf" und sei an einem Telefonat mit kress.de "nicht interessiert."

"Südkurier"-Geschäftsführer Rainer Wiesner teilte mit, er könne bestätigen, dass die Ausgabe FN am 30. Dezember zum letzten Mal erscheine. "Diese Entscheidung wurde aus wirtschaftlichen Gründe getroffen." Gleichwohl bleibe der "Südkurier" mit einer Redaktion in Friedrichshafen vertreten. Auch die Anstellungsverträge der Mitarbeiter sollten erhalten bleiben.

Detaillierte Gründe für den Rückzug nannte Wiesner nicht. "Als wir nach FN kamen hatte der Wettbewerber montags keinen Lokalteil und erschien in schwarz-weiß. Wir waren vierfarbig und hatten natürlich von Mo - Sa einen Lokalteil. Die Ausgabe FN ist ein herausragendes Beispiel für engagierten Lokaljournalismus, leider ist der Markt gegen uns", teilte der Geschäftsführer weiter mit. Nach Branchenschätzungen hat der "Südkurier" in den 24 Jahren seines Engagements in Friedrichshafen eine zweistellige Millionensumme investiert. Die Kleinstadt mit ihren 57.000 Einwohnern gilt mit ihren Milliardenkonzernen ZF, MTU und EADS als wirtschaftlich hochgradig interessant. Friedrichshafen hat nicht nur über eine Großstadtindustrie, sondern verfügt nach Stuttgart auch über die zweitgrößte Messe und den zweitgrößten Regionalflughafen in Baden-Württemberg.

Die "Schwäbische Zeitung" ist mit rund 164.053 verkauften Exemplaren (IVW 3/2017) die größte Abonnentenzeitung im Südwesten. Der "Südkurier" lag in den 1990er Jahren mal bei ähnlichen Größenordnungen, doch inzwischen ist die Auflage auf 117.996 Verkaufte geschrumpft. Bereits 2015 hat das Blatt die beiden Ein-Mann-Redaktionen in Furtwangen und Triberg geschlossen. Noch gibt der "Südkurier" 17 Lokalausgaben heraus und beschäftigt rund 700 Menschen. Der Verlag verdient sein Geld des weiteren mit Anzeigenblättern ("Anzeiger" und einer Minderheitsbeteiligung am "Singener Wochenblatt"), Postdienstleistungen ("Arriva") und Hörfunk ("Radio Seefunk" sowie Fremdaufträgen für seine hochmoderne Druckerei."

Die Gebietsbereinigung dürfte auch der "Augsburger Allgemeinen", seit  2013 alleiniger Anteilseigner des "Südkurier", zu Pass kommen. Die "Augsburger" (verk. Auflage 207.745 gemäß IVW 3/2017) ist zur Hälfte an der "Allgäuer Zeitung" (verk. Auflage 94.968 gemäß IVW 3/2017) beteiligt. Die anderen 50 Prozent hält der Fürst zu Waldburg-Zeil, der wiederum der wichtigste Eigentümer der "Schwäbischen Zeitung" ist. Die "Augsburger" und die "Allgäuer" haben zudem parallel Beteiligungen an  Gemeinschaftsunternehmen und  entsprechend die Verbreitungsgebiete der Zeitungen gegeneinander abgegrenzt. Zudem übernimmt die "Allgäuer Zeitung" den Mantel aus Augsburg auch für den Ableger "Memminger Zeitung".

Autor: Wolfgang Messner

 

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