"Die Ähnlichkeiten zwischen den Zeitungen und Hans-Joachim Fuhrmann sind verblüffend"

06.12.2017
 

Seit 1987 ist er für den BDZV und die deutschen Zeitungen im Dauer-Einsatz, zum Jahresende räumt er seinen Schreibtisch: Hans-Joachim Fuhrmann. In dieser Woche hat der BDZV seinen Leiter Kommunikation und Digitales, der auch Mitglied der Geschäftsleitung ist, mit einer Feier im Berliner SoHo-House verabschiedet. kress.de haben die Reden von BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff und Vizepräsident Richard Rebmann so gut gefallen, dass wir Sie Ihnen im Wortlaut präsentieren.

Dietmar Wolff kommen beim Nachdenken über Hans-Joachim Fuhrmann sein Chemie-Lehrer und die Zeitung als Medium in den Sinn. Er gibt seinem Kollegen ein besonderes Geschenk mit auf den Weg, das mit "Cappuccino-Espresso" zu tun hat. 

Richard Remann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH), betont in seiner Laudatio, dass Hans-Joachim Fuhrmann für die Entwicklung der Branche Gefahren und Herausforderungen in unvorstellbarer Art auf sich genommen habe - Rebman meint damit auch eine gemeinsame Fahrt in einer schlingernden Stretchlimousine, "mit hochgelegten Beinen auf Gepäckstücken") und die Begegnung mit einem echten Bären beim Skifahren in Kanada. 

Zudem berichtet Rebmann, wie aus der ersten BDZV-Arbeitsgruppe die Kaderschmiede der deutschen Verlagslandschaft wurde: "Ich glaube, kaum jemand der heutigen Führungskräfte in den Zeitungsverlagen war nicht für kurze oder längere Zeit Mitglied in dieser Arbeitsgruppe." Und auch in Rebmanns Rede geht es um Kaffee...

Begrüßungsrede von Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des BDZV:

Liebe Gäste, ich darf Sie herzlich im Namen des BDZV zu dieser Feier mit einzigartigem Ambiente im SoHo-House begrüßen. Wir freuen uns, dass so viele der Einladung gefolgt sind, um heute die Gelegenheit wahrzunehmen, Herrn Fuhrmann alles Gute für seinen neuen Lebensabschnitt zu wünschen. Der BDZV verbindet dies natürlich auch mit dem aufrichtigen Dank an Herrn Fuhrmann für seine treue und erfolgreiche Arbeit im Verband.

Wir haben über 100 Zusagen erhalten - und wenn alle angemeldeten Gäste tatsächlich kommen, was wir hoffen, dann Platzen die Räume hier fast aus den Nähten. Sie alle stehen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln in Kontakt mit Herrn Fuhrmann, etwa als Kollegen, Kolleginnen, Wegbegleiter oder Freunde. Einige von Ihnen hatten heute auch eine längere Anreise, um hier dabei sein zu können. Ich glaube, lieber Herr Fuhrmann, es gibt keine größere und schönere Wertschätzung als dieser Zuspruch, den Sie allein schon durch die Anwesenheit so zahlreicher Gäste hier erleben. Es ist nicht nur eine Anerkennung Ihrer professionellen Arbeit, sondern sicherlich auch Ihrer Person, Ihrer offenen und gewinnenden Art des Umgangs miteinander. Auf dieses und einiges mehr wollen wir heute noch einmal besonders zu sprechen kommen. Insbesondere durch unseren Vizepräsidenten Herrn Dr. Rebmann, der die Laudatio hält, gleich im Anschluss an meine Begrüßungsworte. Und danach wird auch noch kurz der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit im BDZV, Herr Peter-Stefan Herbst, das Wort ergreifen - für drei Minuten, wie er mir sagte. Da dürfen wir gespannt sein.

