Warum Florian Harms für seinen "Tagesanbruch"-Newsletter gerne Opfer bringt

16.01.2018
 

Florian Harms, Chefredakteur von "t-online.de", zweigt Tag für Tag eine Menge Zeit für seinen Newsletter "Tagesanbruch" ab. Es koste ihn in manchen Nächten Blut, Schweiß und Tränen, gesteht Harms im "kress pro"-Dossier. Warum tut er sich das an?

"kress pro": Schon kurz nach Ihrem Start bei "t-online.de" im September haben Sie den Morgen-Newsletter Tagesanbruch eingeführt. Warum hatten Sie es so eilig mit diesem Format und welche spezifische Funktion erfüllt es für das Portal?

Florian Harms: Der "Tagesanbruch" ist ein Baustein in unserer Strategie, "t-online.de" zur Medienmarke zu entwickeln. Mir war es wichtig, als neuer Chefredakteur von Anfang an für die Leser sichtbar zu sein und mit ihnen gemeinsam in den Tag zu starten. Unser Ziel, "t-online.de" zu einer führenden publizistischen Stimme zu entwickeln, sollte den Lesern unmittelbar sichtbar werden. Was war? Was steht an? Was lesen? Was amüsiert mich? - So ordne ich in meinem Newsletter für die Leser werktags ein, was an jedem Morgen wichtig ist.

"kress pro": Tägliche Newsletter von Chefredakteuren gibt es bei zahlreichen journalistischen Angeboten im Internet. Haben Sie den Anspruch, mit dem "Tagesanbruch" etwas anders oder besser zu machen als die Kollegen?

Florian Harms: Ich schätze die Arbeit der Kollegen sehr, aber der Maßstab für meinen Newsletter sind ausschließlich unsere Leser. Ihnen möchte ich einen Überblick über die Lage in Deutschland und der Welt geben, so dass sie schon beim Tagesanbruch up to date sind und wissen, was sich zu lesen lohnt. Nach der Lektüre können sie mitreden. Weil sie wissen, was los ist, weil sie meine Meinung vielleicht goutieren und übernehmen oder weil sie sie für groben Unsinn halten, im Nachdenken über diesen Unsinn aber vielleicht selbst auf neue Gedanken kommen. Deshalb ist das Format nicht nur kompakt, sondern ganz bewusst subjektiv und auch mal augenzwinkernd. Es freut mich, dass gerade diese persönliche Note ausgesprochen gut ankommt. Das zeigen mir viele Leser-Mails. Der direkte Kontakt zu unseren Lesern ist, neben der journalistischen Glaubwürdigkeit, das Wichtigste, was wir haben.

"kress pro": Der Newsletter ist sehr umfangreich. Wie haben Sie die Produktion organisiert und in welchem Maße arbeiten Ihnen andere zu?

Florian Harms: Natürlich tausche ich mich im Vorfeld mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion aus, aber dann besteht meine letzte Tat des Tages darin, die Texte für den Newsletter zu verfassen und diesen selbst zu produzieren. Ich gestehe: Das kostet mich in manchen Nächten Blut, Schweiß und Tränen - aber die opfere ich gern, weil ich von dem Format überzeugt bin.

"kress pro": Geht man bei Ihnen davon aus, dass sich mit Newslettern wie Ihrem "Tagesanbruch" auch gutes Geld in der Vermarktung verdienen lässt, oder sind solche kommerziellen Motive eher zweitrangig?

Florian Harms: Bei der Einführung des neuen Formats stand ganz klar die publizistische Idee im Fokus. Zugleich können wir natürlich mit neuen Formaten wie dem "Tagesanbruch" auch in der Vermarktung punkten.

"kress pro": Erwägen oder planen Sie, auch über den "Tagesanbruch" hinaus das Newsletter-Portfolio von "t-online. de" auszubauen?

Florian Harms: Wir stellen uns eine noch größere Aufgabe: Wir wollen Erklärformate für die verschiedenen Plattformen und Kanäle entwickeln und unser Angebot Tag für Tag verbessern.

kress.de-Tipp: Das Interview mit Florian Harms stammt aus dem "kress pro"-"Dossier Newsletter - Nutzer gewinnen, Erlöse steigern". "kress pro"-Autor Henning Kornfeld vergleicht darin die Konzepte von vier deutschen Medienhäusern und beschreibt drei Vorbilder aus dem Ausland. Dazu gibt es 15 Tipps für den erfolgreichen Newsletter-Einsatz von Ebner-Vertriebschefin Sema Torun. Das Dossier können Sie als E-Paper oder in gedruckter Form bestellen. Jeder "kress pro"-Ausgabe liegt ein Dossier bei - zur Übersicht.

Zur Person: Florian Harms ist seit dem 1. September 2017 Chefredakteur des Portals "t-online.de" und Geschäftsführer der Ströer News Publishing GmbH. Zuvor hat der studierte Islam- und Politikwissenschaftler fast zwölf Jahre lang für "Spiegel Online" gearbeitet, zuletzt als Chefredakteur. Ende 2016 musste er dort gehen. "t-online.de" ist mit 27,5 Millionen Unique Usern im September laut Agof daily digital facts das zweitstärkste deutsche Digital-Angebot nach dem Ebay-Kleinanzeigenmarkt.

"kress pro" - das Magazin für Führungskräfte bei Medien - erscheint wie kress.de im Medienfachverlag Oberauer. "kress pro"-Chefredakteur ist Markus Wiegand, Herausgeber Johann Oberauer. "Zum "kress pro"-Abo.

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