Wie die Neuen Deutschen Medienmacher die Redaktionen vielfältiger machen möchten

30.11.2017
 
 

Zu einheitlich, zu konform, irgendwie auch alles zu ähnlich - während die Gesellschaft immer bunter wird, verändern sich immer noch zu wenige Redaktionen. Journalisten mit Migrationshintergrund sind auch 2017 zum Beispiel bei Regionalzeitungen Ausnahmen. Das wollen die Neuen Deutschen Medienmacher unter anderem mit ihrem Mentoring-Programm ändern, sagt Ebru Tasdemir, die gemeinsam mit Elisabeth Gregull und Rebecca Roth das NDM-Projektteam "Wege in den Journalismus" bildet. 

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr wurde das NDM-Mentorenprogramm nochmals neu aufgelegt - die aktuelle Bewerbungsfrist läuft. Und zwar noch bis 30. November. Also beeilen beim Bewerben!

Das Programm unterstützt 50 Journalisten und Journalistinnen mit Einwanderungsgeschichte auf ihrem Berufs- und Ausbildungsweg. Ein Jahr lang werden ihnen hochkarätige, erfahrene und gut vernetzte Mentoren beratend zur Seite stehen. Zusätzlich wird es Seminare und Redaktionsbesuche geben.
Die Voraussetzungen zur Teilnahme sind nicht an formale Bedingungen geknüpft. Außerdem gibt keine klassische Altersbeschränkung.

Bewerben können sich Medienmacher, die zum Beispiel versuchen, ein Volontariat zu ergattern, die gerade dabei sind, im Job Fuß zu fassen oder als Freie noch am Anfang stehen. Allerdings können auch berufserfahrene, internationale oder geflüchtete Journalisten teilnehmen, die einen Einstieg in die deutsche Medienlandschaft planen. Gute Deutschkenntnisse oder hervorragendes Englisch werden vorausgesetzt.

"Man sollte ungefähr wissen, was man will", beschreibt Ebru Tasdemir aus dem NDM-Projektteam den Grundanspruch, den Bewerber an sich selbst stellen sollten. "Wir wollen schon, dass durch freie Mitarbeit, ein Volontariat oder Ähnliches erste Erfahrungen vorhanden sind. Es kann aber auch sein, dass wir im persönlichen Gespräch merken, da gibt es ein großes Feuer und die Person hat großes Interesse", so Tasdemir.

Die von Mentoren betreuten Journalisten können sich auf ein breites Angebot freuen. "Sie nehmen beispielsweise an Seminarwochenenden teil, an denen unterschiedliche Themen wie: Wie vermarkte ich mich selbst? Wie arbeite ich international? Was brauche ich, um als Freier bestehen zu können? Oder auch ganz einfache Sachen wie Welche Versicherung brauche ich als Journalist? behandelt werden", sagt Ebru Tasdemir. 

Dabei versuchen die Mentoren, Chancen zum Networking zu schaffen. "Natürlich sprechen wir auch über Praktikumsmöglichkeiten oder bieten unseren Mentees die Teilnahme an Seminaren oder Panels an", so Tasdemir. "Normalerweise sind diese ja mit hohen Kosten verbunden, wir haben aber ein bestimmtes Kontingent und könne unsere Mentees auf einige Seminare oder Panels einladen."

Mit wem es die Journalisten zu tun bekommen werden? "Unsere Mentoren sind erfahrene, seit Jahren journalistisch tätige Kollegen, viele aus dem Bereich ÖR, viele Printjournalisten, freie Mitarbeiter, weil es ja eine besondere Leistung ist, als freier Mitarbeiter erfolgreich zu sein", beschreibt Ebru Tasdemir den Kreis der teilnehmenden Mentoren. "Es soll für jeden einen Match geben." Bislang haben sich bereits 180 Mentoren an dem Förderprogramm beteiligt, das schon seit dem Jahr 2010 läuft. Darunter befanden sich auch Hochkaräter wie Dunja Hayali im vergangenen Jahr oder Bernd Ullrich, der Leiter des Politikressorts bei der "Zeit". 

Bei der Zuordnung von "Schützling" und Mentor achten die Organisatoren auf möglichst gute Entsprechungen. "Wir haben einen sehr detaillierten Bewerbungsbogen, in dem schon ersichtlich wird, welcher Mentor zu wem passt", so Tasdemir. "Es reicht also nicht aus, wenn man im Bewerbungsbogen angibt, dass man Dunja Hayali möchte. Wichtig ist vielmehr, dass die Kriterien passen." So kam im vergangenen Jahr ein Mentee mit der ZDF-Moderatorin Dunja Hayali zusammen, die auch tatsächlich im Fernsehen arbeiten wollte. 

"Ein Migrationsbezug ist immer gut", sagt Ebru Tasdemir. Die viel beschworene "Diversity" kann natürlich die Redaktionen bereichern. "Es wurde ja bewiesen, dass Personalchefs mehr Leute einstellen, die ihnen ähnlich sind, weil sie dann wissen, was auf den Tisch kommt", kritisiert sie. "Aber das soll ja nicht so sein, es soll ja vielfältig sein. Wenn beispielsweise eine Kopftuchtragende eingestellt wird, soll sie wegen dem Kopftuch kein Paradiesvogel sein. Und das soll auch nicht das einzige Auswahlkriterium sein."

Im praktischen Alltag können die Generationen dagegen nur gewinnen, wie die NDM-Macher betonen. "Ich denke, es ist sehr wichtig, dass vor allem in Journalismus die Frage gestellt wird: 'Aus welcher Warte blicke ich auf die Welt?'. Und dabei zu beachten 'Was betrachte ich nicht?'", sagt Ebru Tasdemir. Außerdem bringen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund einen breiten Erfahrungsschatz - und nicht zuletzt wertvolle Sprachkenntnisse - mit. "Es ist etwas ganz anders, wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert und jemand in der Redaktion sitzt, der die die Nachrichten eins zu eins übersetzen kann."

Untersützt wird das Programm von vielfältiger Seite - und dabei nicht nur finanziell, sondern auch "ideell", wie Ebru Tasdemir betont. "Ideeller Förderer ist die Integrationsbeauftragte des Bundes, Frau Aydan Özoguz", sagt sie. Hinzu kommen unter anderem die Augstein Stiftung, taz Panter, die Fazit Stiftung, der Deutschlandfunk, SWR, RBB sowie weitere Stiftungen und öffentlich-rechtliche Redaktionen. "Durch die Förderer ist das ganze Programm für die Mentees kostenfrei", so Tasdemir. "Wir versuchen, zu 99% die Kosten zu decken und zahlen beispielsweise auch Fahrtkosten, denn sonst wäre es für Junge das Arbeiten unmöglich. Journalismus wäre dann nur denen möglich, die sich das leisten können. Und das soll ja nicht passieren." 

kress.de-Tipp: Hier geht's zum Mentoringprogramm der Neuen Deutschen Medienmacher. 

Von Rupert Sommer und Hilal Özcan.

 

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