An Ihrer Seite, Herr Fuhrmann, darf ich ganz besonders Ihre liebe Frau Angela begrüßen. Sie, liebe Frau Fuhrmann, kennen ja auch einige der Gäste, weil Sie ja immer wieder einmal bei unseren Veranstaltungen vorbeigeschaut haben. Jetzt freuen Sie sich sicherlich, davon gehe ich jedenfalls aus, dass sie beide zukünftig noch mehr gemeinsame Zeit miteinander verbringen können als es bisher möglich war.

Lieber Herr Fuhrmann, mein Chemie-Lehrer in der Schule in unserem gemeinsamen heimatlichen Bad Godesberg - Sie wissen wovon ich Rede -  stellte sich in der ersten Chemie-Stunde vor die Klasse und rief voller Überzeugung und Leidenschaft: Alles ist Chemie! Der Tisch, die Luft, die Lampe, die Kleidung - alles ist Chemie. Ich werde das nie vergessen und habe dies seither als Orientierung und kleines Weltbild mit mir herumgetragen. Bis ich Herrn Fuhrmann begegnete. Kaum arbeiteten wir zusammen, unterhielten wir uns gleich zu Anfang über das jeweilige Verständnis von Verbandsarbeit. Es ging hin und her und am Ende rief er mir mit voller Überzeugung und Begeisterung zu: Alles ist Kommunikation! Die Medienpolitik, die Sozialpolitik, die Gremien - alles ist Kommunikation. Mein kleines Weltbild war zurechtgerückt. Wenn Herr Fuhrmann sagt, alles sei Kommunikation, dann sagt das jemand, der die Kommunikation nicht nur als Ganzes betrachtet, sondern sie auch als Ganzes lebt. Herr Fuhrmann ist ständig on air, ein Kommunikator mit Leib und Seele. Ob am Telefon, am Rednerpult, im jour fix oder in den sozialen Netzwerken - Herr Fuhrmann ist unterwegs. Zwischendurch auch mit Anekdötchen und rheinischem Humor.

Sein Handwerk als Journalist hat Herr Fuhrmann von der Pike auf gelernt. Zuvor hat er Kunst und Sport studiert. Künstler sind kreativ und Sportler sind präzise. Kreativität und Präzision zeichnen ihn bis heute aus. Wir haben in der Geschäftsstelle ein ums andere Mal hiervon profitiert - insbesondere, wenn es eng wurde und darauf ankam.

Sein journalistisches Können hat er bei der Kölnische/Bonner Rundschau sowie bei der Wochenzeitung Das Parlament unter Beweis gestellt. Seither ist Herr Fuhrmann mit dem Medium Zeitung engstens verbunden. Die Ähnlichkeiten zwischen den Zeitungen und Herrn Fuhrmann sind geradezu verblüffend: Beide sind täglich voller Geschichten, beide sind meinungsstark, haben eine klare Linie, bürsten dabei auch gegen den Strich, beide tragen viel Wissen mit sich herum und beide wollen auch immer alles ganz genau wissen, sie sind zuweilen auch sehr unterhaltsam, haben einen hohen Qualitätsanspruch, Gegendarstellungen - naja, nur wenn's sein muss, beide haben hohe Reichweiten, sie tummeln sich beide im Digitalen, wissen aber auch die Vorzüge des Haptischen sehr zu schätzen, beide erscheinen täglich mit neuen Ideen - und kommunizieren mit Spaß an der Freud. So sind sie, die Zeitungen und Herr Fuhrmann.

Lieber Herr Fuhrmann, all dies waren Sie nicht gleich von Anfang an, sondern Sie haben sich mit viel Engagement dorthin entwickelt. 1987 sind Sie beim BDZV als Redakteur in der Presseabteilung eingestiegen. Heute verabschieden wir Sie als Leiter Kommunikation & Multimedia, Mitglied der Geschäftsleitung, Geschäftsführer der ZV Akademie und Geschäftsführer des Kuratoriums Theodor-Wolff-Preis. Dazwischen liegen 30 Jahre leidenschaftliche Arbeit, Höhen und Tiefen und eine anhaltende Transformation der Branche, die alles bisher im Verband gewesene in den Schatten stellt.

