"Wir fragen unsere kressköpfe": Wie Gero Schmitt-Sausen zum Franken-Versteher wurde

 

Seit Jahresbeginn ist der frühere meinestadt.de- und Chip.de-Manager einer der Geschäftsführer in der Mediengruppe Oberfranken ("Fränkischer Tag", "Coburger Tageblatt"). Sein Beritt: das Portal inFranken.de, das mit 1,5 Mio Unique User pro Monat Spitzenwerte liefert. Im kressköpfe-Interview verrät er, wie man die Region in Atem hält - und warum der Neu-Bamberger doch noch auf Übersetzungsdienste seiner Frau angewiesen ist.

kress.de: Herr Schmitt-Sausen, Sie sind seit knapp einem Jahr bei der Mediengruppe Oberfranken. Wie schwer fiel Ihnen eigentlich der Wechsel weg aus der Großstadt, rein in die Region?

Gero Schmitt-Sausen: Leicht! Meine Frau ist Bambergerin. Und Bamberg ist ganz objektiv eine sehr lebenswerte Stadt. Insbesondere im Sommer, wenn man das Freizeitangebot des Umlandes nutzen kann. Im Winter such ich noch nach einem Hobby. Ich spiele seit 30 Jahren Hockey, aber hier gibt es keinen Verein. Da fehlt dann doch die Großstadt.

kress.de: Unter Ihrer Führung hat sich vor allem das Nachrichtenportal inFranken.de zuletzt stark entwickelt. Worauf führen Sie die Reichweitengewinne zurück?

Gero Schmitt-Sausen: Es hat sich schon vor meinem Start gut entwickelt. Mit meinem Start als Verantwortlicher für das Portal haben wir uns aber grundlegend neu aufgestellt: Beginnend bei neuen Stellenprofilen, der Erarbeitung einer Vision und dem Aufbau neuer Prozesse. Zugleich beschäftigen wir uns intensiv mit unseren erfolgskritischen Kanälen "SEO" und "Social". Als Ergebnis konnten wir unsere Wachstumsraten in den letzten Monaten deutlich steigern.

kress.de: Aus Ihrer bisherigen Erfahrung: Auf welche Herausforderungen muss sich ein regionales Online-Nachrichtenportal im Besonderen einstellen? Reicht denn die News-Lage überhaupt im täglichen Betrieb aus, um Leser zur Wiederkehr zu bewegen?

Gero Schmitt-Sausen: Mein Team und ich begreifen uns schon jetzt als News- und Serviceportal und haben diese Positionierung auch in unserer Vision verankert. Neben News sind nutzwertige Inhalte, wie bspw. Ratgeber und Events ein wichtiger Baustein in unserer Strategie. Zudem zählt jedoch insbesondere auch die Qualität des Produktes. Mit unserem Relaunch haben wir das "Nutzungserlebnis" für unsere User deutlich verbessert.

kress.de: Wie stark profitieren Sie von den klassischen Lokalredaktionen vor Ort und wie muss man sich verlagsintern die Zusammenarbeit von Print- und Online-Kollegen konkret vorstellen?

Gero Schmitt-Sausen: Wir profitieren stark von den Inhalten der Kollegen. Lokale Nachrichten sind unser bedeutendster Use Case. Im Rahmen der Zusammenarbeit nutzen wir bspw. gemeinsame Planungsrunden und haben zudem einen intensiven täglichen Austausch. Wir können jedoch noch besser werden, wenn ich an eine multimedial aufbereitete crossmediale Berichterstattung denke.

kress.de: Ohne zynisch klingen zu wollen: Aber bei welcher Art von Nachrichtenlage können Sie sich sicher sein, dass es auf Ihrem Portal "brummt"?

Gero Schmitt-Sausen: Na ja, ich denke, das wissen wir alle. Ganz bewusst beschäftigen wir uns dennoch nicht nur mit Polizeimeldungen, lokalen Aufregern und nationalen Hiobsbotschaften. Auch Servicethemen, wie bspw. Berichte über aktuelle Mietpreise oder Ausflugstipps erfreuen sich großer Beliebtheit.

kress.de: Die Ziele von inFranken.de sind ehrgeizig: Bis 2020 wollen Sie profitabel sein, angepeilt ist die 10-Mio-Visit-Marke. Was muss passieren, bis Sie soweit sind?

Gero Schmitt-Sausen: Es darf auch schneller gehen. :-) Mein Team und ich arbeiten täglich daran, unsere Nutzer mit unserem Angebot zu begeistern. Nur wenn wir Nutzer und im gleichen Maße auch unsere Werbekunden überzeugen, erreichen wir unsere Ziele!

kress.de: Zuletzt haben Sie inFranken.de überarbeiten lassen. Was waren die wichtigsten Zielgedanken und was erwarten Sie sich von dem Relaunch?

Gero Schmitt-Sausen: Wir sind am 6. November mit dem neuen Portal live gegangen. Den Relaunch haben wir in nur gut sieben Monaten realisiert. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden. Nun haben wir eine attraktive und performante - für Mobilgeräte optimierte - Site, die den aktuellen Anforderungen entspricht. Diese bildet für uns die Basis, um weiter wachsen zu können - bei Traffic und Umsatz.

kress.de: Wie sieht eigentlich Ihre eigene Mediennutzung aus? Welche Portale oder Marken steuern Sie persönlich früh als Erstes an?

