Chefredakteur Tom Strohschneider verlässt "neues deutschland"-Redaktion

14.11.2017
 

Seit Sommer 2012 ist Tom Strohschneider Chefredakteur von "neues deutschland". Zum 31. Dezember verlässt er die Redaktion der "Sozialistischen Tageszeitung" in Berlin. 

"Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich. Tom Strohschneider hat in den letzten fünf wirtschaftlich nicht einfachen Jahren mit enormer Tatkraft, großer Leidenschaft, journalistischer Qualität und intensivem physischen Einsatz das Gesicht und den Inhalt der Zeitung geprägt. Dafür gilt ihm der Dank aller, die mit ihm zusammenarbeiten konnten", so Redaktion und Verlag neues deutschland.

Ab sofort übernimmt der stellvertretende Chefredakteur Wolfgang Hübner bis zur Neuberufung einer Chefredakteurin oder eines Chefredakteurs die Leitung der Redaktion. Er gehört der Redaktion seit 1985, der Chefredaktion seit 2005 an.

Tom Strohschneider bleibt dem "nd" als Autor erhalten. Er wird darüber hinaus einen der Gesellschafter der ND GmbH, die communio eG, bei der Entwicklung neuer journalistischer Projekte beraten und unterstützen.

kress.de hatte Strohschneider im vergangenen Dezember interviewt. Zur Bedrohung der Pressefreiheit sagte er: "Die ökonomische Lage des Mediensektors hat zu Kosteneinsparungen bei der journalistischen Arbeit geführt, Redaktionen kaufen Teile der Berichterstattung hinzu, es entstehen rein betriebswirtschaftlich gedachte Contentcluster, es fehlt an Rechercheressourcen - die Folge: eine Tendenz zur inhaltlichen Vereinheitlichung, abnehmende Vielfalt, kurzum: weniger 'Vierte Gewalt'. Eine zweite "innere" Bedrohung: Wir bewegen uns viel zu oft in erregungsökonomisch funktionierenden Aufmerksamkeitszyklen und einer Art selbstbezüglichen 'medialen Blase'. Wo ruhige Analyse, tiefe Recherche, Einbettung in Hintergründe nötig wäre, dominiert zu oft das Rattenrennen der Eilmeldungen, exklusiven Vorabs und 'thematischen Säue', die durchs Dorf getrieben werden - und kurz darauf vom Radar verschwinden."

Hintergrund: Von 1946 bis 1989 war "Neues Deutschland" in der DDR das Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Ab Dezember 1989 bis Anfang 2007 befand sich die Zeitung über eine GmbH im Besitz der Nachfolgepartei PDS. Sie gehört seither jeweils zu 50 Prozent der Föderativen Verlags-, Consulting- und Handelsgesellschaft mbH - FEVAC, treuhänderisch für die Partei Die Linke mit 50 Prozent Nominalkapital, und der Communio Beteiligungsgenossenschaft eG. 

Geschäftsführer und Verlagsleiter von "nd" ist Olaf Koppe. Die verkaufte Auflage der Zeitung beträgt 25.643 Exemplare (IVW 3/2017).

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