Ganz besonderen Ehrgeiz, lieber Herr Fuhrmann, haben Sie entwickelt, wenn es galt, etwas Neues aufzubauen. Zuletzt bei der Neukonzeption der Öffentlichkeitsarbeit, aber auch zuvor etwa beim Theodor-Wolff-Preis oder bei unserer ZV-Service GmbH oder beim Thema Digitales. Immer nach dem Motto "wenn schon, dann richtig". Es ist dabei immer etwas Großes und Nachhaltiges entstanden.

Die Theodor-Wolff-Preisverleihung, ihre Gestaltung und Struktur trägt deutlich die Handschrift von Hans-Joachim Fuhrmann. Der TWP hat sich zum Journalistenpreis ersten Ranges in Deutschland entwickelt. Herr Fuhrmann, Sie haben aber auch die gläserne TWP-Skulptur zugelassen, von der der TWP-Moderator Jörg Thaddäus einmal sagte, "wer die erschaffen hat, muss vorher ordentlich gekifft haben".

Die ZV-Service GmbH hat Herr Fuhrmann zu einer erfolgreichen und renommierten Akademie weiterentwickelt. Unsere Mitarbeiter haben Spaß daran, bei den vielfältigen Veranstaltungen als Redner und Experten aufzutreten. Das strahlt positiv auf den BDZV ab.

Ganz besonders am Herzen lag Ihnen das Digitale, dessen potentielle Wucht Sie früh erkannt haben. Gemeinsam mit Herrn Dr. Rebmann haben Sie hier einiges bewegt. Herr Rebmann wird gleich sicher noch näher hierauf eingehen.

In den 30 Jahren beim BDZV haben Sie einige Präsidenten und Hauptgeschäftsführer kommen und gehen sehen und haben sich wahrscheinlich jeweils gedacht "Dat juckt mich nich - ich mach mein Ding weiter". Und das war gut so.

Jetzt aber ist Ihrer Ansicht nach die Zeit gekommen, sich selber den noch schöneren Dingen des Lebens zu widmen. Ihre Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle haben überlegt, was wir Ihnen mit auf den Weg geben könnten, das Sie ab und zu auch an uns in Berlin erinnert. Wir haben etwas gefunden. Wir haben wohl beobachtet, dass sie jeden Tag in der BDZV-Küche im 5. Stock an der multifunktionalen aber eben nur halbautomatischen Kaffeemaschine mit großer Hingabe und einigem Talent einen Cappuccino-Espresso zustande gebracht haben. Den Sie dann anschließend triumphierend und flötend in Ihr Büro beförderten. Auf diese warme Gaumen-Freude sollen Sie auch in Zukunft nicht verzichten müssen. Wir haben gesammelt und Ihnen eine entsprechende Maschine besorgt. Bei duftendem Kaffee dürfen Sie gerne noch lange an uns denken.

Lieber Herr Fuhrmann, im Namen aller Mitarbeiter und von Bönnsche Jung zu Bönnsche Jung darf ich Ihnen zurufen "Mach et joot, loss Dich ens bei uns blicke, mer freue uns drauf!" Und vergessen Sie nie: Alles ist Kommunikation. Danke, alles Gute, tschüss , lieber Herr Fuhrmann.    

Autor: Dietmar Wolff

Laudatio von Richard Rebmann, stellvertretender BDZV-Präsident:

Katrin Seddig, Das Dorf

Sie sitzt am Tisch und sieht den Teller an. Sie sieht das Essen an. Grüne Bohnen, Kartoffeln, eine Frikadelle, der Teller weiß, mit einem zerkratzten goldenen Rand. Sie erinnert sich noch, wie er war, als er noch neu war und glänzte. Sie weiß nicht, wann das Zerkratzen passiert ist. Sie wundert sich, weil es ihr sonst nicht aufgefallen ist. Plötzlich war es so, ohne dass es einen Übergang gegeben hätte. Die Kratzer sind plötzlich da gewesen. Das alt sein ist auch plötzlich da gewesen. Alles ist immer plötzlich da gewesen und es hat nie ein dazwischen gegeben. Vielleicht hat es ein dazwischen gegeben, aber das war auch nur jeweils ein Zustand, der mit einem Mal ganz plötzlich da gewesen ist. Es fließt alles ineinander. Als wäre das jetzt einfach so in das Früher eingebrochen.

