Trend 2018: Künstliche Intelligenz automatisiert die Inhalteproduktion

10.12.2017
 
 

In vielen Bereichen beginnt Künstliche Intelligenz (KI), Einfluss auf die Medienlandschaft zu nehmen. Diese Effekte werden sich 2018 ausweiten. Amazons Alexa spielt heute schon meine Wunschmusik und liest die Nachrichten vor. Mit dem Schwenk von Google, statt des alten "Mobile First" auf "Artifical Intelligence First" als neue Konzernstrategie zu wechseln, werden wir nicht nur von hier viele neue "intelligente" Dienste und Medieninhalte in den kommenden Jahren erleben. Denn maschinelles Lernen und Natural Language Processing sind dank immer leistungsfähigerer Rechner so weit entwickelt, dass die Ergebnisse (zumindest teilweise) überzeugen können. Ein Ausblick von Klaus Goldhammer.

 

In vielen Bereichen beginnt Künstliche Intelligenz (KI), Einfluss auf die Medienlandschaft zu nehmen. Diese Effekte werden sich 2018 ausweiten. Amazons Alexa spielt heute schon meine Wunschmusik und liest die Nachrichten vor. Mit dem Schwenk von Google, statt des alten "Mobile First" auf "Artifical Intelligence First" als neue Konzernstrategie zu wechseln, werden wir nicht nur von hier viele neue "intelligente" Dienste und Medieninhalte in den kommenden Jahren erleben. Denn maschinelles Lernen und Natural Language Processing sind dank immer leistungsfähigerer Rechner so weit entwickelt, dass die Ergebnisse (zumindest teilweise) überzeugen können.

Diese Entwicklung reicht weit über 2018 hinaus. 2026, so prognostiziert die BBC in einer eigenen Studie, können rund 90 Prozent aller Nachrichten von Roboterjournalisten produziert werden.  - Die Frage bei diesem Trend ist also nicht mehr ob, sondern wie hoch der Anteil dank KI automatisch generierter Medien und Inhalte im Jahr 2018 bereits sein wird. Die ersten Ansätze sind heute schon erkennbar:

Datengetriebene Medienhinhalte und sogenannter Roboterjournalismus (besser: Data Driven Media) etablieren sich in allen Bereichen des klassischen Journalismus: Ob bei der Produktion von Nachrichtentexten (für Bereiche wie Wetter, Verkehr, Börse, Sport- und Polizeimeldungen oder Erdbeben), bei der Produktion, Betextung und Distribution von Videos, der Generierung von Websites und Landingpages oder der Komposition von Popmusik. In vielen Bereichen starten KI-Projekte, die klassische Autoren und Medienschaffende ablösen und automatisiert Inhalte erstellen.

Beispiel Fußball

Die rtr textengine des Berliner Unternehmens Retresco wird in der aktuellen Fußballsaison rund zweieinhalb Millionen Texte schreiben - für nahezu jede Liga Deutschlands, von der Bundesliga bis zur Kreisklasse . Das sind mehr als 70.000 Berichte pro Wochenende. Automatisch liegen vier Stunden nach Spielende die Berichte vor. Ob auf Fussball.de, dem Portal des DFB oder Reviersport.de, dem Fußballportal der WAZ-Gruppe. Dazu braucht Retresco vor allem die Spielberichte der Schiedsrichter, in denen für jedes Spiel das Ergebnis, die Tore und Schützen, rote und gelbe Karten usw. aufgeführt sind. Zeitungsverlagen bietet sich damit die Möglichkeit, für alle Spiele in allen Ligen innerhalb ihres Verbreitungsgebietes einen ausformulierten Bericht zu präsentieren, was niemals durch eine Redaktion realisiert werden könnte.  Diese Art von Output-Steigerung werden wir 2018 allerorten erleben.

