"Aus Liebe zum Fußball": Wie FuPa-Gründer Michael Wagner erfolgreich wirtschaftet

20.12.2017
 

Die regionale Onlineplattform fupa.net berichtet über Amateure wie der "Kicker" über Profis. Unternehmer Michael Wagner hat daraus eine erfolgreiche Geschäftsidee gemacht. Seit drei Jahren schreibt FuPa schwarze Zahlen.

Mit sich selbst geht Michael Wagner hart ins Gericht. Er sei vermutlich "der langsamste Spieler der Liga", kein bisschen torgefährlich und auf der Position des Sechsers mehr Kämpfertyp als versierter Techniker. Trotz steten Bemühens sind ihm während 13.000 Spielminuten in rund 170 Partien nur sieben Treffer und sechs Vorlagen gelungen. Mit seinen 28 Jahren sollte "Betze", so sein Spitzname, nun das beste Fußballeralter erreicht haben, aber Fortschritte mag er sich nicht attestieren. Sein Befund: "Ich bin schlechter geworden."

Wenn das stimmt, gibt es gute Gründe dafür. Zum Beispiel, dass Michael Wagner zu viel über Serverkapazitäten und stabile Computerverbindungen nachdenkt, wenn er sonntags für seinen SV Fürstenstein in der A-Klasse Vilshofen dem Ball nachjagt. Dabei hat Wagner die Fußballszene revolutioniert - durch das von ihm entwickelte Portal fupa.net. Der Name leitet sich ab von fussball-passau.de, der ersten Internetseite, die er noch als Schüler programmiert hat. Dort konnten sich Klubs anmelden, Daten und Fotos der Spieler, Nachrichten und das Vereinslogo hochladen. Das Ganze entstand auch aus Notwehr: Wagner produzierte damals zu den Heimspielen seines Heimatklubs eine Vereinszeitung und erlebte, wie mühsam es sein kann, per Telefon oder Fax an Informationen über den nächsten Gegner zu gelangen

Heute ist fupa.net eine bundesweit führende, regional ausgelegte Onlineplattform für den Amateurfußball, die in der vergangenen Saison laut Google Analytics eine Milliarde Seitenaufrufe, 140 Millionen Visits und 30 Millionen Unique User zählte.

Während sich Medien wie "Kicker", "Sport Bild" und "Transfermarkt" um die Profis kümmern, steht bei fupa.net ganz bewusst der organisierte Freizeitsport im Mittelpunkt. Ein Thema, das interessiert und bewegt: Wird ein Trainer entlassen oder ein Kicker wechselt den Klub, steigt die Klickzahl der entsprechenden Meldungen schnell in vierstellige Höhen. Das größte Verkehrsaufkommen gibt es erwartungsgemäß an den Spieltagen am Wochenende, wenn Zigtausende auf die Webseiten strömen, um sich über Ergebnis, Spielverlauf und Tabelle zu informieren. Diese Hoch-Zeiten sind auch technisch eine Herausforderung, weshalb Wagner immer weiter in Server und technische Ressourcen investiert hat.

Spieler, Fans und Funktionäre wollen sich so aktuell und ausreichend wie möglich über ihren Klub und die Konkurrenz informieren, da unterscheidet sich das Nutzerverhalten nicht vom Profisport. Dass das funktioniert, ist zu einem großen Teil den inzwischen rund 80.000 registrierten Vereinsverwaltern zu verdanken. Sie stellen Spielberichte, Spielerkader, Transfers und Termine für ihren Klub in das von Wagner und seinen Leuten selbst entwickelte System ein.

"Aus Liebe zum Fußball": Mit diesem Claim wirbt FuPa. Kein platter Spruch, sondern ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor. Michael Wagner kickt seit früher Jugend, ist bis heute ein begeisterter Fußballer geblieben. Und er ist ein exzellenter Entwickler. Beide Leidenschaften treiben ihn an. In dieser Kombination aus Kicker und Computerfreak liegt ein Schlüssel für den Erfolg des Portals, das schon 2010 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. "Wir sind ganz nah dran am Geschehen und Teil der Community. Dadurch wissen wir, was die Leute interessiert", sagt Wagner. Neue Vorschläge werden lebhaft diskutiert, aber nicht in ewig dauernden Meetings gemalmt oder von hierarchisch bedeutenden Bedenkenträgern hin- und hergeschüttelt. "Wenn wir von etwas überzeugt sind, setzen wir es schnell um", so Wagner.

Ein Beispiel: Vor vier Jahren kam die Idee auf, in den Ligen nach jedem Spieltag eine "Elf der Woche" aufzustellen. Ein Format, das zum Beispiel aus "Bild" und "Kicker" schon lange bekannt ist. Dort benoten Sportredakteure die Leistungen der Spieler und entscheiden über die Nominierung. Fupa.net wendet ein ausgeklügeltes, aber leicht verständliches System an: Nutzer stimmen ab, daneben fließen Faktoren wie aktuelles Ergebnis des Teams, Stärke des Gegners, Tore und Vorlagen des Spielers in die automatische Berechnung ein. Dienstags um 8 Uhr erscheint dann "Die Elf der Woche", die "zu einem der beliebtesten Features auf fupa. net geworden ist", so Michael Wagner. Das Ganze hat er damals innerhalb von drei Tagen programmiert. Ob eine Neuerung ankommt, "das testen wir oftmals erst in einzelnen Regionen. Im Echtbetrieb erkennt man, wie User reagieren und wo vielleicht noch Verbesserungen nötig sind", ergänzt Wagner. 

Zu Beginn war FuPa ein viel gelobter Zeitvertreib eines computerversierten Fußballverrückten. Zum Geschäftsmodell ist es durch Franchising geworden. Für Nutzer ist das Angebot auf fupa.net komplett kostenlos. Die Firma verdient ihr Geld etwa zu zwei Dritteln durch Werbung, zu einem Drittel mit Lizenzgebühren. Der aktuelle Jahresumsatz dürfte sich bei geschätzt rund 2 Millionen Euro bewegen. "Seit drei Jahren schreiben wir schwarze Zahlen. Den Gewinn investieren wir in den Ausbau von FuPa", sagt Wagner. 

kress.de-Tipp: Der Text ist ein Auszug aus dem in "kress pro"-Ausgabe 8/2107 (Oktober) erschienen Case zu fupa.net in. Darin geht "kress pro"-Autor Roland Karle ausführlich auf das spannende Lizenzmodell von FuPa-Gründer Michael Wagner ein und zeigt, welche Innovationen Wagner bereits ausgerollt hat und welche Ideen er noch im Kopf hat. Die "kress pro"-Ausgabe gibt es in unserem Shop als E-Paper oder gedruckt - und im iKiosk. Per E-Mail kann sie unter vertrieb(at)oberauer.com bestellt werden.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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