Werte Gäste, liebe Angela, lieber Hans-Joachim, nicht dass hier etwas falsch verstanden wird, aber ich möchte Dich nicht mit einem alten zerkratzten Teller vergleichen. Als ich mich allerdings auf die heutige Ansprache vorbereitete und brav Zahlen, Daten und Fakten sammelte, aneinander reihte, um daraus eine Chronologie Deines Wirkens im und für den BDZV, unserer gemeinsamen Arbeit und auch Freundschaft aufzuzeichnen, las ich diese Stelle.

Und richtig ist doch, Jahreszahlen als solche sagen eigentlich wenig, um nicht zu sagen, nichts aus. Wer kann es sich wirklich vorstellen, was es bedeutet, 30 Jahre für einen Verband zu arbeiten, mit allen Herausforderungen, Veränderungen und Ansprüchen, die an einen persönlich herangetragen oder erwartet werden.

Und dies umso mehr, als Du ja nicht irgendein Mitarbeiter des Verbandes warst, sondern in der Geschäftsleitung derjenige, der als Kommunikationschef unsere Branche neben dem Hauptgeschäftsführer nach außen repräsentiert hat. So möchte ich mich auf die Einflüsse und Begebenheiten konzentrieren, die uns in der Vergangenheit verbunden haben, entsprechend dem Zitat von Alexander von Humboldt, wonach es im Grunde immer die Verbindungen mit Menschen sind, die dem Leben seinen Wert geben.

Obwohl wir beide lange für die digitalen Ereignisse in unserer Branche Verantwortung übernahmen, sind wir dem Grunde nach analoge Typen.

Wir reden gerne, treffen uns lieber persönlich als zu skypen oder zu mailen, gehören zu denen, die sich noch an einem schön formulierten und vielleicht sogar handschriftlich geschriebenen Brief, auch wenn er gelegentlich, wie in meinem Fall, unleserlich ist, erfreuen.

Lieber Hans-Joachim, ich weiß nicht, ob ich Dir gerecht werden kann, aber ich möchte auf einige Ereignisse eingehen, die für Dich persönlich, aber auch für den Verband in den vergangenen Jahren von Bedeutung waren und sind, denn unser Wirken hört ja nicht auf, wenn wir die Stelle wechseln oder in den Ruhestand treten. Andere bauen darauf auf, korrigieren gelegentlich, aber das Erarbeitete, Erdachte, Gedachte, wird dadurch ja nicht hinfällig.

Warum stehe ich heute hier mag sich der eine oder andere fragen. Nun ja, die Antwort ist relativ einfach. Zusammengebracht haben uns die Null und die Eins, will heißen, die digitale Entwicklung, die Betroffenheit und Herausforderungen für die Zeitungsverlage Anfang der 90er-Jahre. In Baden-Württemberg war das Mitglied des Präsidiums, Herr Eberhard Ebner, der Auffassung, dass ein damals jüngerer, aus Baden-Württemberg stammender Verleger in das Präsidium einziehen sollte. Damals konnte man nur in das Präsidium kommen, wenn man geraume Zeit eine Arbeitsgruppe geleitet hat. Damals, das war die Zeit als der BDZV noch in Bonn war, die Verlage sich mit Themen wie Altpapierverordnung und Tarifverträgen befassten, aber das Internet tauchte am Horizont auf, ohne dass irgendjemand von uns wissen konnte, welche radikalen Umwälzungen damit einhergehen.

Aber immerhin der Verband hat es erkannt, darum müssen wir uns kümmern. Und so wurde eine Art "Ad-hoc-Arbeitsgruppe" zusammengerufen, mit all den Verlagen, die irgendetwas in diesem Bereich machten und investierten. Mein historischer Fehler lag darin, in der ersten Sitzung dieser Arbeitsgruppe etwas zu sagen, und so nahm das Schicksal seinen Lauf, ich wurde Vorsitzender der AG Elektronisch Publizieren.

