Beginnen wir mit einem Geständnis, das nicht unbedingt dem Marktwert des Autors dieser Zeilen dient: Es ist wirklich sehr, sehr einfach, als Branchenjournalist zu arbeiten. Es gibt im Grunde nur zwei Voraussetzungen für diesen Job:

Nr. 1: Man muss eine gewisse Bereitschaft mitbringen, sein Körpergewicht durch Buffetessen und Alkohol zu ruinieren, um die richtigen Leute kennenzulernen, die einem dann eine möglichst große Anzahl an Indiskretionen zuraunen.

Nr. 2: Man darf nicht gegen die Omertà verstoßen, das Schweigegelübde der Branche. Das bedeutet: Man fragt seine Quellen nicht nach dem letzten Sex und man fragt seine Quellen nicht nach dem letzten Gehalt.

Nun ist es im Hinblick auf Voraussetzung zwei so, dass sich das Interesse des Publikums nun mal auf Sex und Geld konzentriert. Als Führungskräftemagazin für die Medienbranche überlassen wir die sachdienlichen Hinweise zu amourösen Ausschweifungen gerne den Kollegen, die sich darauf spezialisiert haben. In Sachen Vergütung dagegen nehmen wir mit der Titelgeschichte dieser Ausgabe einen Anlauf, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Bei den Recherchen für die "kress pro"-Titelgeschichte sind wir auf viel Schweigen gestoßen. Gerade die erste Reihe der Führungskräfte hat oft kein Interesse, Vergütungen öffentlich zu machen. Das häufigste Argument, das Vorstände und Geschäftsführer in informellen Gesprächen anbringen: Man fürchtet den Neid der anderen. Man fürchtet im Grunde, als Gutverdiener angeprangert zu werden. Die Sparrunden in der eigenen Belegschaft haben den Drang nach Transparenz auch nicht gerade beflügelt.

Man kann das Ganze so zusammenfassen: Topmanager in den Medien möchten zwar gut verdienen, sie möchten sich aber für den guten Verdienst nicht rechtfertigen müssen. Das überlassen sie lieber den Politikern, Sportlern oder Wirtschaftsgrößen, über deren Einkommen ihre Publikationen berichten.

Wir haben mit einigen Dutzend Führungskräften gesprochen und die Vergütungen auf der Basis der umfangreichen Recherche geschätzt. Anschließend konfrontierten wir die Topverdiener aus Management, Verlag und Redaktion mit diesen Schätzungen. Zusätzlich boten wir immer auch informelle Gespräche an, wenn jemand seine Schätzung nicht im On kommentieren mochte.

Die große Mehrheit der Angeschriebenen blieb cool und anerkannte das journalistische Interesse am Thema. Mancher, der seufzend nicht kommentieren mochte, erkundigte sich leichten Herzens nach den Gehältern der anderen. Nur einer drohte mit Klage.

Es ist in der Branche an der Zeit, das Thema Vergütung mit mehr Selbstbewusstsein anzugehen. Der Autor dieser Zeilen glaubt fest an das Prinzip der Leistungslöhne. Wer viel leistet, soll auch viel verdienen. Um allerdings eine Leistung zu bewerten, muss sie ins Verhältnis zur Bezahlung gesetzt werden.

Dazu kommt: Eine Branche, die für sich in Anspruch nimmt, die vierte Gewalt im Staat zu sein, sollte das Vergütungsniveau ihrer Spitzenkräfte nicht verschämt unter dem Deckel halten. Die Höhe des Verdienstes gibt auch Aufschluss über das Maß an Unabhängigkeit. Und wer in den eigenen Titeln Augenmaß bei Spitzenkräften in Wirtschaft und Gesellschaft fordert, sollte sich auch selbst daran messen lassen.

Der Umgang mit dem Thema ist in Deutschland merkwürdig verkrampft. Warum nicht mehr Transparenz wagen? Wenn Sie Chefredakteur sind: Rufen Sie mich einfach an, dann verrate ich Ihnen, was ich verdiene. Und Sie verraten mir, was Sie verdienen.

kress.de-Tipp: "Der große Gehaltsreport" ist in "kress pro"-Ausgabe 8/2017 (Oktober) erschienen. Die Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

Ihre Kommentare
Kopf

Gernot Zielonka

05.12.2017
!

Ein ziemlich trübsinniger Beginn des Beitrags. Warum soll man nicht wissen, was der/die Kollege/in verdient? Bei uns in USA z.B. ist das alles höchst transparent. Und weil Männlein wie Weiblein gerenell gleich verdienen, ist das ohnehin kein Problem. Nur im armseligen Deutschland ist das so.


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