"Wir fragen unsere kressköpfe": Warum Studio-Hamburg-Boss Michael Lehmann neue Chancen auf dem Produzentenmarkt sieht

 

Hier produziert der Chef selbst: Michael Lehmann, Vorsitzender der Studio-Hamburg-Geschäftsführung, hat zuletzt das Feel-Good-Drama "Simpel" ins Kino gebracht. Um den Kontakt zu den Kreativen nicht abreißen zu lassen, ist der Rostocker, der in der DDR zunächst nicht studieren durfte und Elektriker auf einer Werft wurde, fast nie im Büro anzutreffen. In seiner Wahlheimat Hamburg würde er gerne im neuen Elbtunnel drehen.

kress.de: Herr Lehmann, Ihr Mutterhaus Studio Hamburg feierte in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Wie viel verbinden Sie persönlich mit derlei Zahlenzauber? In wie weit ist diese Tradition Ansporn für das Tagesgeschäft?

Michael Lehmann: Tradition ist wichtig, allerdings bin ich ein Mensch, der mehr in der Zukunft lebt.

kress.de: Die Studio Hamburg Produktion Gruppe ist breit aufgestellt. Trotzdem: Welche Facette würden Sie gerne noch mit in Ihr Angebotsportfolio aufnehmen?

Michael Lehmann: Ich würde unser Angebotsportfolio gern um Animation erweitern.

kress.de: Es weht derzeit ja so etwas wie ein frischer Wind auf dem deutschen Produzentenmarkt. In wie weit kann auch Ihr Haus von der gesteigerten Auftragslage, stimuliert auch durch große neue Player wie Amazon oder Netflix, profitieren?

Michael Lehmann: Content is King – dieses geflügelte Wort könnte sich erfüllen. Durch die neuen Player auf dem Markt, sind neue Chancen entstanden.

kress.de: Was muss ein Kreativer aus Ihrem Haus mitbringen, um Sie etwa für das Ausprobieren eines neuen Showkonzepts oder einer fiktionalen Idee zu begeistern?

Michael Lehmann: Der Kreative muss Leidenschaft und Begeisterung für sein Programm mitbringen. Er muss auch ein sehr gutes Netzwerk nachweisen können, da Film Teamarbeit bedeutet. Man ist nur so stark wie das schwächste Glied in der Kette.

kress.de: Wie viele Drehbücher oder Exposees liegen auf Ihrem Nachttisch?

Michael Lehmann: Keins, weil ich ein iPad nutze. Aber dort lagern digital viele Kleinode und ich hoffe, dass das auch nie aufhört.

kress.de: Wie offenen ist die Tür eines Studio Hamburg-Geschäftsführers eigentlich in der Praxis noch?

Michael Lehmann: Meine Tür ist offen, aber ich bin selten im Büro, weil sich Kreativität leider nicht im Büro versteckt.

kress.de: Ihre Aufgaben bringen sicher viel Administratives, viele Verhandlungen und viel Zahlen- und Vertragswerk mit sich. Wie nah fühlen Sie sich trotzdem noch dem alltäglichen kreativen Treiben auf den Studiogeländen?

Michael Lehmann: Für die Zahlen und das Vertragswerk habe ich mit Andreas Knoblauch einen zentralen Partner an meiner Seite, der mit viel Erfahrung und Geschick diesen Part managt. Sicher gibt es viele weitere Themen rund um Mitarbeiterführung etc., die mich einspannen, aber unterm Strich bleibt genügend Zeit für kreative Prozesse. Und zum Glück gibt es ja auch noch die Abend- und Nachtstunden.

kress.de: Unlängst erst haben Sie selbst den Kinofilm "Simpel" mit Frederick Lau und David Kross produziert. Wie wichtig sind Ihnen diese Ausflüge in die Praxis?

Michael Lehmann: Diese "Ausflüge" lass ich mir nicht nehmen und hoffe, es bleibt nicht nur bei Ausflügen, denn die Anbahnung und die Steuerung kreativer Prozesse sind eine meiner Hauptaufgaben.

kress.de: Wie wichtig ist es für Sie, immer wieder selbst in die Produzentenrolle zu schlüpfen und wie viel Zeit im Jahr genehmigen Sie sich dafür?

Michael Lehmann: Sehr wichtig, da ich nicht den Zugang zum ureigensten Geschäft verlieren möchte. Wenn man sich allerdings dafür entscheidet, dann kostet es so viel Zeit, wie man eben braucht, um einen Film gut zu machen.

kress.de: Wie sieht eigentlich Ihre eigene Mediennutzung aus? Welche Titel oder Marken nehmen Sie sich persönlich früh als erstes vor?

Michael Lehmann: Kress, Insight Kino, dwdl, mediabiz sowie unseren eigenen Pressespiegel. Daneben gehören die Top 5-Quoten um 8.15 Uhr über Teletext  zu meiner täglichen Morgenlektüre.

kress.de: Muss man als Produzent ein Medienjunkie sein? Und wie sehr schmerzt der Blick in die Reichweiten-Auflistungen in der Früh?

Michael Lehmann: Misserfolge gehören dazu, aber häufig wird man auch positiv überrascht.

kress.de: Wenn Sie auf Ihre eigene bisherige Karriere zurückblicken: Wo haben sie am meisten gelernt und was hilft Produktionsalltag?

Michael Lehmann: Serien, Serien und noch mal Serien.

kress.de: Der Konkurrenzdruck auf dem Produzentenmarkt ist enorm. Wie tanken Sie privat Ihre Batterien auf?

Michael Lehmann: Ich bin ein durch und durch optimistischer Mensch mit größter Freude an der Arbeit. Das ist die beste Tankstelle für meine Batterien.

kress.de: Wenn Sie das TV- und Filmgeschäft einmal ausblenden: Wie inspirierend wirkt für Sie das Kultur- und Medienangebot einer Metropole wie Hamburg?

Michael Lehmann: Das Kulturangebot der Stadt Hamburg ist wirklich mannigfaltig und das ist ein starker Wirtschafts- und Tourismusfaktor. Und so bin ich froh, in einer Stadt zu wohnen, die so viele Angebote für einen bereit hält. 

kress.de: Hamburg ist ja auch ein beliebtes Drehmotiv? Verraten Sie uns Ihre Lieblingsecken?

Michael Lehmann: Das ist der Goldene Pavillon auf der Halbinsel in Entenwerder. 

kress.de: Wo würden Sie selbst einmal gerne in Hamburg ein TV- oder Filmprojekt umsetzen? Gibt es noch "ungesehene" Ecken?

Michael Lehmann: Gerne würde ich mal einen Film im neuen Elbtunnel drehen.

kress.de: Sie führen seit längerem ein "kressköpfe"-Profil. Wie wichtig ist es für die Arbeit in Ihrem Netzwerk?

Michael Lehmann: Kress ist ein Meinungsführer der deutschen Medienbranche, und um den Überblick zu behalten, benötigt man solche Angebote wie die Kressköpfe-Profile.

kress.de: Welche Neuigkeiten und beruflichen Inspirationen ziehen Sie aus Ihrer Lektüre von kress.de und "kress pro"?

Michael Lehmann: "kress pro" vereint alle Informationen , die man benötigt, um die Veränderungen im eigenen Netzwerk im Auge zu behalten.

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