Innerhalb des Verbandes brauchte man nun ja eine entsprechende Zuständigkeit, und ich weiß nicht genau, wie man auf Dich, Hans-Joachim, gekommen ist. Der Bereich Kommunikation war ja auch damals schon herausfordernd und belastend, aber u. U. lag es daran, dass wir fast gleich alt sind, oder man dachte, mit den beiden kann man nicht viel kaputt machen, jetzt probieren wir es einfach einmal.

Und so begannen wir mit den ersten Arbeitsgruppensitzungen, reisten vier bis fünf Mal im Jahr durch die Verlagswelt in der Dachregion, um mit der Arbeitsgruppe, die zeitweise bis zu 40 Mitglieder umfasste, Neues kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen, aber auch Themen, die für unsere Branche wichtig waren zu diskutieren und Standards zu setzen. Fragen, wie wird denn zukünftig Informationsbeschaffung, -bearbeitung und -verbreitung aussehen, wie wird Werbung funktionieren, wie schützen wir auch unsere Zeitungen vor diesen neuen Entwicklungen und können trotzdem daran partizipieren. Und so wurde aus dieser Gruppe im Laufe der Zeit die Kaderschmiede der deutschen Verlagslandschaft. Ich glaube, kaum jemand der heutigen Führungskräfte in den Zeitungsverlagen war nicht für kurze oder längere Zeit Mitglied in dieser Arbeitsgruppe. Dieses Netzwerk funktioniert bis heute, und was gibt es Besseres für einen Verband, wenn die Verbandsmitglieder und ihre Führungskräfte eine Beziehung zu ihrem Verband aufbauen.

Aus der Arbeitsgruppe heraus wurden die noch heute gültigen Währungen für die Messung der Werbung im Internet entwickelt, fingen wir an mit den Hits, waren es nach einiger Zeit die Page Impressions und die Visits sowie die Unique User, wir haben uns mit der ZMG, dem VDZ und anderen Verbänden abgestimmt, um Themen zu setzen, und haben plötzlich auch ganz neue Wettbewerber entdeckt, die wir bis heute haben. Seien es die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit ihren Internetangeboten oder die öffentlich-rechtlichen Gebietsköperschaften mit ihren Online-Auftritten. Hartnäckig und unerbittlich in der Sache haben wir es dann doch erreicht, dass Alfred Biolek seine Bratpfannen, die er im Zusammenhang mit seiner Kochsendung veräußerte, nicht mehr über den Internetauftritt der öffentlich-rechtlichen Sender verkaufen durfte. Aus der Arbeitsgruppe Elektronisch Publizieren ist die OMS entstanden, auch heute noch der Online-Vermarkter der regionalen Zeitungsverlage, zwar mit einer wechselvollen Geschichte, aber in unserer schnelllebigen Zeit ist diese Gemeinschaft ein Erfolg an und für sich.

Nachdem die Politik der Auffassung war, dass Nachrichten und Informationen dem Grunde nach keinen wirtschaftlichen Wert haben und deshalb den Pressespiegel-Paragraphen für elektronische Pressespiegel öffnen wollte, will heißen, jeder hätte im Rahmen eines Pressespiegels diesen kostenlos weiterverbreiten dürfen und sogar neue Produkte daraus gestalten, haben wir eine Organisation aufgebaut, die heute flächendeckend für alle Zeitungsverlage in Deutschland urheberrechtlich geschützte Pressespiegel anbietet, nämlich die Pressemonitorgesellschaft.

