Styria-Chef Markus Mair: "Chancen gegen globale Anbieter entstehen immer durch mehr Marktnähe"

15.12.2017
 

Die österreichische Styria Media Group ist ein regionales Medienhaus und zugleich ein internationaler Player. Im Interview sagt CEO Markus Mair, wie er die Angriffe globaler Anbieter und ausländischer Medienhäuser abwehrt. Und wie es ist, wenn die Kirche der Eigentümer ist.

"kress pro": Als erfolgreichste bisherige Geschäftserweiterung gilt der digitale Marktplatz Willhaben - Ihr Joint Venture mit Schibsted. Könnte die Styria künftig auch Dinge wie Uber oder Airbnb betreiben?

Markus Mair: Wichtig ist, sich regional zu perfektionieren, hier eine gute Marktposition zu entwickeln. Dann kann man über vieles nachdenken. In kleinen Schritten tun wir das ja auch. In Kroatien und Slowenien, wo wir im Grunde genommen mit njuskalo.hr und bolha.com nichts anderes machen als mit Willhaben in Österreich. Aber mit starker regionaler Anbindung. Unsere Chancen gegen die globalen Anbieter entstehen immer durch mehr Marktnähe.

"kress pro": Sie haben aber gerade das Engagement in Südosteuropa deutlich zurückgenommen. Eine Gesundschrumpfung?

Markus Mair: Gesundschrumpfen würde ich nicht sagen, sondern fokussieren. Wir konzentrieren uns auf das, was wir wirklich gut können. Deshalb haben wir auch schon Engagements beendet: weil wir es eben nicht so gut konnten. Die Marktplätze aber sind das jeweils Beste auf den Märkten, in denen wir uns bewegen. Die Konzentration auf Kernkompetenzen ist ganz wichtig, damit man sich nicht verläuft auf zu vielen Nebenschauplätzen.

"kress pro": Wie hilfreich ist für Sie denn Ihr ganz besonderer Eigentümer - ein katholischer Medienverein, letztlich also die Kirche?

Markus Mair: Das Gute ist, dass unser Eigentümer nicht vom Geld getrieben ist, sondern nach den Devisen handelt: Orientierung geben, Vertrauen schaffen, Gemeinschaft unterstützen. Das sichert uns einen großen Freiraum. Wir hören also nicht jeden Tag vom Eigentümer: Wir wollen mehr.

"kress pro": Ihr Eigentümer fordert nicht permanent Dividenden. Sie können Gewinne also wieder investieren.

Markus Mair: Gleichzeitig haben wir dadurch aber keinen Kapitalgeber mit großen Reserven, der uns möglicherweise für Expansionen 100 Millionen Euro zur Verfügung stellt.

"kress pro": Kein anderer Medienverein hat sich derart expansiv entwickelt wie die Styria. Da liegt die Frage nach weiteren Expansionsmöglichkeiten nahe.

Markus Mair: Aktuell ist unser Fokus, die Markpositionen zu halten, die Qualität zu verbessern, digital stärker zu werden. Die "Kleine Zeitung" z. B. ist digital in einer ganz anderen Position als bei Print. Unser Ziel ist ganz klar, digital jene Positionen einzunehmen, die wir im Printbereich haben. Da liegt noch ein Stück Arbeit vor uns. Das gilt für die Steiermark und Kärnten. Strategisch ist sukzessive das, was wir heute machen, zu perfektionieren. Dann können wir darüber nachdenken, auch in andere Märkte zu gehen.

"Der Kern der 'Presse' besteht aus Handwerk und Hirnschmalz. Und so soll es auch bleiben."

"kress pro": Inwieweit verfolgen Sie als Eigentümer der "Presse" jene Schritte, die Ihr Mitbewerber "Standard" nun durch digitale Erweiterung Richtung Deutschland setzt?

Markus Mair: Der "Standard" verfolgt ein anderes Geschäftsmodell. Dort geht es immer mehr um Community-Plattformen. Angefangen hat es mit den Postings - also den Austausch untereinander zu bestimmten Themenstellungen als Reichweitenmodell zu nehmen. Da werden sich "Standard" und "Presse" künftig wohl noch mehr unterscheiden als bisher. Ich will den Begriff Qualitätszeitung dafür nicht überstrapazieren. Aber dabei geht es um Tiefe, quasi die Königsdisziplin des Journalistischen. Wir wollen ganz klar diesen Weg gehen und nicht den anderen, wo vor allem Content von Usern die Reichweite treibt. Mit solch einem Modell nach Deutschland zu gehen, ist etwas ganz anderes als mit einem journalistischen Modell - neben einer "FAZ", einer "Süddeutschen", einer "Zeit". Wichtiger erscheint mir, mit der "Presse" alles abzufangen, was von außen nach Österreich kommt. Den Auslands-Traffic auf diepresse.com zu erhöhen, die Auslandsösterreicher als primä- res heimisches Medium zu erreichen. Da sind wir noch lange nicht fertig. Da bieten E-Paper und diepresse.com ganz andere Möglichkeiten als früher die Tageszeitung.

"kress pro": Publizistisch betrachtet sind Algorithmen für die "Presse", für die Styria kein Thema?

Markus Mair: Publizistisch betrachtet im Qualitätszeitungsbereich ist das für uns kein Thema. Das soll aber nicht heißen, dass eine Qualitätszeitung keine Teile algorithmisch erstellter Inhalte haben kann. Aber der Kern der "Presse" besteht aus Handwerk und Hirnschmalz. Und so soll es auch bleiben.

kress.de-Tipp: Der Text  ist ein Auszug aus dem Interview von Peter Plaikner mit Styria-CEO Markus Mair, das in "kress pro" erschienen ist. Darin äußert sich Mair auch zum schwierigen Verhältnis mit der Politik. Die entsprechende Ausgabe 8/2017 (Oktober) gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. 

Zur Person: Der Chef der Styria Group Markus Mair (Jahrgang 1964) ist seit 1. Oktober 2013 Vorstandsvorsitzender und diente dem Unternehmen zuvor bereits ab 2009 im Aufsichtsrat. Der einstige Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank Steiermark hat erste Berufserfahrungen als parlamentarischer Mitarbeiter gesammelt. Als Styria-Chef ist er auch Nachnachfolger von Horst Pirker (Jahrgang 1959), in dessen CEO-Phase von 1999 bis Herbst 2010 das regionale Medienhaus eine rasante (inter-)nationale Expansion vollzogen hat. Die international tätige Styria Media Group ist mit 430 Millionen Euro Marktumsatz und 3.000 Mitarbeitern neben der Mediaprint Österreichs größtes privatwirtschaftliches Medienhaus hinter dem öffentlich-rechtlichen ORF. Das in Graz ansässige Unternehmen im Eigentum der "Katholischer Medienverein Privatstiftung" verfügt mit "Kleine Zeitung", "Die Presse", "Veernji List" und "24sata" über starke Tageszeitungen in Österreich und Kroatien. Es besitzt Magazine, Radios und Österreichs größten Online-Vermarkter. Seine Joint Ventures mit der norwegischen Schibsted (Willhaben) und der Tiroler Moser Holding (Regionalmedien Austria) sind hier die führenden digitalen Marktplätze und Wochenzeitungsringe.

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