Gero Schmitt-Sausen: Am Morgen geht mein erster Blick auf die Zahlen des Vortages und die aktuelle Performance von inFranken.de. Wir nutzen Google Analytics, daher ist es die App von Google Analytics, die ich als Erstes öffne. Danach stehen FB, Instagram, XING und das klassische Postfach an. Dann schreit meist schon mein Sohn nach seiner Milch. 

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene bisherige Karriere zurückblicken: Wo haben Sie am meisten gelernt und was hilft im Online-Verleger-Alltag?

Gero Schmitt-Sausen: Am meisten habe ich während meiner Zeit bei meinestadt.de gelernt. Hier habe ich den Change von einem inhabergeführten Unternehmen hin zu einer 100%-Springer-Beteiligung erlebt und selbst mitgestaltet. Auch in der kurzen Zeit bei "Chip" konnte ich ein Menge Positives mitnehmen und stehe auch heute noch regelmäßig in Kontakt mit den ehemaligen Kollegen. Das gilt im Übrigen auch für mein altes Team bei meinestadt.de. In meinem Daily Business helfen mir die gesammelten Erfahrungen aus all meinen Job-Stationen, auch meine Zeit als Berufseinsteiger bei der Deutschen Welle mit ihrem umfangreichen 30-sprachigen Webangebot, einer weltweiten Zielgruppe und den öffentlich-rechtlichen Strukturen. Insbesondere in einem von hohen Print-Erlösen sozialisierten Verlag, ist es wichtig, nicht im Bestehenden zu verharren, sondern sich der Digitalisierung zu stellen und Abläufe, Prozesse sowie bestehende Dienstleisterbeziehungen schonungslos in Frage zu stellen.

kress.de: Was hat Sie eigentlich nach Ihrem Studium nach Fernost gebracht und welche Erfahrungen haben Sie aus dieser doch so exotischen Auslandszeit gezogen?

Gero Schmitt-Sausen: Während meines Studiums habe ich es nicht ins Ausland geschafft, bspw. für ein Auslandsemester. Das wollte ich unbedingt nachholen. Europa und die USA kannte ich aus zahlreichen Urlaubsreisen bereits sehr gut. Mich hat der Rest der Welt gelockt. Daher hatte ich mich für Traineeships in Kairo, St. Petersburg und Jakarta beworben. Für Kairo und Jakarta habe ich eine Zusage bekommen und habe mich dann für Jakarta entschieden. Persönlich zählt meine Zeit dort zu den intensivsten Erfahrungen und war sicherlich auch prägend für meine weitere Entwicklung. Mehr dazu gerne bei einem "Seidla" fränkischen Bieres...  

kress.de: Die Online-Welt schläft nie – auch nicht in der Region. Gleichzeitig dürften auch in einem mittelständigen Verlagshaus viele Verhandlungen und Veränderungswünsche oft einmal kräfteraubend sein. Wie laden Sie privat eigentlich Ihre Batterien immer wieder auf?

Gero Schmitt-Sausen: Mein 18 Monate alter Sohn ist ebenso kräfteraubend, schläft allerdings oft und meist auch durch. Im Ernst, meine Familie ist ein guter Ausgleich zur "Online-Welt" in all ihren Facetten. Familie in Kombination mit Urlaub bspw. bei einem kurzen Trip nach Südtirol kann schon sehr erholsam sein. Zudem versuche ich mich regelmäßig zum Sporttreiben zu motivieren. Das ist zurzeit leider nur 1-2 Mal die Woche von Erfolg gekrönt.

kress.de: Wie gut lässt es sich in Bamberg leben und wie routiniert kommen Sie mit den Dialekt-Herausforderungen klar?

Gero Schmitt-Sausen: Leben lässt es sich hier sehr gut. Für eine 70.000 Einwohner zählende Stadt hat Bamberg ein ausgesprochen attraktives Angebot an Veranstaltungen aller Art, eine aufstrebende Bar-Szene (der amtierende "Bartender" kommt aus Bamberg), und natürlich den historischen Charme als Weltkulturerbestadt. Der Dialekt bleibt eine Herausforderung für mich, der ich mich noch nicht gestellt habe. Im Fall des Falles übersetzt meine Frau für mich.

kress.de: Sie führen seit längerem ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Gero Schmitt-Sausen: Die "kressköpfe"  rufe ich auf, wenn ich eine spannende Persönlichkeit im NL entdeckt habe, über die ich mehr erfahren möchte. Zudem habe ich nach dem letzten Beitrag bei kress.de selbst direktes Feedback bekommen. Mein Profil halte ich selbstverständlich immer up-to-date.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Gero Schmitt-Sausen: kress.de sowie die Newsletter kressexpress/kressblitz zählen zu meiner täglichen Lektüre, um mich über Neuigkeiten aus der Branche auf den aktuellen Stand zu halten. Entwicklungen bei Marktbegleitern sind für mich ein steter Quell für Inspiration.

kress.de-Tipp: Sie arbeiten in der Medien- und Kommunikationsbranche? Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.de und legen in der Personen-Datenbank "Köpfe" ein Profil an. Ihren Köpfe-Eintrag können Sie mit einem Passwort bequem selbst pflegen und aktualisieren. Mit Ihrem Profil können Sie sich auf kress.de - beispielsweise mit Kommentaren - präsentieren und sind zudem - wenn gewollt - auch im Netz leicht auffindbar. Wir als Redaktion verknüpfen die Kopf-Profile mit Personalmeldungen und präsentieren am Wochenende die populärsten Köpfe der Woche.  

Alle Neuzugänge bei den "Köpfen" finden Sie hier.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.