Nicht verhehlen möchte ich aber auch, dass die Arbeitsgemeinschaft Elektronisch Publizieren in manchen Dingen zu schnell war. Die Veränderung in den Rubrikenmärkten vor Augen, waren wir der Meinung, eine Lösung könnte darin bestehen, dass wir für alle Verlage eine fakultative gemeinsame Online-Rubrikenplattform aufbauen. Von den Gesellschaftsverträgen über die Geschäftsmodelle war alles fertig, wir haben dies nach viel Arbeit auf einer Delegiertenversammlung präsentiert und auch ein mehrheitliches Votum dafür bekommen, wurden dann allerdings im unmittelbaren Anschluss an die Delegiertenversammlung von einigen größeren Häusern vertrauensvoll zur Seite genommen, die an einem ähnlichen Modell arbeiteten, aber eben nicht für alle, sondern für einige wenige. Das daraus letzten Endes Versum entstand, mit hohen Verlusten für die teilnehmenden Verlage, sei hier nur der Vollständigkeit halber und natürlich ohne jede Schadenfreude erwähnt, allerdings glaube ich, dass der Weg des BDZV der bessere gewesen wäre.

Ähnlich ging es uns bei dem Thema Local search: Wie kommen Kunden an lokale Inhalte und wie können hier die Lokal- und Regionalzeitungen gemeinsam agieren, auch hierfür hatten wir ein Geschäftsmodell und eine Plattform entdeckt. Schlauer geworden aus den Erfahrungen mit Versum, haben wir das Thema aber ausführlich im Erweiterten Präsidium diskutiert und dort wurde dann die Entscheidung getroffen, es solle keine unternehmerische Aktivität des BDZV geben. Wie der Verband insgesamt, so war natürlich auch unsere Arbeitsgruppe immer unterfinanziert. Der strenge Haushälter, Herr Pütz, gab uns im Grunde genommen keine Mittel, weshalb wir uns, wie bereits gesagt, durch die Republik futterten und uns bei den Verlagen einluden, aber sobald es um Studien, Personal etc. ging, hatten wir ein Problem. Nicht nur aus der Not heraus - wir wollten auch zeigen, dass die Branche sich der digitalen Herausforderung stellt - entstand die Idee eines Kongresses. Am Anfang, in Zusammenarbeit mit der IFRA, haben wir ein Konzept entwickelt, dass im Grunde genommen bis heute besteht. Eine Veranstaltung, bei der die Teilnehmer bezahlen, weil sie ein hochinteressantes, attraktives Programm mit vielen Informationen erhalten. Daraus entstand die Veranstaltung Zeitung Digital. Da Du, Hans-Joachim, ja auch für den Zeitungskongress mitverantwortlich warst, hast Du Dich dieser Thematik mit großem Eifer angenommen, Programm, Referenten und Veranstaltungsorte gesucht und gefunden, und unser Geschäftsmodell war insofern genial, weil wir ab der ersten Veranstaltung einen Gewinn erzielten. Wenn ich mich nicht allzu sehr täusche, war es ein Betrag um die 70.000 €. Damit war natürlich die nächste Aufgabe gegeben: Wie verhindern wir es, dass dieses Geld in den BDZV-Topf und damit für uns unerreichbar auf Nimmerwiedersehen verschwindet? So haben wir es zunächst bei der IFRA geparkt und dann sukzessive in die ZV GmbH überführt. Plötzlich war die Arbeitsgruppe Elektronisch Publizieren wohlhabend, dies verschleierten wir aber, um nicht zu riskieren, dass die Einladungen plötzlich ausbleiben.

Das Geld war leider immer eine schwierige Begleiterscheinung. Der BDZV ist ja sparsamer als die Schwaben, was viel heißen will. Ich weiß nicht, welche Kaffeemaschine Herr Wolff vorher angesprochen hat, aber der Kaffee, den es beim BDZV gibt, war und ist erbärmlich. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, dem Verband eine Espressomaschine, eine Saeco Royal, im Wert von 1.000 € zur Verfügung zu stellen, damit wenigstens anlässlich der vielen Besprechungen in Berlin, für einen ordentlichen Cappuccino oder Espresso gesorgt war.