Überall dort, wo größere Mengen struktureller Informationen vorliegen, können datengetriebene Inhalte erfolgreich produziert werden. Auch Berichte, z.B. über Wahlergebnisse oder Fernsehprogramme, Kochrezepte oder Katalogtexte, lassen sich daher mit Data Driven Media leicht umsetzen. Je größer die Bandbreite an verfügbaren Daten und Informationen ist, um daraus aktuelle Inhalte zu produzieren, umso lebendiger und glaubwürdiger sind die Ergebnisse. Mit wachsender Leistungsfähigkeit der KI-Systeme werden dann statt der klassischen regelbasierten Algorithmen auch selbstlernende Systeme kommen, die immer besser texten und schneiden, komponieren und präsentieren.

KI-basierte Medieninhalte werden in den nächsten Jahren dennoch keine Journalismuspreise gewinnen. Aber: In ersten Akzeptanzstudien loben die Nutzer die informative Art, die Objektivität und Glaubwürdigkeit der Beiträge (vgl. Clerwall, 2014).

Data Driven Media machen nicht halt bei den Medieninhalten

Auch Werbung wird immer häufiger automatisch generiert werden. So beinhaltet der rasant wachsende Markt für Programmatic Advertising, wo bereits pro Online-Kontakt ein automatischer Buchungsprozess erfolgt, auch die Chance für mehr Programmatic Creation. Mit einem modularen Kreativbaukasten werden Marketingbotschaften und die Ausrichtung auf verschiedene Zielgruppen in deren jeweiliger Nutzungssituation passend und automatisch in Echtzeit gestaltet: Wer morgens im sonnigen Freiburg nach Joggingstrecken sucht, bekommt (mit anderen Bildern, Texten und Botschaften versehen) auch andere Laufschuhe angeboten als abends im verregneten Hamburg.

Ungefähr ab dem Jahr 2035 - so verspricht Ray Kurzweil, Chef der Singularity University - wird die Rechenleistung von Computerchips die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns übersteigen. Zwar werden die Maschinen ab dann sicherlich nicht generell intelligenter sein, aber schon zuvor wird immer mehr Künstliche Intelligenz auch im Medienbereich Kreativität und Inhalteproduktion automatisieren. Ob wir wollen oder nicht: KI-Medien sind häufig günstiger, leistungsfähiger, schneller und oftmals gut genug.

Autor: Klaus Goldhammer, Geschäftsführer Goldmedia

Hintergrund: Der Artikel ist Teil des Goldmedia Trendmonitors 2018, der exklusiv auf kress.de erscheint. Goldmedia gibt im Trendmonitor alljährlich in Form von Analysten-Kommentaren einen Ausblick auf relevante Trends in den Bereichen Medien, Internet und Telekommunikation des kommenden Jahres in Deutschland. www.Goldmedia.com

 

Ihre Kommentare
Kopf

Claudia Ludwig

08.12.2017
!

Kreativität, die "automatisiert wird", ist keine mehr. Und eine Inhalteproduktion, die "gut genug" ist, weil günstiger und schneller, verspricht sicher keine Spannung - KI: schöne langweilige mittelmäßige Welt - aber günstig und gut genug!


Peter Hülsmann

11.12.2017
!

Also, wenn ich das lese, dann frage ich mich echt, ob es nicht langsam lächerlich wird: Ich meine, ein Trend zu selbst erstellten Medien/Texten, den dann demnächst wahrscheinlich die Chatbots auswerten und lesen.

Im Ernst: Hier steht ein bisschen drunter: "Das Ende der Kostenloskultur: Die Zahlungsbereitschaft für Medieninhalte im Netz wächst"

Soll ich also demnächst Gedl dafür ausgeben, dass eine Roboter einen Text formuliert?? Klasse!


Torsten

11.12.2017
!

Das Wintersemester - Informatik - läuft zwar schon, aber im Proseminar für den Sommer sind sicher Plätze frei! Dann kann Herr Goldhammer sich auch erklären lassen, worin der Unterschied zwischen Intelligenz und einem Algorithmus besteht. Und warum erstere keine, letztere aber sehr wohl strukturierte Daten braucht, um passable Ergebnisse zu liefern.

Aber hey, eines werden wir dank solcher Beiträge auch noch in 40 Jahren besser können als die KI: Buzzwords droppen ohne sie zu verstehen.


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