Wir haben in diesen vielen Jahren viel erlebt, in besonderer Erinnerung bleibt mir beispielsweise unsere IFRA-WAN-Study-Tour in die USA. Wir organisierten eine internationale Reisegruppe und reisten für 10 oder 12 Tage durch verschiedene Verlage an der Ostküste, wobei mich die Sorge des damaligen Vorstandsvorsitzenden von USA Today am meisten beeindruckte, der das Problem hatte, wie er seinen mehrere Milliarden schweren jährlichen Gewinn wieder angelegen kann. Ich glaube, diese Sorgen hat er nicht mehr. Die Reise ging über Boston, New York und Washington in das Landesinnere und wieder zurück, und wir haben dabei viel - oder sollte man besser sagen - zu viel erlebt. Natürlich waren wir bestrebt, ein möglichst reichhaltiges und interessantes Programm zu machen, was aber dazu führte, dass wir in der Metropolitan geschlossen eingeschlafen sind. Ich glaube, wir waren auch noch in einem Musical in Washington, in einem Jazz-Club etc. In besonderer Erinnerung ist mir eine Fahrt in der Stretchlimousine, die uns vom Flughafen abholte. Stretchlimousinen mögen ja von außen relativ groß sein, dies gilt aber nicht für ihren Kofferraum. Deshalb gingen maximal ein bis zwei Koffer in den Kofferraum und alles andere musste zwischen den an den Fahrzeugwänden entlang laufenden Sitzbänken verstaut werden. Aufgrund der abgedunkelten Scheiben, ohne Sicht nach außen und mit einem amerikanischen Fahrwerk auf Schlingerkurs Richtung Stadtmitte, mit hochgelegten Beinen auf den Gepäckstücken, führte der Ausspruch von Martin Balle nach wenigen Minuten zu erstauntem und gespanntem Schweigen, indem er sagte: "Noch eine Kurve und ich kotze".

Meine Damen und Herren, liebe Gäste, wie Sie sehen, hat Herr Fuhrmann für die Entwicklung unserer Branche Gefahren und Herausforderungen in unvorstellbarer Art auf sich genommen, so beispielsweise auch, als wir uns beim INMA-Kongress in Vancouver über die digitalen Entwicklungen informieren wollten. An einem freien Nachmittag fuhren wir mit dem Mietwagen nach Whistler Mountain, um uns das Skigebiet anzusehen, waren und sind wir doch beide begeisterte Skifahrer. Von Whistler Mountain hochschwebend in das Skigebiet teilten wir unsere Kabine mit einem Skilehrer indianischer Herkunft, mit dem Namen Crooked Nose, und der Name war hier wirklich Programm, so auch seinen Schülern. Als wir auf die Skipiste schauten, bewegte sich plötzlich ein Busch, und bei näherem erstaunten und ungläubigem Hinsehen, war zu erkennen, dass hier ein Bär aus dem Winterschlaf erwachte und sich daran machte, in unmittelbarer Nähe der Skifahrer über die Piste zu trotten. Crooked Nose war weniger erstaunt, doch der Junge, der aus Boston stammte, schaute schon etwas kritisch zu seinem indianischen Skilehrer hoch, und ich glaube, wir beide haben beschlossen, hier nicht Ski zu fahren. Auf jeden Fall waren wir nach dem Besuch des Skigebietes noch so mit dem Bären befasst, dass wir sehr lange brauchten, bis wir unser Auto wieder in der richtigen Tiefgarage fanden und zu unserer Schande, ich glaube drei bis vier Mal zur Rezeption des Hotels mussten, um zu fragen, wo denn unser Auto stehen könnte.

Es gab aber auch schöne Skierlebnisse, so anlässlich des deutschsprachigen Präsidientreffens in Flims-Laax, wo ich die Verbandsmitarbeiter, und hier natürlich diejenigen, mit einer journalistischen Fortbildung und beruflichen Prägung davon überzeugen konnte, dass die frühen Morgenstunden auf der Piste die schönsten sind. So waren wir alle pünktlich in der ersten Gondel und hatten einen wunderschönen Tag und durften auch erleben, dass wir beide und die Kollegin aus Österreich weit besser fuhren als der frühere Mitarbeiter des BDZV, dessen Name mit Las... begann und mit ...ki endete, der von sich behauptete, er habe die Ausbildung als Skilehrer.

Viele, viele Anekdoten gäbe es noch zu berichten, aber das würde hier den inhaltlichen und zeitlichen Rahmen sprengen. Lieber Hans-Joachim, ich durfte Dich als Mitmenschen kennenlernen, der sich 150%-ig um seine Arbeit und Aufgabe kümmert, manchmal für unser hartes Geschäft vielleicht etwas zu sensibel und aufgrund Deiner Perfektion, die Du auch von anderen erwartet hast, manchmal doch enttäuscht warst, dass andere nicht so mitzogen, wie Du das erwartet hast.

Du bist jemand, der unter Druck hervorragend arbeitet, was natürlich dazu führt, dass derjenige, der auf Unterlagen wartet, manchmal etwas auf heißen Kohlen sitzt, wenn Ereignisse näher kommen.

Aber zumindest einmal, und dann wahrscheinlich genau an der richtigen und entscheidenden Stelle, hast Du, um es flapsig und umgangssprachlich auszudrücken, nichts anbrennen lassen. Vor ca. 10 Jahren veranstalteten Irene und ich eine etwas größere Feier und wie es halt so ist, sind bei den Gästen auch einige Singles dabei. Große Frage: Was macht man mit denen? Wir haben uns dazu entschieden es so zu machen, wie bei Familienfeiern mit dem Kindertisch und haben so einfach mal alle Singles an einen Tisch gesetzt, ohne zu wissen, was dabei passieren kann. Details seien hier aus Höflichkeit und aus Rücksicht auf die anwesenden Protagonisten verschwiegen. Aber seit diesem Tag seid Ihr, also Du, Angela, und Du, Hans-Joachim, ein Paar. Wir bedauern dies zwar, weil Du damit Angela aus dem beschaulichen Oberndorf in das ferne und weniger beschauliche Berlin entführt hast und sie jetzt noch in das Ahrtal mitschleppst, von dem ich ehrlich gesagt nicht mal genau weiß, wo es liegt.

Aber seit dieser Zeit bist Du, Hans-Joachim, Oberndorf und damit auch der dortigen Zeitung, nämlich dem Schwarzwälder Boten besonders verbunden, weil Dich anfänglich, als Angela noch in Oberndorf wohnte, das Geschehen in dieser Metropole besonders interessierte, aber Du auch als Journalist erkannt hast, mit welchem Fleiß aus dieser Kleinstadt heraus was für eine gute Zeitung gemacht wird. Wir haben Dich und Angela auch bei einzelnen Festen in Oberndorf begrüßen dürfen. Ich habe mir einige Zeit überlegt, was ein passendes Abschieds- oder Erinnerungsgeschenk wäre. Am Nikolaustag könnte man auf die Idee kommen, einen Nikolaus zu verschenken, was zwar witzig sein mag, aber nichts mit Dir zu tun hat. Deshalb darf ich Dir jetzt eine Figur überreichen, die den Schwarzwälder Boten symbolisiert, und der in Oberndorf nur an verdiente und langjährige Mitarbeiter und Gremienmitglieder übergeben wird.

Insofern darf ich Dich jetzt kraft Amtes, d. h. als Verleger des Schwarzwälder Boten, zum "Ehrenschwarzwälder" ernennen, wobei es außer der Ehre nichts gibt, um hier Rückfragen gleich im Keime zu ersticken.

Für Dich, liebe Angela, werden wir ein Blumengeschenk in das neue Heim schicken mit der Bitte, dass Du auf den Schwarzwälder im Rheinland gut aufpasst.

Lieber Hans-Joachim, im Namen des Präsidium des BDZV, danke ich Dir ganz herzlich für das Geleistete, wünsche Dir und Angela eine glückliche Zeit und freue mich auf die weiteren Begegnungen und Treffen, und bei Ihnen, meine sehr geehrte Damen und Herren, bedanke ich mich sehr herzlich für die Aufmerksamkeit.

Autor: Richard Rebmann

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